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Kleiner Ratgeber: Wie Sie es so richtig vergeigen!

Sie möchten es sich mit anderen Menschen verscherzen? Kein Problem. Sie sorgen selbst dafür, dass Dinge schief gehen? Bekommen Sie hin. Sie schaffen Probleme, wo es keine gibt? Aber gern doch. Lesen Sie hier den ultimativen Ratgeber, wie Sie es so richtig vergeigen.

Dieser (nicht ganz ernst gemeinte) Ratgeber entstand aus der täglichen Arbeit mit Kunden, den Kontakten mit Menschen und ist eine Ansammlung wahrer Begebenheiten aus dem ganz alltäglichen Irrsinn, der mir immer wieder begegnet. Die angeführten Beispiele sind real …

Seien Sie unverbindlich!

Es wäre doch zu schön, wenn Absprachen eingehalten, Termine wahrgenommen und Regeln zum benutzen da wären. Da stehen Sie locker drüber! Bedenken Sie, dass eine Terminierung nicht nur für Sie, sondern auch für Ihren Gesprächspartner Folgen hat. Denn der passt Sie in seinen Kalender ein, kalkuliert Zeit für An- / Abfahrt und das Gespräch ein. Sie sind ein Baustein im Tagesablauf des Anderen. Das umgehen Sie locker, in dem Sie unpünktlich sind, sich für Verspätungen nicht entschuldigen (jeder kann mal im Stau stehen) oder am besten gar nicht erst erscheinen.

Beispiel: Kunde erwartet eine Beratung zur Immobilie. Ein Termin wird vereinbart. In einem langen Gespräch wird sondiert, was der Kunde möchte und die Immobilie für die Bewertung aufgenommen. Die Firma erstellt mit erheblichem Aufwand ein Wertgutachten. Ein Termin zur Übergabe des Ergebnisses wird vereinbart. Ich fahre zum Kunden und warte zum vereinbarten Zeitpunkt 20 Minuten vor Ort. Keiner erscheint. Meine Anrufe zum Handy des Kunden landen auf der Mailbox. Ich fahre zurück ins Büro. Auch weitere Versuche, den Kunden telefonisch oder per Mail zu erreichen, sind wirkungslos.

Sie haben alles richtig gemacht. (Fremde) Ressourcen vergeudet, Ihre eigene Glaubwürdigkeit auf Null gesetzt und mich richtig verärgert. Super!

Seien Sie negativ!

Es gibt Dinge, die sich nicht ändern lassen. Die nimmt man hin und lernt aus den Fehlern, falls es das eigene Verschulden war. Besser ist es, in allem (IN ALLEM) das Schlechte zu sehen. Das hat den Vorteil, dass Sie sich so richtig in eine Negativschleife begeben können. Das ist toll. Immer schön alles in Frage stellen, auch wenn es gar nicht nötig ist. Stets das Haar in der Suppe zu suchen, statt es sich schmecken zu lassen. Schön die Vorurteile pflegen und sich in der dann eintretenden Bestätigung wälzen.

Beispiel: Menschen aus meinem Umfeld können das hervorragend. Da geht es nicht um Angst vor Unbekanntem, sondern um klassischen Negativismus. Das geht nicht. Das geht schief. Ich glaube nicht, dass es funktioniert. Das ist die richtige Einstellung, damit es auch wirklich nichts wird.

Sie kennen den Begriff der selbsterfüllenden Prophezeiung? Dann sind Sie aber so was von richtig. Denn es wird Ihnen immer wieder bestätigt, dass ja doch alles Mist ist und nichts zusammenpasst. Weiterer Pluspunkt: Sie werden nie die halb geöffnete Tür, das kleine Licht, die ausgestreckte Hand sehen. Sie haben sich so richtig schön negativ eingerichtet. Perfekt!

Seine Sie verplant!

Hier ist nicht der übervolle Kalender gemeint, sondern wirkungsfeindliches Handeln und konzeptionsloses Dahinleben. Aufschieberitis, Unordnung und Angst vor Entscheidungen sind Ihre Verwandten? Dann aber mit Vollgas ins Chaos! Das Schöne daran ist, Sie werden Ihre Umwelt dermaßen nerven, dass bald keiner mehr mit Ihnen etwas zu tun haben will. Und das war ja Ihr Ziel, oder?

Beispiel: Sie kennen – wie ich – auch solche Menschen, die nichts auf die Reihe bekommen. Dies mag vielleicht an der Natur des Menschen oder dem Intellekt liegen. Das ist per se nicht schlimm. Wenn aber Ratschläge, Handreichungen, Erinnerungen nichts helfen? Was, wenn das Bemühen um solche Menschen nichts fruchtet? Möchten Sie in den Strudel der Inkompetenz und des Chaos hineingerissen werden? Sicher nicht.

Sie haben es geschafft, Ihre Umwelt auf Distanz zu halten. Ist das nicht wundervoll? Gratulation!

Seien Sie problematisch!

Ein Problem bedarf einer Lösung – im Großen wie im Kleinen. Sonst hieße es vielleicht Noplem oder Contraplem. Aber eine Lösung ist doch viel zu einfach! Machen Sie gefälligst aus einer Mücke einen Elefanten. Sonst wird das nix mit der Problematisiererei.

Beispiel: Umstandskasten, Querkopf, zwei linke Hände – Sie kennen auch solche Vertreter der Spezies Mensch. Wenn die Lösung A+B+C wäre, machen sie daraus bestimmt A-B+B,5*C/D+E-F. In der Verkomplizierung eines Vorganges, einer Reparatur, einer Idee finden sie Erfüllung. Wir könnten doch auch noch das und jenes dazu / davon / damit …

Es ist vollbracht. Sie haben es geschafft, Ihre Umwelt in den Wahnsinn oder die Ferne zu treiben. Weiterer Vorteil: Ihr Anfangsproblem ist immer noch nicht gelöst und die Zusatzprobleme harren ja auch noch ihrer Aufmerksamkeit. Chapeau!

Auswege sind möglich!

Sind Sie selbst eine/r der o.g. Vertreter? Dann müssen Sie an sich arbeiten bzw. Hilfe zulassen.

Wenn Sie es nicht tun: Werden Sie so weitermachen und sich resp. Anderen das Leben schwer. Der Zugang zu anderen Menschen wird erschwert und Ihr Freundes- / Bekanntenkreis schrumpft auf Nanometer. Und bei mir brauchen Sie dann gar nicht erst anklopfen.

Wenn Sie es tun: Es öffnen sich in Ihrem Kopf / Ihrem Herzen neue Türen. Ihre Welt wird entspannter, klarer, freundlicher. Ihre Umwelt honoriert Ihre Bemühungen und wendet sich Ihnen wieder zu. Sie erfahren Lob und Zustimmung.

Die Entscheidung liegt allein bei Ihnen. Ich wünsche Ihnen dafür viel Erfolg!