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Von MINT(ze) und Hackordnung – Webmontag in der Hackersschool

Wir wussten es! Tarnt sich als Medienschule und ist voller Hacker. Na, denen schaute der Hamburger Webmontag mal ein büschn genauer auf die Finger. Am 25.08.2014 ging es um MINT(ze), Begabte, Coder und noch mehr.

Ende mit Pause

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Die Sommerpause ist endlich vorbei und alle, alle kamen. Hamburgs Anwender, Entwickler, Gründer, Unternehmer, Forscher, Blogger, Podcaster, Designer und sonstige Webbegeisterte strömten. In die Medienschule Hamburg am Ring 2. Um zu sehen die finsteren Gesellen, die da in dunklen Kellern vor sich hin hacken. Oder doch nicht?

MINT(ze) für Heute und Morgen

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Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik ist der frische Duft, den die Wissensgesellschaft braucht. Um das „I“ ging es Andreas Ollmann & David Cummis: “Wir bringen den Vokal zurück in’s MINT” Dafür legten sie dolle los. Holten Sponsoren, Presse und PR ins Boot und nach mühevoller Vorbereitung 50 Schüler zur Hacker School. Da hatten sie die Kleinen, wo sie diese haben wollten: Hinter dem Bildschirm. Und die waren begeistert bei der Sache. Voller Erfolg, bundesweite Anfragen und Energie für´s Weitermachen. Das es funktionierte, erzählte gleich danach der da …

Huurraahh! Schule!

Das sagt Richard Rasmussen (Schüler der Hacker School) in seinem Vortrag „Warum ich die Hacker-School mag“. Ehrfürchtig lauschte das Auditorium. Denn der kleine Hacker-Racker sprach so selbstverständlich übers Programmieren, HTML und JavaScript, wie unsereins über´s Brötchen holen. Donnerlittchen! Und das er komplexe (!) Strategiespiele (!) mag. Mit noch nicht mal 13. Er hatte den Saal im Handumdrehen für sich eingenommen. Vielleicht sagen wir dereinst: Weißt Du noch, damals? Der kleine Richard? Tja, heute ist er der neue Bill Gates. Oder so ähnlich …

Coden + Spiele bauen = Begabte

Jana Rasmussen (Richards Mama) sieht in der Hackerschool Potenzial zur Talentförderung in Hamburg. Damit meint sie nicht nur ihren kleinen Coder. Denn der langweilte sich in der Schule nur. Auffällige kommen eher zum PsychoDoc, als zur Begabtenförderung. Oder bekommen ein paar Pillen, damit wieder RUHE herrscht. Sie sieht die Heranführung von Kindern an die Erfordernisse der Gegenwart / Zukunft kritisch. In England, so Jana, gehen alle Schüler von der 1. Klasse bis zum Abschluss pflichtgemäß in das Schulfach Computing. Da könnte doch Hamburg mal einen großen Schritt gehen. Könnte.

 

Y-Teacher

So benamst sich Johannes Mainusch (E-POST Development GmbH). Er beobachtet, coacht, sinniert, bildet sich und andere. Und macht verstörende Entdeckungen. Angst frisst Lernen auf. Scham verhindert Fragen – von denen es bekanntlich keine dummen gibt. Neugier und eine gewisse Selbstüberschätzung werden ausgebremst. Immer schön ruhig und sicher agieren. Bloß keinen zweiten vor dem ersten Schritt. Das ist schlecht für die Menschenköpfe und ganz schlecht für den HighTech Standort D-Land. Recht hat er!

„Was Hänschen nicht lernt…“

Marco Luschnat von ministry.de berichtet über das Supporting der Hacker School. Warum sie  supporteten? Weil es sauschwer ist, gutes IT-Personal zu finden. Ironie: 70% der Schüler sind im Internet cleverer unterwegs, als ihre Lehrer. Das Defizit der frühen (!) Heranführung der Kleinen an Kollegen Compi ist auch aus seiner Sicht ganz klar ein Drama. IT ist die Fremdsprache von morgen. Insofern pfeift Ministry auf PR aus der Hacker School und sorgt sich redlich um guten Nachwuchs. Auch und gerade im eigenen Interesse. Gut so!

Fazit des Abends

Die Jugend von heute ist nicht schlecht, sondern sie wird schlecht gemacht. Von einer Gesellschaft, der es graust vor diesem Internet-Dings. Von einer Gesellschaft, die so viel auf ihre Bildung hält, aber anachronistisch auf eingefahrenen Gleisen fährt. Lichtblick: Hacker School ist ein Anfang. Lasset uns Kreise ziehen und agitieren und weitersagen: Das WWW ist unsere Zukunft und verdammt noch mal – sie ist schon da. Heute.

Anmerkung zum Artikel: Der Webmontag Hamburg findet nicht mehr statt. Auf der Webseite wurden Beiträge von mir zu den Veranstaltungen im Logbuch notiert. Dieser Artikel ist eine Sicherungskopie von https://www.webmontag-hamburg.de/eintrag/wmhh-29-von-mintze-und-hackordnung.html

2b AHEAD: Bildung durch Inspiration und Verantwortung

Kann eine Schulbildung fordern und fördern? Gibt es Fächer wie Verantwortung, Herausforderung oder Zukunft? Bilden Schüler Lehrer aus? Ja, an der evangelischen Schule Berlin Zentrum unter der Leitung von Margret Rasfeld.

Die Schulleiterin stellte auf dem Zukunftskongress 2b.AHEAD ihre Schule vor. „Die unsägliche Pisa-Studie hat die Lehrer und Schulen gezwungen, auf die Anforderungen hinzuarbeiten.“ so Rasfeld, und weiter „Wir brauchen aber eine Bildung mit ökonomischer, ökologischer und künstlerischer Phantasie!“

Gesellschaft spaltet sich nach ihrem Bildungsgrad

Wahrlich keine guten Aussichten für ein Deutschland im Jahre 2021: Menschen haben durch gute / schlechte Bildung den Gang in die Elite oder in die Slums vor sich. Wessen Talente und Leidenschaften nicht gefördert werden, wer seine Potentiale nicht entfalten kann, der verkommt in einer schnellen, mobilen Gesellschaft. Rasfeld fordert einen Aufbruch in die Elitegesellschaft. Elite – allein dieses Wort rieft noch vor kurzer Zeit Bedenkenträger auf den Plan. Doch spiegelt die Statistik wieder, dass andere Länder mit ihren Eliten wesentlich pfleglicher und erfolgreicher umgegangen sind. In den BRIC-Staaten oder den USA sammeln sich die Hochbegabten, die Ingenieure mit Klasse. Neben dem demografischen Wandel und der Alterung gehen Deutschland schon heute die Spitzenkräfte aus.

Schule verformt

Wenn Beamtenriegen mit Papierbergen die Autonomien der Schulen ersticken, sorgen sie für Pisa. Fragen der Schüler, selber denken, Urteile bilden sind Voraussetzungen für die Gehirnakrobaten von Morgen. „Durch das Verteilen von Noten und Chancen nach Rastern gehen Talente verloren. Und stets ist ein Mensch in der Nähe, der dem Kind sagt: Tue dies, lass das!“, so Rasfeld. Mit einem für deutsche Verhältnisse erstaunlichen Konzept arbeitet die Berliner Schule an einem Transformationsprozess durch radikalen Wandel der Lernkultur. Den Menschen eingrenzende Hierarchien sind eine Fehlanzeige, das Verwaltungsdenken ist auf ein notwendiges Minimum reduziert. Einen Stundenplan gibt es nur als Gerüst. Wählen als Motivationsfaktor spornt die Einsteins von Morgen an.

Zukunft der Schule

Ein Schüler an dieser höheren Berliner Bildungsanstalt geht morgens in ein Lernbüro. Dort hat er zwei Stunden mit Materialien der Schule Zeit für die Vorbereitung und das Lernen. Selbstbestimmt geht er danach in den Fachunterricht seiner Wahl. Deutsch, Englisch, Mathe, Gesellschaftskunde sind nur Teil der Ausbildung. Auch Fächer wie Verantwortung stehen auf dem Lehrplan. Und Herausforderung kommt später. Projekte außerhalb der Schule lassen die Schüler in steten Kontakt mit der Realität. Sie halten selbst Vorträge, geben Computerkurse. Sie werden zu Lehrern und erzählen Pädagogen etwas über das Konzept der Schule. Dass sie das nicht umsonst machen, versteht sich von selbst. 12.000 Euro haben die „Kleinen“ bisher eingenommen. Den Umgang mit Geld und das Wirtschaften können sie nicht früh genug lernen. Und sie bekommen ein Gespür, auf Menschen zuzugehen. Sie planen, geben Unsicherheiten eine Chance und sind offen für Neues.

Auf die Barrikaden!

Schulen sind das größte Unternehmen der Bundesrepublik. Die Saat der Bildung braucht Dünger und Wasser. Die Kinder sind die Zukunft des Landes und kleine Schlauberger sollen einmal die CEOs der führenden Unternehmen der Welt werden. „Und keiner geht auf die Barrikaden!“ so Rasfeld. All die Studien und Berichte über das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler hat kaum etwas im Bewusststein der Menschen bewirkt. Die Politik ist eher wahltaktischen Erwägungen erlegen. Und die Konkurrenz, die Länder mit effizientem förderndem Schulsystem, sorgt kräftig für Vorsprung durch Bildung. Die Zukunft? Steht in Berlin, funktioniert, bringt prächtige Köpfe nach vorn. Und aus der ganzen Republik reisen neugierige Lehrer an, um sich dieses ganz andere Bildungssystem aus der Nähe anzusehen. Möge sich der Berliner Virus im (Bildungs-) System einnisten und ganze Arbeit leisten: An gedanklichen Firewalls vorbei, durch Kritikaster-Scanner hindurch in die Köpfe und Herzen der Menschen, denen die Zukunft dieses Landes noch etwas bedeutet.