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Digital Detox ist Kinderkram. Vergessen Sie die PIN!

Alle Jahre wieder zum Fest macht es Sinn, sich mal offline zu nehmen. Oh, du fröhliche digitale Detox-Zeit. Das ganze Jahr rumgetwittert und auf Insta geschaut, online News inhaliert und dem Treiben auf der Welt in Echtzeit zugeschaut und -gehört. Lesen Sie hier den ultimativen Ratgeber für echtes, wahres Digital Detox! Das kam so.

Twitter offline

Ja, ich liebe Twitter. Dieses Medium bietet eine mir genehme Vielfalt an Unterhaltung, Information und Spaß zu jeder Tageszeit. Doch wahrlich ist der Kurznachrichtendienst ein kleiner Teufel. Denn er stiehlt mir die Zeit Ach, komm, das ist doch so lustig und spannend hier, bleib noch ein Weilchen. Jaahaa, das ist es und ZACK, wieder etwas meiner Lebenszeit gestohlen. Einsicht ist der beste Weg zur Besserung. Lass mal Digital Detox machen! Also der kalte Entzug nach 11,5 Monaten des Jahres offline gehen und NICHT in die Timeline schauen und NICHT in die Direktnachrichten der lieben digitalen Menschen. AUA, das tut weh! Bitter muss die Medizin sein, sonst nützt sie nichts! Gesagt, getan. Am 16.12. war Schluss mit Lustig.

Die Hintertür

OK, Twitter war off. Doch der kleine Online-Suchti-Teufel findet ja seine Entsprechung. Wir haben ja noch Insta, die Mails und die News und überhaupt. Das ist ja gar kein Digital-Detox! Sagt der Engel auf der einen Schulter. Na und! Du hast ja Twitter off, sagt der Teufel auf der anderen Schulter, das reicht doch allemal! Und in mir schleicht so ein komisches Gefühl hoch…

Geisel der Technik

Das Hauptmedium ist heutzutage ja das Handy. Die ganze Welt in Deiner Hand. Alles mit einem Klick erreichbar. WLAN oder UMTS vorausgesetzt. Der Handcomputer ist tief in das Leben der Menschen eingedrungen. Es gibt keine geografischen oder Einkommensbarrieren mehr. Jeder kann jederzeit für kleines Geld online sein. Das Thema Netzabdeckung und Geschwindigkeit in einem „Hochtechnologieland“ Deutschland spare ich mir an dieser Stelle komplett…

Nun kommt es vor, das der Hersteller von Handys von Zeit zu Zeit Updates auf die Geräte überträgt und den Nutzer zu Bestätigungen auffordert. Diese ermöglichen dann ein Update der Software des Betriebssystems oder einzelner Komponenten. Soweit, so gut. Die Anfrage auf Update wurde mit „später“ abgelehnt. Die Geschäftsbedingungen bestätigt (*). Hätte, hätte, Fahrradkette.

Gib mir die PIN!

Froher Detoxer, der ich bin, greift am Morgen zum Handy.

Und.

Wird.

Ganz.

Still.

Das geliebte Handcomputerleinchen fuhr in der Nacht ganz unbemerkt herunter (*) und fragte frohgemut nach der PIN. Berechtigt nach einem RunterHoch. Wenn, siehe Absatz 2, das Digitaldings immer an ist, weil man (ich) ja immer on ist (MIST!) braucht man (ich) ja auch seine PIN (!) nicht (immer). Die ruhte an sicherem (aber weit von mir entferntem) Orte. Öhhm.

Real Detox

Der halbherzige Plan fand brutal seine Erfüllung. Nix online. Nix Ablenkung. Nix „wir schauen mal eben ein lustiges Video“. Nix. Nix. Einfach nix. Also digtal. Nach dem Schreck die Ernüchterung. Kalter Entzug. Suchti auf Station. Im Leben. Lebensstation. Zeitreise. Zurück in der (nicht Zukunft) Realität. Huiiiiii!

Es war nicht der Fakt des nicht online sein. Es war (wieder einmal) die Erkenntnis, wie (unbemerkt) sich die Technologie in das (mein) Leben drängt, davon Besitz ergreift, es beherrscht. Natürlich ist so ein Onlinedingsi (hier kommen direkt die Ausreden für alle Suchtis) meganützlich. Denn ich kann ja jederzeit den Wetterbericht schauen. (AUS DEM FENSTER GUCKEN!) Ich kann doch wunderbar mit meinen Freunden kommunizieren. (HINFAHREN, KAFFEE TRINKEN, QUATSCHEN, CHILLEN!) Und wenn ich rumsingle, finde ich doch bestimmt eine ganze Hübsche im Internet. (RAUS AUS DER BUTZE UND SIEH ZU, DASS DU UNTER LEUTE KOMMST!)

Und nun?

Erkenntnis in Echtzeit. Ganz real. Lassen wir mal Verschwörungstheoretiker und Technikfeinde außen vor. Was passiert eigentlich, wenn wir offline sind. Also in echt, Ohne Hintertür. Sind wir überhaupt noch noch in der Lage, ohne Online zu agieren? Die Altvorderen hatten nur ein Telefon. Zum Telefonieren, also reden. Und die Post. Zum schreiben. Kommunikation, die jahrzehntelang funktionierte. Die Dingsis verursachten (mit) eine Sprachenkorrektur und dampften den Umfang der Kommunikation immer weiter ein. Erst die teure SMS (HDL!) dann Twitter mit 140 Zeichen (LOL). Das Lesen (und Schreiben) längerer Texte wurde zu Arbeit, zur Last. Die Aufmerksamkeitspanne reduzierte sich auf die Kurzkommunikation 😉

Es ist ein Dilemma. Ohne Computer (Smartphone) geht es heute sicher (beruflich) nicht. Die Frage ist aber, in welchem Umfang wir es zulassen, dass die Technik uns vereinnahmt. Welche Tätigkeiten brauchen online? Geht auch eine offline Ersatzhandlung? Wäre ein Pflicht-Detox per Monat eine Variante? Ist das Bevormundung oder Rettung vor dem Kraken Online? Pflege der Realität als Training?

Ich habe keinen Plan oder allgemeine Weisheiten. Aber die Erkenntnis, dass es so, wie es ist, nicht gut ist. Es muss jeder für sich entscheiden, wie er mit Technik und ihren Folgen umgeht. Danke, dass Sie den Text am Computer oder auf dem Handy gelesen haben! Legen Sie das Dingsi einfach mal zur Seite, und lassen Sie das geschriebene Wort wirken.

PS: Dieser Text wurde übrigens offline geschrieben. Digital Detox, Sie verstehen…

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Digital Detox – Urlaub vom Online

Was passiert mit mir, wenn ich mich – als alter Onliner – aus dem digitalen Betrieb zurückziehe? Bin ich schon ein Smombie? Kann ich ruhig schlafen? Fragen über Fragen und ein Bericht über einen entdigitalisierten Jahreswechsel.

Prolog

Vor sieben Jahren startete ich mit der Vermarktung und dem Aufbau von SocialMedia Kanälen für den Mittelstand. Das volle Programm mit Blogs, Facebook und der Beginn von Twitter in Deutschland. An Instagram, Snapchat und Co. war damals noch nicht zu denken. Als Online-Agentur redete ich mir beim Kunden den Mund fusselig, erkannte ich doch das Potential für die KOMMUNIKATION zwischen Anbieter und Anwender, zwischen Verkäufer und Kunden. Lesen Sie gern meine Blogbeiträge aus dieser Zeit. Sie haben an Aktualität nichts eingebüßt.

Doch es war noch zu früh. Deutschland schlummerte seinen printgestützten Werbetraum, nicht erkennend, dass aus einer kommunikativen Einbahnstraße schnell eine vierspurige Autobahn in beide Richtung wurde. Jahre später – ich hatte die Branche schon gewechselt – überschlugen sich die Anbieter dieser Dienstleistung in der Präsentation und der Mittelstand stürzte sich mit viel Geld – mehr oder weniger erfolgreich – in das Abenteuer SocialMedia …

Digitale Entgiftung – Ein Selbstversuch

Digital Detox versteht sich als bewusste Rücknahme aus allen Aktivitäten im Online-Bereich. Urlaub vom online sein, Abstand von Smartphone und Co. Die Überlegung dahinter: Wenn ich ständig verfügbar bin und Informationen erhalte, kann ich mich auf die (mir) wichtigen Dinge nicht mehr konzentrieren. Ziele gehen flöten, Aufmerksamkeit schrumpft auf Teaser-Niveau. Starker Tobak, das! 

Nun denn, die Regel stelle ich auf: Kein SocialMedia, keine Mails. Und das Ganze über zwei Wochen. Zeitung online lesen gilt nicht. Ein bisschen Grundinformation tut nötig und Printausgaben habe ich seit Jahren nicht mehr genutzt. Als Profi-Twitterer ist das eine echte Herausforderung. Dieses Medium ist mir über die Jahre ans Herz gewachsen, da es mit Witz und Geist eine stete Quelle der Inspiration und Unterhaltung ist. Kein Facebook, kein Xing, kein LinkedIN. Still ruht der Blog (1) und die Webseite.

In meiner Branche wird es über die Feiertage generell ruhiger, da bietet es sich an, die Mails erst im neuen Jahr zu lesen. Wenn etwas wichtiges ist, gibt es ja das Telefon. Das ist OK, weil manche Kunden Bauchentscheidungen treffen und dann sofort mit mir sprechen wollen. (2)

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Einfach mal abschalten: Klick!

Dann war es soweit. Der letzte Tweet verließ am 15.12. Mittags das Handy. (3) Ruhe im Schiff! Langsam runterkommen von der Arbeit, noch eine Weihnachtsfeier mit Freunden und dann ab auf´s Land. Hier kräht der Hahn als Wecker und der Hund freut sich wie Bolle auf die Morgenrunde. Dann kam der übliche Weihnachtsablauf mit zu viel Essen und zu wenig Bewegung (ToDo: Joggen! Ohne Kopfhörer!)

Die ersten Tage ging es dank Ablenkung und neuem Input ganz prima. Aber in mir war da was. Neugier, Anspannung, Versuchung. Was geht da – „fernab“ von mir – so? Was schreiben die geliebten Follower? Welchen grandiosen Blödsinn hecken sie gerade wieder aus?

NEIN! Du hast es so gewollt. Geh Holz hacken. Oder spazieren. Oder mit Menschen reden. Ach ja, da war doch noch was. Kommunikation (siehe Prolog). Live und in Farbe. Interessant wird es als Städter und Onliner, in eine Welt einzutauchen, in der noch SMS verschickt werden und der kleine Einkaufsladen die Nachrichtenzentrale ist. Der Plausch über den Gartenzaun mit den Nachbarn ersetzt die Zeitung (besonders bei SEHR GUT informierten Nachbarn …) Hier rennt keiner den ganzen Tag mit dem Smartphone vor der Nase durchs Dorf. Und das liegt nicht an der gruseligen Netzabdeckung, die den Akku im verzweifelten Versuch, Anbindung zu finden, leerlutscht. Da wird der Trecker angehalten und dann gehen erst einmal die offline Aktualisierungen über die Lippen. So ganz altmodisch, aber auch liebenswert. Weil man sich lange nicht sah, flattern Einladungen ins Haus: Komm doch mal rum, iss mit uns, lass dich mal sehen. Also landete ich in der Vor-Handy-Zeit. (Von wegen, Zeitreisen sind nicht möglich …) Und das hatte auch was.

Das Ende vom Lied

Das mit den Mails hat so nicht ganz geklappt, da kurz nach Urlaubsbeginn noch Rückfragen zu einem Kunden aus dem Büro kamen. Das war schnell erledigt. Die weiteren Mails wurden nicht geöffnet, da sich aus dem Titel schon ergab, dass eine Antwort nicht nötig war. Die TwitterApp wurde tatsächlich nicht geöffnet, auch wenn der Zähler für Interaktionen trotz meines Schweigens beharrlich nach oben wanderte. (Die Anzeige dafür – nicht der Inhalt – erfolgt automatisch im Feed des Handys.) Natürlich war die Versuchung da, natürlich rasiere ich an der Grenze öffnen/nicht öffnen entlang. Aber das gab sich mit den Tagen, als ich realisierte, dass es noch Anderes gab. Es verlor an Priorität, aber es wäre gelogen, dass es leicht gefallen ist. Habe ich also die Vorstufe zum Smombie schon erreicht? Kontrolliert es mich oder kontrolliere ich es? Die Grenze dazu verwischt, ganz ehrlich. Was passiert mit mir, wenn ich weiter den Verlockungen der SocialMedia Welt erliege? Kann ich in einem Jahr oder in zwei noch loslassen, oder bin ich eine Geisel der Interaktion? Gute Frage! Käme auf einen weiteren Versuch an. Urlaub im eigentlichen Sinne mache ich ja auch und dann ist die Firma ausgeblendet, kommen die Monitor-Augen zur Ruhe und der Kopf wird frei. Mein Tipp: Ausprobieren und dann darüber bloggen. Bis dahin lesen wir uns. Hier oder bei Twitter

 

(1) Der Beitrag wurde offline geschrieben und am 30.12. in den Blog geschoben und veröffentlicht.

(2) Es rief tatsächlich ein Kunde an, dessen familiäre Situation sich geändert hat und der umgehend Beratung brauchte.

(3) Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort – ich wiederhole: MEIN EHRENWORT – dass der „Test“ – Tweet vom 22.12. (siehe Screenshot) automatisiert aus dem Entwürfe-Ordner der TwitterApp aus dem Tablet gesendet wurde, als ich mit diesem online ging, um Zeitung zu lesen. Dieser war wohl dort noch abgelegt und wurde nicht gelöscht. Dieser Tweet hat also meine Digital Detox nicht unterbrochen!