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Deutschland – quo vadis?

Vielleicht sollte der Titel lauten: Gesellschaft – quo vadis. Und nicht: Deutschland – quo vadis. Es steht mir aber nicht zu, über andere Gesellschaften zu schreiben, also nehme ich meine.

In „schöner“ Regelmäßigkeit kotze ich meine Frust in den Blog, damit er aus mir raus ist und ich neuen Frust aufstauen kann, weil es nicht aufhört mit dem Frust in dieser Gesellschaft. Die alten Fruste sehen Sie unten. Die neuen folgen hier.

Quo vadis?

Seit geraumer Zeit frage ich mich, was aus dieser, meiner Gesellschaft geworden ist und werden wird. Räumen wir mal den politischen Irrsinn, die undemokratische Handlungsweise und die völlig losgelöst schwebende politische Schickeria zur Seite. Das ist nur jämmerlich und Ekel erregend. Betrachten wir die Gesellschaft außerhalb der Berliner Mauer.

Seit längerem frage ich mich: Was soll das noch werden? Allerorten Regelbruch, Verwahrlosung, Sittenverfall, Rücksichtslosigkeit, Egoismus, Vereinsamung, Kälte (im Sommer!), Aggressivität. Im Straßenverkehr besonders gut zu erkennen, wenn die Egomanen und Schlafmützen ihren Way of Life leben. Auf dem Fußweg umgerannt, umgefahren zu werden, ist auch schon normal. Das sich an der Kasse vor gedrängelt wird, weil es ja eine Minute länger dauern könnte – alles schon eingepreist.

In einem Schlagwort zusammengefasst: l’état c’est moibesser Homme je suis, um in der Diktion zu bleiben. Dies wird den süßen Kleinen schon mit auf den Weg gegeben, die dann lautstark und unabdingbar IHREN EIGENEN WILLEN durchsetzen. Von wegen zwangfreier Erziehung und so Dingen. (anderes Thema…) Wenn aber jeder nur an sich denkt, denkt ja keiner mehr an den Anderen. Teile und herrsche – das war den ollen Römern schon bekannt. Und Macchiavelli lässt grüßen. (Und da lässt sich prima Umweltschutz instrumentalisieren und eine ganze Gesellschaft in Endzeitängste treiben. Da wird eine verdammt ausgereifte Technologie (Diesel) einer verdammt unausgereiften Technologie (Elektro) zu Fraß vorgeworfen. Entschuldigen Sie, ich wollte ja nicht politisch werden…)

Was soll das?

Doch was macht das mit der Gesellschaft? Was macht es mit mir? Sorgen umranken die Gedanken. Ein Artikel der Philosophin Ariadne von Schirach in der NZZ https://nzzas.nzz.ch/gesellschaft/was-tun-wenn-es-bachab-geht-mit-der-menschheit-die-philosophie-kennt-antworten-ld.1497055)  gab mir Halt und Hoffnung. Der Versuch einer Einordnung im Chaos. Der gedankliche Leitfaden der Ariadne (sorry, Frau von Schirach) durch den Tümpel der Belanglosigkeit. Endlich ein Lichtblick am Ende des Tunnels, der mäandernd unendlich scheint.

Frau von Schirach schreibt über eine „Gesellschaft …, die ebenfalls immer grössere Schwierigkeiten hat, sich vernünftig, angemessen und vorausschauend zu verhalten, also real und folgenreich Verantwortung für unsere gemeinsame Zukunft zu übernehmen – das reicht von Klimapolitik über den Umgang mit Geflüchteten hin zu fehlender Kinderbetreuung.

Da ich selbst im Immobiliensektor arbeite, gab auch der nächste Absatz Sinn: „Das liberale Versprechen «Wenn du dich nur genug anstrengst, wirst du belohnt» trägt nicht mehr. Die Grosseltern haben sich noch überlegt, wo sie ein Haus bauen. Für die Eltern lautete die Frage: Wo kaufen wir die Wohnung? Aber die Jungen fragen sich stattdessen: Kann ich überhaupt noch die Miete bezahlen?“

Ich wurde hellhörig. Sie schreibt über Widersprüche und Kampf der Gruppen, Instabilität und Verunsicherung. Und über eine Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint. Immer schneller, immer irrer, immer unfassbarer. JA. JA, GENAU DAS MEINE ICH! Und sie schreibt über Psychose. Die Psychose einer ganzen Gesellschaft. Und über eine ganze Generation Snowflake (das googeln Sie bitte selber!) Und dann wirft sie eine Vision auf den Tisch, die Sinn machen kann: Wir kennen das von der romantischen Liebe, die alles wieder verzaubert und mit Sinn erfüllt. Aber auch ohne Partner kann ich mir alle möglichen Aspekte des Lebens wieder aneignen und dabei beispielsweise eine Stadt zu meiner Stadt machen.

Was mache ich?

Und ist es das vielleicht, was die Nachdenklichen, Empfindsamen, Unoberflächlichen ermuntert, nicht zu verzagen? Ist es positive Ignoranz? Kann es helfen, das „Schlechte“ in den Hintergrund treten zu lassen? Ey, stell dich hinten, du Opfa! Das klingt gut! Und kann es sein, das das Positive doch gefälligst im Lichtkegel auf der Bühne stehend eine wesentlich bessere Wirkung entfaltet, als im stillen Kämmerlein?

Damit Sie mich nicht falsch verstehen. Es geht nicht um die Blumenkinder 2.0. Es geht um die Abwehr, die Ignoranz, die Macht. Wehren Sie das Schlechte ab, lassen Sie nicht zu, dass es (jaja, Star Wars) von Ihnen Besitz ergreift. Pflegen Sie Ihre Ignoranz gegenüber dem Trivialen, Belanglosen, Negativen. Seien Sie positiv mächtig. Ich bin Majestät Positiv, die I. Oder so ähnlich. Vielleicht ist das ja Mittel und Zweck, aus dem Sumpf des Nichtigen zu entfliehen. Möglicherweise ist dies Option in einem Land, einer Gesellschaft, die verblödet und egoman alles zertrampelt, was Sinn macht. Denn den Sinn des Lebens (jaja, Monty Pyton) bewahren Sie also selbst, in dem Sie sinnvolles tun, eben dem Leben Sinn geben. Lassen Sie uns bitte heute damit anfangen. Ach, und viele Grüße an Ariadne. Danke für alles.

Lesen Sie hier weiteren Frust:

https://abendfarben.wordpress.com/2017/08/09/deutschland-vor-der-wahl-eine-politische-beobachtung/

https://abendfarben.wordpress.com/2016/02/02/waehlt-euch-doch-ein-neues-volk/

https://abendfarben.wordpress.com/2018/10/03/vaterland-muttersprache-politischer-kindergarten/

Achso: quo vadis – da lang!