Archiv der Kategorie: Bildung

Bockiger Abgesang – Über Covidioten und andere Menschen

covid-abendfarben-hamburg-tom-koehler

Über Außenseiter macht Mensch sich gern lustig. Und Visionäre gehören in die Klapse (sinngemäß Helmut Schmidt). So gesehen sind 30 Jahre Botho Strauss ein ganz besonderes Jubiläum. Wie das eine mit dem anderen verknüpft ist, dazu weiter unten mehr. In meinem Archiv liegen zwei Texte. Der eine fast 30 Jahre: „Anschwellender Bocksgesang“ aus 1993. Der andere etwas frischer: „Der Plurimi Faktor“ aus 2013. Verfassser ist Botho Strauß, Schriftsteller und Dramatiker. Was ihn meiner Meinung nach auszeichnet, ist ein sezierender Blick auf die Gesellschaft. Wortgewaltig und intellektuell hochgerüstet zerlegt er menschliches Verhalten und hält uns froh den Spiegel vor die Nase. Anstrengend durchaus, keine leichte Kost sicherlich.

Hier soll es nicht um eine Auseinandersetzung mit den beiden Artikeln gehen. Das maße ich mir nicht an. In ihnen tauchen aber Anmerkungen auf, die für die momentane, außerordentliche Situation in viralen Zeiten relevant sind. Und es sei mir erlaubt, mich an diesen Anmerkungen entlang zu hangeln – unterstützen sie doch meine Sicht auf die Gesellschaft im Ausnahmezustand.

Der Ausbruch

Nur Tage vor dem Einschlag sieht eine ganze Nation rot. Abgesehen davon, dass der zeitliche Vorsprung seit dem Ausbruch in China fast drei Monate beträgt. Ein sehr luxuriöser Vorsprung für Politik und Gesundheitswesen – finde ich. Nun lässt es sich nicht mehr ändern, weil zögerliche Beamte und rückversichernde Politiker gnadenlos Zeit verstreichen ließen. Strauss nennt dies einen „politisch-technischen Selbstüberwachungsverein“(A).

Die Schwächen des Systems, die Fehlbedarfe, die mangelnden personellen Strukturen, das „kostenoptimierte“ und „beste Gesundheitssystem der Welt“ – ein Kartenhaus. Ein tödliches Kartenhaus. Kaputt gespart, Mitarbeiter demoralisiert, Vorräte Fehlanzeige. (Keine Sorge, das wird kein Jammer-Thread.)

Es gibt auch Solidarität und Hilfsbereitschaft. Aber die hilft nicht gegen den Killervirus. Strauss dazu: „Sicher ist, dieses Gebilde braucht immer wieder wie ein physischer Organismus den inneren und äußeren Druck von Gefahren, Risiken, sogar eine Periode von ernsthafter Schwächung, um seine Kräfte neu zu sammeln, die dazu tendieren, sich an tausenderlei Sekundäres zu verlieren.“(A)

Dumm nur, dass dieser Druck übermächtig ist und das „System“ zu zerlegen droht. Verflixt, dass auch noch so viel Geld keine Infrastruktur, keine Intensivmedizin und schon gar keine Fachkräfte kaufen kann. Nicht in dem benötigten Umfang und der zur Verfügung stehenden Zeit. „Es ziehen aber Konflikte herauf, die sich nicht mehr ökonomisch befrieden lassen; bei denen es eine nachteilige Rolle spielen könnte, daß der reiche Westeuropäer sozusagen auch sittlich über seine Verhältnisse gelebt hat (A)

Wohlgemerkt stammt dieser Satz aus 1993. Soviel zum Thema Visionen. Und soviel zum Thema, welche Werte und Institutionen in Krisenzeiten relevant sind. Menschen hören auf einen Virologen, der zum medialen Superstar wird. Er wird es, weil die politischen „Eliten“ weder Charisma haben. noch glaubhaft planvoll agieren.

covid-abendfarben-tom-koehler

Der Mensch

Wenn es auch in einem anderen Zusammenhang in den Texten auftaucht, passen die Zeilen perfekt in die Zustandsbeschreibung eines Landes im Panikmodus. Das Land der Dichter und Ingenieure. Ja, und das Land der kleinbürgerlichen Egoisten und Klopapierhamsterer. Der oben avisierte Druck bringt das Wahre, Innere zum Vorschein. Die Fassade ist ab, der Vorhang ist gefallen. Jetzt geht es nur noch darum, seinen eigenen Arsch an die Wand zu bringen und selbigen mit Nudeln vollzustopfen. Die Urängste bringen das Wesen ans Licht. Hässlich, niedrig, dumpf. Strauss dazu: „Nach der Würde – ach, Leihfloskel vom Fürstenhof! – meines deformierten, vergnügungslärmigen Landsmannes in der Gesamtheit seiner Anspruchsunverschämtheit muss ich lange, wenn nicht vergeblich suchen.“(A)

Die Unbelehrbarkeit muss eine der biblischen Todsünden sein. So resistent, wie lästige Krankenhauskeime, kleinbürgert der freiheitsliebende Germane herum. Selbstverständlich sind die Hinweise zum Verhalten bei nahender Gefahr von Vater Staat (und Mutti Merkel) nur Kann-Hinweise. Disziplin und Beschränkung – oh, ihr widerwärtigen Worte! „Der heitere Idiot in der Welt der Informierten zu sein heißt, ohne eine Regung von Zukunftsunruhe, ohne Angst zu leben.“(P) Oder anders formuliert: Der nach unten offene Grad der Bildung ermöglicht ein sorgenfreies Ableben.

Linguisten sind nicht gerade im Tagesgeschehen wahrnehmbar. Doch schaffen sie es, Dinge auf den wortwörtlichen Punkt zu bringen: „Covidiot“

The definition of the word ‚Covidiot‘ is when a stupid person who stubbornly ignores ‘social distancing’ protocol, thus helping to further spread COVID-19. The word Covidiot also describes a stupid person who hoards groceries needlessly spreading COVID-19 fears and depriving others of vital supplies.

„Der COVIDIOT“ Die Definition des Wortes „Covidiot“ ist, wenn eine dumme Person, die das Protokoll der „sozialen Distanzierung“ hartnäckig ignoriert, zur weiteren Verbreitung von COVID-19 beiträgt. Das Wort „Covidiot“ beschreibt auch eine dumme Person, die Lebensmittel hortet, die unnötigerweise COVID-19-Angst verbreiten und anderen die lebenswichtige Versorgung vorenthalten.

covid-abendfarben-hamburg

Die Gesellschaft

Völlig überfordert und gelähmt blickt der Homo Europaeus auf die sich auftürmende Welle am Horizont, die näher rückend alles zu verschlingen droht. Es ist im wahrsten Wortsinn unfassbar und unbegreifbar. „Auch im Begreifen liegt immer etwas Gestriges. Wir begreifen ja das Neueste in vorgeprägten Formeln, die längst abgegriffen sind.“(P) Das Unbekanntes ängstigt, weil es nicht einzuordnen ist, folgt logisch. Und wie geht eine satte, reiche, „zivilisierte“ Gesellschaft nun damit um?

Hilft nun das volle Regal, das dicke Konto, das große Auto? Sind die ökonomisch gedrillten Menschen nunmehr mit Dingen ausgestattet, die eine dreiwöchige oder dreimonatige Quarantäne überstehen helfen? Ich wage es zu bezweifeln. Beginnen wir damit, dass es wohl schon schwerfällt, nichts zu tun. All die ach so gestressten Berufstätigen jaulen, dass sie nunmehr zuhause (!) ausruhen (!) müssen. Couch Potato wird Ouch Potato. Weiter geht es mit der drohenden Langeweile. Bitte? Wie geht das denn? Endlich mal das Buch lesen, was noch original verpackt im Regal liegt, endlich mal den Papierberg wegheften und ausmisten. Überflüssiges, Ballast definieren und für den Abtransport markieren. Die Frühlingssonne auf dem Balkon genießen. Usw, usf.

„Nach Lage der Dinge dämmert es manchem inzwischen, daß Gesellschaften, bei denen der Ökonomismus nicht im Zentrum aller Antriebe steht, aufgrund ihrer geregelten, glaubensgestützten Bedürfnisbeschränkung im Konfliktfall eine beachtliche Stärke oder gar Überlegenheit zeigen werden.“(A) Nach dem Runterkommen, dem Ausstieg aus dem Hamster(!)rad vielleicht eine willkommene Gelegenheit, sich seiner selbst zu besinnen. Vielleicht drängen sich dann die eigenen bösen Geister auf, die sich prima im Alltagsgetriebe versteckten ließen. Nutzen Sie doch die Gelegenheit, über sich, Ihr Leben und Ihre Ziele nachzudenken. Passt gerade ganz gut.

Und es bringt nichts, stündlich die Fallzahlen und Infektionskurven zu googeln. Davon wird es auch nicht besser. „Die großen Schrecken der Welt zählen zu den geringsten unter den Sensationen, die sich dem letzten einzelnen, dem Idiotes, aufdrängen.(P) Es sei denn, der Schrecken der Welt klopft laut an die eigene Tür…

Der Leser

Dank dem Leser für das Durchhaltevermögen. In Zeiten von „LOL“ und „HDL“ sind drei Seiten Text schon heftig. Vielleicht haben Sie ja auch eine Meinung, etwas zu sagen, resp. zu schreiben. Zögern Sie nicht, denn Kommunikation ist keine Einbahnstraße.

abendfarben@web.de

Passen Sie gut auf sich und Ihre Lieben auf. Halten Sie sich an die Regeln, die ja gar nicht so schwer sind und bewahren Sie sich weiter ein sonniges Gemüt. Geduld und Ruhe sind nun erste Bürgerpflicht. Nutzen Sie die Zwangsauszeit sinnvoll und sinnenvoll.

Quelle der Zitate (A) aus „Anschwellender Bocksgesang“: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13681004.html

Quelle der Zitate (P) aus dem „Plurimi Faktor“: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-104674126.html

hamburgs schöne treppenhäuser uhlenhorst by abendfarben

Faszination Hamburger Treppenhäuser

Ein Thema wurde zur (fotografischen) Leidenschaft: Treppenhäuser. Die Touren durch die Stadt lassen immer wieder staunen. In der Vielfalt und Pracht der Gestaltung und der Materialien. Doch Treppenhäuser haben auch etwas philosophisches, metaphysisches in sich. Diesem Bereich versuche ich auf den Grund zu gehen, bzw. auf´s Dach zu steigen.

Hoch!

Beim Betreten eines schönen Treppenhauses stockt einem oft der Atem. Licht, aufstrebende Formen, Linien die führen, Materialien zum berühren. Die Eingangshalle eines Treppenhauses ist der Empfang. Sie lädt ein, verweist auf Ebenen. Im Gegensatz zu einer Hotel-Lobby hält sich der Besucher hier nur kurz auf. Er möchte ja zu seinem Ziel. Der Eingang ist wie ein Bahnsteig, von dem man verreist. In dem Fall in die Höhe per Paternoster (ja, die gibt es noch) oder per Treppe. Da heißt es steigen. Aufsteigen, klettern, erklimmen. Je nach Anzahl der Geschosse ist das schon ein nettes Cardio-Training für zwischendurch. Es ist bergsteigen für Städter.

Hinter dem sinnlich erfahrbaren, den geschwungenen Geländern, den glatten Wänden, dem Licht ist der Aufstieg eine Erfahrung. Wir bezwingen etwas, überwinden uns oder einen Widerstand. Die Belohnung ist das Ankommen, die Aussicht. Ebenen zum ausruhen, Steigungen zum fortkommen. Es erschließen sich räumliche Zusammenhänge, es wechseln die Perspektiven. Gute Architekten spielen mit Fluchten, Säulen, Lichtlinien und nehmen den Betrachter auf eine sich ständig drehende Reise mit. Es gibt die ausladenden, sehr luftigen Treppenhäuser mit einem riesigen Lichthof. Und es gibt die engen, dunklen, ungemütlichen. Wie im „normalen“ Leben auch. In den einen verweilt man gern, aus den anderen zieht es einen schnell hinaus.

asiahaus-treppenhaus-architekturfotografie-hamburg-abendfarben

Aufblicken, aufschauen, bewundern. Wir schauen zu jemand auf, wir verehren, vergöttern. Alles hat etwas mit „oben“ oder „darüber“ zu tun. Es gibt etwas über uns. Eine (göttliche) Macht, ein Schicksal, wie auch immer Sie es nennen wollen. Kirchen sind in den Schiffen oft gewaltig und hoch, farbenprächtig, lichtdurchflutet. Das Treppenhaus hat eine interessante Ähnlichkeit. Im besten Fall ist am oberen Ende Licht, eine Kuppel, Fensterflächen. Ein direkter Draht in den Himmel.

Runter!

Im Gegensatz dazu ist der Blick hinab. Abgesehen von der Höhe, die in leicht gestalteten Treppenhäusern besonders bedrohlich scheint, werden wir oben besonders in Beschlag genommen. Wir müssen hinab. In Tiefe, in Dunkelheit in das Ungewisse. Wie ein Loch wirkt die Tiefe. Der atemberaubende Ausblick hat zugleich etwas bedrohliches. Es ist ambivalent auf eine sehr subtile Art. Wir sind nah am Himmel (siehe Hoch!), doch wer hoch steigt, fällt tief. Was verbirgt sich hinter Stufen und Galerien? Das Treppenhaus ist die Zentrale, es sind die Eingeweide eines Hauses. Hier treffen sich Menschen oder entfernen sich voneinander. Und im Hinab geht es um verschwinden, versinken, eintauchen. Das muss gar nicht negativ sein. Ist es doch auch ergründen, sich in etwas hinein fühlen. Abwärts ist leichter, als aufwärts. Die eigene Last muss nicht mit jedem Schritt der Schwerkraft entrissen werden. Zugleich türmt es sich über einem auf. Immer mehr Masse und Kraft ist über dem Besucher. Jeder Schritt in die Tiefe ist ein Kilo mehr von oben.

messberghof hamburg treppenhaus by abendfarben

Stille!

Sie kennen die Räume der Stille? Es ist etwas Besonderes im hektischen Großstadtgetriebe, einen Ort der Ruhe zu finden. Sicher funktioniert das nicht im innerhäuslichen Berufsverkehr. Wenn die Etagen gefüllt sind oder an einem Freitagnachmittag, habe Sie die Chance, einen Raum der Stille zu finden. Und der ist auch noch eine Kathedrale, ein Wunderwerk der Architekten und Ingenieure. Sie stehen mitten im Auge des Lichthofs, sehen auf ins Licht. Linien und Fluchten führen die Augen empor. Und die kräftige Ruhe eines soliden Bauwerks überträgt sich auf einen. Probieren Sie es mal aus.

Kein Treppenwitz

Wussten Sie, dass es eine „Gesellschaft für Treppenforschung Scalalogie e.V.“ gibt? Diese befasst sich mit der Treppenkunde, der Eigenart, der Wirkung der Treppe. Auf deren Internetseite http://treppenforschung.de gibt es einen Fundus zu Geschichte und Materialien von Treppen. Schauen Sie mal rein…

 

wanduhr

Digital Detox ist Kinderkram. Vergessen Sie die PIN!

Alle Jahre wieder zum Fest macht es Sinn, sich mal offline zu nehmen. Oh, du fröhliche digitale Detox-Zeit. Das ganze Jahr rumgetwittert und auf Insta geschaut, online News inhaliert und dem Treiben auf der Welt in Echtzeit zugeschaut und -gehört. Lesen Sie hier den ultimativen Ratgeber für echtes, wahres Digital Detox! Das kam so.

Twitter offline

Ja, ich liebe Twitter. Dieses Medium bietet eine mir genehme Vielfalt an Unterhaltung, Information und Spaß zu jeder Tageszeit. Doch wahrlich ist der Kurznachrichtendienst ein kleiner Teufel. Denn er stiehlt mir die Zeit Ach, komm, das ist doch so lustig und spannend hier, bleib noch ein Weilchen. Jaahaa, das ist es und ZACK, wieder etwas meiner Lebenszeit gestohlen. Einsicht ist der beste Weg zur Besserung. Lass mal Digital Detox machen! Also der kalte Entzug nach 11,5 Monaten des Jahres offline gehen und NICHT in die Timeline schauen und NICHT in die Direktnachrichten der lieben digitalen Menschen. AUA, das tut weh! Bitter muss die Medizin sein, sonst nützt sie nichts! Gesagt, getan. Am 16.12. war Schluss mit Lustig.

Die Hintertür

OK, Twitter war off. Doch der kleine Online-Suchti-Teufel findet ja seine Entsprechung. Wir haben ja noch Insta, die Mails und die News und überhaupt. Das ist ja gar kein Digital-Detox! Sagt der Engel auf der einen Schulter. Na und! Du hast ja Twitter off, sagt der Teufel auf der anderen Schulter, das reicht doch allemal! Und in mir schleicht so ein komisches Gefühl hoch…

Geisel der Technik

Das Hauptmedium ist heutzutage ja das Handy. Die ganze Welt in Deiner Hand. Alles mit einem Klick erreichbar. WLAN oder UMTS vorausgesetzt. Der Handcomputer ist tief in das Leben der Menschen eingedrungen. Es gibt keine geografischen oder Einkommensbarrieren mehr. Jeder kann jederzeit für kleines Geld online sein. Das Thema Netzabdeckung und Geschwindigkeit in einem „Hochtechnologieland“ Deutschland spare ich mir an dieser Stelle komplett…

Nun kommt es vor, das der Hersteller von Handys von Zeit zu Zeit Updates auf die Geräte überträgt und den Nutzer zu Bestätigungen auffordert. Diese ermöglichen dann ein Update der Software des Betriebssystems oder einzelner Komponenten. Soweit, so gut. Die Anfrage auf Update wurde mit „später“ abgelehnt. Die Geschäftsbedingungen bestätigt (*). Hätte, hätte, Fahrradkette.

Gib mir die PIN!

Froher Detoxer, der ich bin, greift am Morgen zum Handy.

Und.

Wird.

Ganz.

Still.

Das geliebte Handcomputerleinchen fuhr in der Nacht ganz unbemerkt herunter (*) und fragte frohgemut nach der PIN. Berechtigt nach einem RunterHoch. Wenn, siehe Absatz 2, das Digitaldings immer an ist, weil man (ich) ja immer on ist (MIST!) braucht man (ich) ja auch seine PIN (!) nicht (immer). Die ruhte an sicherem (aber weit von mir entferntem) Orte. Öhhm.

Real Detox

Der halbherzige Plan fand brutal seine Erfüllung. Nix online. Nix Ablenkung. Nix „wir schauen mal eben ein lustiges Video“. Nix. Nix. Einfach nix. Also digtal. Nach dem Schreck die Ernüchterung. Kalter Entzug. Suchti auf Station. Im Leben. Lebensstation. Zeitreise. Zurück in der (nicht Zukunft) Realität. Huiiiiii!

Es war nicht der Fakt des nicht online sein. Es war (wieder einmal) die Erkenntnis, wie (unbemerkt) sich die Technologie in das (mein) Leben drängt, davon Besitz ergreift, es beherrscht. Natürlich ist so ein Onlinedingsi (hier kommen direkt die Ausreden für alle Suchtis) meganützlich. Denn ich kann ja jederzeit den Wetterbericht schauen. (AUS DEM FENSTER GUCKEN!) Ich kann doch wunderbar mit meinen Freunden kommunizieren. (HINFAHREN, KAFFEE TRINKEN, QUATSCHEN, CHILLEN!) Und wenn ich rumsingle, finde ich doch bestimmt eine ganze Hübsche im Internet. (RAUS AUS DER BUTZE UND SIEH ZU, DASS DU UNTER LEUTE KOMMST!)

Und nun?

Erkenntnis in Echtzeit. Ganz real. Lassen wir mal Verschwörungstheoretiker und Technikfeinde außen vor. Was passiert eigentlich, wenn wir offline sind. Also in echt, Ohne Hintertür. Sind wir überhaupt noch noch in der Lage, ohne Online zu agieren? Die Altvorderen hatten nur ein Telefon. Zum Telefonieren, also reden. Und die Post. Zum schreiben. Kommunikation, die jahrzehntelang funktionierte. Die Dingsis verursachten (mit) eine Sprachenkorrektur und dampften den Umfang der Kommunikation immer weiter ein. Erst die teure SMS (HDL!) dann Twitter mit 140 Zeichen (LOL). Das Lesen (und Schreiben) längerer Texte wurde zu Arbeit, zur Last. Die Aufmerksamkeitspanne reduzierte sich auf die Kurzkommunikation 😉

Es ist ein Dilemma. Ohne Computer (Smartphone) geht es heute sicher (beruflich) nicht. Die Frage ist aber, in welchem Umfang wir es zulassen, dass die Technik uns vereinnahmt. Welche Tätigkeiten brauchen online? Geht auch eine offline Ersatzhandlung? Wäre ein Pflicht-Detox per Monat eine Variante? Ist das Bevormundung oder Rettung vor dem Kraken Online? Pflege der Realität als Training?

Ich habe keinen Plan oder allgemeine Weisheiten. Aber die Erkenntnis, dass es so, wie es ist, nicht gut ist. Es muss jeder für sich entscheiden, wie er mit Technik und ihren Folgen umgeht. Danke, dass Sie den Text am Computer oder auf dem Handy gelesen haben! Legen Sie das Dingsi einfach mal zur Seite, und lassen Sie das geschriebene Wort wirken.

PS: Dieser Text wurde übrigens offline geschrieben. Digital Detox, Sie verstehen…

webmontag-hamburg-acando-april-2014-by-abendfarben-02

Deutschland – quo vadis?

Vielleicht sollte der Titel lauten: Gesellschaft – quo vadis. Und nicht: Deutschland – quo vadis. Es steht mir aber nicht zu, über andere Gesellschaften zu schreiben, also nehme ich meine.

In „schöner“ Regelmäßigkeit kotze ich meine Frust in den Blog, damit er aus mir raus ist und ich neuen Frust aufstauen kann, weil es nicht aufhört mit dem Frust in dieser Gesellschaft. Die alten Fruste sehen Sie unten. Die neuen folgen hier.

Quo vadis?

Seit geraumer Zeit frage ich mich, was aus dieser, meiner Gesellschaft geworden ist und werden wird. Räumen wir mal den politischen Irrsinn, die undemokratische Handlungsweise und die völlig losgelöst schwebende politische Schickeria zur Seite. Das ist nur jämmerlich und Ekel erregend. Betrachten wir die Gesellschaft außerhalb der Berliner Mauer.

Seit längerem frage ich mich: Was soll das noch werden? Allerorten Regelbruch, Verwahrlosung, Sittenverfall, Rücksichtslosigkeit, Egoismus, Vereinsamung, Kälte (im Sommer!), Aggressivität. Im Straßenverkehr besonders gut zu erkennen, wenn die Egomanen und Schlafmützen ihren Way of Life leben. Auf dem Fußweg umgerannt, umgefahren zu werden, ist auch schon normal. Das sich an der Kasse vor gedrängelt wird, weil es ja eine Minute länger dauern könnte – alles schon eingepreist.

In einem Schlagwort zusammengefasst: l’état c’est moibesser Homme je suis, um in der Diktion zu bleiben. Dies wird den süßen Kleinen schon mit auf den Weg gegeben, die dann lautstark und unabdingbar IHREN EIGENEN WILLEN durchsetzen. Von wegen zwangfreier Erziehung und so Dingen. (anderes Thema…) Wenn aber jeder nur an sich denkt, denkt ja keiner mehr an den Anderen. Teile und herrsche – das war den ollen Römern schon bekannt. Und Macchiavelli lässt grüßen. (Und da lässt sich prima Umweltschutz instrumentalisieren und eine ganze Gesellschaft in Endzeitängste treiben. Da wird eine verdammt ausgereifte Technologie (Diesel) einer verdammt unausgereiften Technologie (Elektro) zu Fraß vorgeworfen. Entschuldigen Sie, ich wollte ja nicht politisch werden…)

Was soll das?

Doch was macht das mit der Gesellschaft? Was macht es mit mir? Sorgen umranken die Gedanken. Ein Artikel der Philosophin Ariadne von Schirach in der NZZ https://nzzas.nzz.ch/gesellschaft/was-tun-wenn-es-bachab-geht-mit-der-menschheit-die-philosophie-kennt-antworten-ld.1497055)  gab mir Halt und Hoffnung. Der Versuch einer Einordnung im Chaos. Der gedankliche Leitfaden der Ariadne (sorry, Frau von Schirach) durch den Tümpel der Belanglosigkeit. Endlich ein Lichtblick am Ende des Tunnels, der mäandernd unendlich scheint.

Frau von Schirach schreibt über eine „Gesellschaft …, die ebenfalls immer grössere Schwierigkeiten hat, sich vernünftig, angemessen und vorausschauend zu verhalten, also real und folgenreich Verantwortung für unsere gemeinsame Zukunft zu übernehmen – das reicht von Klimapolitik über den Umgang mit Geflüchteten hin zu fehlender Kinderbetreuung.

Da ich selbst im Immobiliensektor arbeite, gab auch der nächste Absatz Sinn: „Das liberale Versprechen «Wenn du dich nur genug anstrengst, wirst du belohnt» trägt nicht mehr. Die Grosseltern haben sich noch überlegt, wo sie ein Haus bauen. Für die Eltern lautete die Frage: Wo kaufen wir die Wohnung? Aber die Jungen fragen sich stattdessen: Kann ich überhaupt noch die Miete bezahlen?“

Ich wurde hellhörig. Sie schreibt über Widersprüche und Kampf der Gruppen, Instabilität und Verunsicherung. Und über eine Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint. Immer schneller, immer irrer, immer unfassbarer. JA. JA, GENAU DAS MEINE ICH! Und sie schreibt über Psychose. Die Psychose einer ganzen Gesellschaft. Und über eine ganze Generation Snowflake (das googeln Sie bitte selber!) Und dann wirft sie eine Vision auf den Tisch, die Sinn machen kann: Wir kennen das von der romantischen Liebe, die alles wieder verzaubert und mit Sinn erfüllt. Aber auch ohne Partner kann ich mir alle möglichen Aspekte des Lebens wieder aneignen und dabei beispielsweise eine Stadt zu meiner Stadt machen.

Was mache ich?

Und ist es das vielleicht, was die Nachdenklichen, Empfindsamen, Unoberflächlichen ermuntert, nicht zu verzagen? Ist es positive Ignoranz? Kann es helfen, das „Schlechte“ in den Hintergrund treten zu lassen? Ey, stell dich hinten, du Opfa! Das klingt gut! Und kann es sein, das das Positive doch gefälligst im Lichtkegel auf der Bühne stehend eine wesentlich bessere Wirkung entfaltet, als im stillen Kämmerlein?

Damit Sie mich nicht falsch verstehen. Es geht nicht um die Blumenkinder 2.0. Es geht um die Abwehr, die Ignoranz, die Macht. Wehren Sie das Schlechte ab, lassen Sie nicht zu, dass es (jaja, Star Wars) von Ihnen Besitz ergreift. Pflegen Sie Ihre Ignoranz gegenüber dem Trivialen, Belanglosen, Negativen. Seien Sie positiv mächtig. Ich bin Majestät Positiv, die I. Oder so ähnlich. Vielleicht ist das ja Mittel und Zweck, aus dem Sumpf des Nichtigen zu entfliehen. Möglicherweise ist dies Option in einem Land, einer Gesellschaft, die verblödet und egoman alles zertrampelt, was Sinn macht. Denn den Sinn des Lebens (jaja, Monty Pyton) bewahren Sie also selbst, in dem Sie sinnvolles tun, eben dem Leben Sinn geben. Lassen Sie uns bitte heute damit anfangen. Ach, und viele Grüße an Ariadne. Danke für alles.

Lesen Sie hier weiteren Frust:

https://abendfarben.wordpress.com/2017/08/09/deutschland-vor-der-wahl-eine-politische-beobachtung/

https://abendfarben.wordpress.com/2016/02/02/waehlt-euch-doch-ein-neues-volk/

https://abendfarben.wordpress.com/2018/10/03/vaterland-muttersprache-politischer-kindergarten/

Achso: quo vadis – da lang!

 

zukunftskongress-2bahead-wolfsburg-2019-by-abendfarben

Zukunftskongress 2019 des 2bAHEAD ThinkTanks in Wolfsburg – Tag zwei

Wird in der Zukunft Wetter regional beeinflussbar sein? Kann man sich Wetter wünschen? „Einmal Kongresswetter, Wolfsburg, Aufenthalt außen, Hirnleistung fördernde Temperaturen bitte.“ Auf einem Zukunftskongress darf man ja mal träumen. Denn die Sonne meinte es mit den Teilnehmern des 2bAHEAD Zukunftskongress 2019 in Wolfsburg am zweiten Tag mehr als gut. Doch die Gäste und Speaker sind, mit Sonnencreme und Strohhüten ausgerüstet, bereit für die Zukunft.

Gabelstapler sind langweilig. Lass uns Flugzeuge bauen!
So handelt Sven Lindig, Geschäftsführer der LINDIG Fördertechnik GmbH und Unruhegeist. Neben dem Geschäft mit Maschinen zur Güterverteilung tüftelt er an energieeffizienten Nurflüglern und präsentiert den Gästen des Kongress ein Modell ohne Leitwerk. Größer denken, Chancen erkennen, offen sein für einen „Wink des Schicksals“ – ein treffenderes Bild kann es mit Lindig kaum geben.

Die nächste Referentin legt gleich nach. Sie will das Passwort abschaffen. Shimrit Tzur-David ist CTO & Co-Founder von Secret Double Octopus. Der Firmenname deutet an, hier geht es um viel Vielarmigkeit. Genau das ist das Geheimnis, den die Daten aller Nutzer des Systems werden durch Mathematik geschützt. Das Protokoll wurde entwickelt, sogenannte Premium-Multiplikatoren zu schaffen und zu nutzen. Es braucht Zahlenfolgen, die kein Computer dieser Welt in einer annehmbaren Zeit knacken kann. Wenn die Geschwindigkeit der Computer so weiter zunimmt, leben wir auf einer tickenden Zeitbombe. Unsere Erwartung, dass die Daten auch in Jahrzehnten noch sicher sind, scheint trügerisch. Mit der passwortfreien Megazahlenkombination von David dann mal viel Spaß, Goliath!

Die Gefahr im Anmarsch beschreibt Dr. Sebastian Weidt, Co-Founder Universal Quantum. Sein Team tüftelt am MegaSuperComputer. Der ist so schnell, da können Atome können an zwei Orten gleichzeitig sein. Die Eins und die Null kann gleichzeitig dargestellt werden. Mit einem Knopfdruck. Und der Forscher kann gleichzeitig vorwärts und rückwärts gehen. Noch arbeiten die System nicht, aber die Forscher wissen schon, wie sie funktionieren. Was diese Maschinen können, dazu bräuchte ein heutiger Supercomputer Millionen Jahre. Prognosen, Berechnungen immensen Ausmaßes, Learning – alles ist möglich mit Quantum. Lesen Sie hier den Bericht zu Quantum Computern auf dem Zukunftskongress

2bahead-zukunftskongress-wolfsburg-by-abendfarben-tom-koehler-5

Tomorrowing your City“?“
An dieser Stelle die dringende Empfehlung an öffentliche Dienstleister und Diener des Staates, sich der eigenen Zukunft anzunehmen und Vertreter zum Kongress zu entsenden. Die Technologien, die heute „im Anmarsch“ sind, werden das Wirtschaften und Verwalten auf den Kopf – besser auf die Füße – stellen. Lesen Sie dazu gern mehr über den digitalen Bürgermeister hier.

Wenn Kosten explodieren, Vergabe von Aufträgen intransparent sind, Verwaltungen im Unendlichkeitsmodus arbeiten – dann ist die Stunde von KI oder Blockchain gekommen. Entscheidungen der Mehrheit, getroffen in Sekunden. Vertrauen und Transparenz und das gute Gefühl, seine Steuern sinnvoll entrichtet zu haben. Netzaubau, Verkehrslenkung, urbanes Wachstum, Umweltschutz und optimale Bedingungen für Wirtschaft UND Gemeinnutz in einer Zeit der Rasanz und des Umbruchs. Wie sollen das stempelnde und lochende Kommunen bitte bewältigen?

2bahead zukunft kongress wolfsburg 2016 by abendfarben tom koehler (16)

Tomorrowing your processes
Nach der Stadt kommt der Handel dran. Genauer Logistik und Warendistribution. Drucken wir unsere Güter selbst und bezahlennur die Lizenzgebühr dafür? Kommt die Drohne auf die Minute genau in die „Produktion“? Fahren die Pakete selbst zum Empfänger? 2BAHEAD dazu: „Die Prognose der nahezu kostenlos fahrenden, autonomen Flotten auf Basis der Bedarfsprognosen aus Quantencomputern wird nur noch getoppt durch die Prognose der kostenlos fahrenden, autonomen Flotten auf der Blockchain.“

Einer, der sich mit dem Thema beschäftigt, ist Jan Berger, CEO des 2b AHEAD Think Tank. Auch er stellt Fragen, kennt nicht alle Antworten. Ist die Warenlieferung in autonom fahrende Gefäße unterwegs, die sich ihr Ziel selbst suchen? Sind die Banken aus dem kompletten Geschäftsprozesse raus, da eine oder mehrere Blockchain die Finanzströme organisiert? Wer besitzt die Macht über die Kunden, über den Transport und die Güter. Oder dezentralisiert sich das System komplett? Es bleibt also spannend, welches oder welche Unternehmen diesen Prozess realisieren. Und es stellt sich eine weitere Frage. Was passiert mit Logistikunternehmen, Speditionen, der Bahn, dem Flugverkehr? Es leibt spannend! Mehr Fragen, als Antworten.

2bahead-zukunftskongress-wolfsburg-by-abendfarben-tom-koehler-1

Der neue Mensch – Oder: Was macht Technologie mit uns?
Alles was gemessen werden kann, kann prognostiziert werden! Alles was prognostiziert werden kann, kann optimiert werden! Also auch der Mensch! Lesen Sie in dem Kontext gern zum Thema Transhumane Gesellschaft hier nach.

Machen Medikamente Menschen menschlicher, kann eine neue gesellschaftlich definierte Ethik das Zusammenleben neu gestalten? In der Keynote zu Ethik und Moral der nächsten zehn Jahre sprach Prof. Kevin Warwick, Coventry University Chartered Engineer and a Fellow of the IET. Er trägt sein 21 Jahren (!) Chips unter der Haut. Damit öffnet er Türen oder schaltet das Licht an. Auch hat der mit einem Ultraschall-Empfänger experimentiert. Die Fledermaus auf zwei Beinen, sozusagen. Sind wir überhaupt bereit dazu, unseren Körper an die Technik auszuliefern? Wollen wir „Tomorrowing your body“? Vier Technologiefelder bestimmen in den nächsten Jahren unser Leben:

1. Die Komplettanalyse des individuellen Genoms, die so kostengünstig wird, dass Krankenkassen die Kosten übernehmen.

2. Das Entfernen oder der Austausch von gefährlichen DNA-Abschnitten im eigenen Genom.

3. Die Produktion von Ersatzteilorganen per 3D-Druck aus eigenen Zellen.

4. Medical Food.

WOW! Wir essen uns gesund, wir schnippeln an der eigenen DNA herum und Echtzeitüberwachung sorgt für Risikominimierung und Soforthilfe im Ernstfall. Sie denken, dass ist Zukunftsmusik? Nein, es wird kommen, schneller als wir es in unserem Alltag vermuten.

2b ahead zukunftskongress 2012 3d fernseher ohne brille

Wir haben keinen Plan, denn wir sind ja agil
Sicher ist es angenehmer, auf Fragen eine Antwort zu liefern. Bestimmt erwartet der geneigte Leser Hilfe oder einen Leitfaden. Es wäre mir ein Vergnügen, die Essenz aus zwei Tagen mit Ratschlägen a la „tun Sie dies“, „lassen Sie das“ und „achten Sie auf jenes“ zu füllen.Letztendlich ist nur eines sicher: Nicht ist sicher. Und nur wenn wir unseren Geist wach halten, Antworten suchen und Fragen stellen, können wir die auf uns zurollenden großen Veränderungen bestehen. Das mag mystisch klingen, ist aber die Antwort auf zwei Tage Wolfsburg und zwei Tage Input von 2bAHEAD.

Mein Rat (also doch…) an Sie persönlich:

Leben Sie mit 70% Lösungen, verwerfen Sie genau so schnell, wie Sie Versuche starten. Kommen Sie in Wallung, in die Gänge, in die Puschen. Das ist kein Aktionismus sondern die Anerkenntnis, dass in schnellen Zeiten auch nur die Schnellen überleben. Bauen Sie sich Netzwerke mit Verrückten, Spinnern, Agilen und was noch so gar nicht in althergebrachte Zeiten passt. Seien Sie offen, SEHEN Sie zu, HÖREN Sie zu. Bleiben Sie NEUGIERIG. Und haben Sie den MUT, Dinge oder Prozesse zu gestalten. Bevor es ein anderer Tut. Und IHR Geschäftsmodell zerlegt. LOS GEHT`S!

Noch nicht genug davon?

Dann lesen Sie gern hier weiter. Die Sammlung aller Artikel zum Zukunftskongress:

https://abendfarben.wordpress.com/2bahead-zukunftskongress/

 

 

zukunftskongress-2bahead-wolfsburg-2019

Zukunftskongress Wolfsburg des 2bAHEAD ThinkTank 2019

Intelligenz ist der Treiber, sie soll es richten in Wirtschaft und Gesellschaft. Sie ist das Thema des Zukunftskongress Wolfsburg 2bAHEAD ThinkTank 2019. Die These: Die Fehlerlücke zwischen der linearen Zukunftsprognose der menschlichen Intelligenzen und der exponentiellen Realität der künstlichen Intelligenzen wird immer größer.“ Die Lösung: Teil der Dynamik sein, Treiber sein, Macht besitzen. Über Daten, Kunden, Geschäftsmodelle. Starker Tobak für die Besucher aus dem In- und Ausland, die CEOs, CDOs, Forscher und Denker.

Technologie Roadmap 2029

Glenn González, CTO SAP Germany, legt ordentlich vor. Er wünscht sich Erwartungshaltungsversteher. Was für ein großartiges Wort! Sind Sie in der Lage, Erwartungen zu verstehen? Können Sie in Emotionen? In der Gesellschaft, die alles überall und sofort möchte, ist es für Unternehmen und Organisationen schwer, zu liefern. Und noch schwerer ist es, die Erwartungen zu erkennen und zu verstehen. Wird das Unternehmen zur Geisel des Kunden? Nein! Nehmen sie den Kunden ernst! Werden Sie zum Eigentümer des Problems des Kunden. Liefern Sie Lösungen! Digitalisierung ist nicht das Allheilmittel. „Soviel Digitalisierung, wie nötig, soviel Mensch, wie möglich.“ Apps mit den man reden kann, sind eben nicht die Lösung. Am Anfang ist der Mensch, der gibt ein, lädt hoch, fragt, fordert, hat ein Problem.

2bahead-zukunftskongress-wolfsburg-by-abendfarben-tom-koehler-7

Das betrifft auch noch ein weiteres großes Feld: Recruiting, neu“deutsch“ – Personal gewinnen, welches nicht nur fachlich, sondern auch empathisch ist. Ein Nerd im Keller braucht nur das Fachwissen, Mitarbeiter, die Kundenkontakt in allen Ausprägungen haben, unbedingt beides. Die zu finden, wird immer schwerer. Die Generation heute tickt anders. Unternehmen müssen die neuen Menschen da abholen. Firmenwagen? Büro mit Assistenz? Pustekuchen. Da müssen Sie sich beim Bewerber bewerben. Viel Spaß! Und die Kosten? Vorher ausrechnen, was es kostet? Keiner kann ein Business Case vorausberechnen. Dafür ist die Zeit viel zu rasant. Seien Sie stabil und agil zugleich. Sonst sind Sie in der Zukunft für den Kunden nicht mehr relevant. Und für Mitarbeiter in spe dito. Machen, loslegen, Widerstände überwinden! Der dringende Rat von González

Die Autoindustrie in ihrer heutigen Form wird so nicht mehr existieren!

Stefan Jenzowsky Managing Director 2b AHEAD Ventures, selbst Autonarr und umtriebiger kluger Kopf, bringt den Verkehr der Zukunft nahe. Noterministische Syteme sind die Zukunft. Es gibt eine Ausgangslage, die bekannt ist. Und ein Ergebnis, welches nicht vorhersehbar ist. Das ist nicht negativ gemeint. Die Datenmengen sind so groß, dass (KI-) Systeme daraus verschiedene, unerwartete Ergebnisse kumulieren. Beispiel: Die Google Tochter Waymo kauft 60.000 Fahrzeuge. Warum wohl? Sie brauchen Unmengen von Daten, um die Systeme zu verstehen und zu bilden – im Sinne von Bildung. Jeder Fahrer trainiert also die Flotte mit.

2bahead-zukunftskongress-wolfsburg-by-abendfarben-tom-koehler-6

Mit einem schönen bildlichen Vergleich: „Wir müssen das Ruder herumreißen, denn das Lenkrad ist bald obsolet.“ veranschaulicht Jenzowsky die Situation. Das Ende ist nah! Also für die Mobilität, wie wir sie heute kennen. Warum? Die Mobilität wird kostenlos, denn die Kosten sinken stetig und unendlich. Alles, was sich digitalisieren lässt, wird kostenlos. Daten gegen Fahrten, Werbung gegen Berufsverkehr.
Robotaxis sind billiger, als Straßenbahnen und Busse und deren Unterhaltung. Zumal sie 24/7 ausgelastet sind und sich bei Nichtbedarf aus dem städtischen Raum verkrümeln auf den Robotaxiparkplatz im Umland der Metropole. Interessanter Ansatz, betrachtet man sich die Nullen hinter Beschaffungskosten, Unterhaltung und Personal der mehr oder minder zuverlässigen Nahverkehrsbetriebe. Außerdem: Der Straßenraum ist eigentlich frei. Wir haben nur zu viel Abstand zwischen den Fahrzeugen! Mit 100 km/h und 5 cm Abstand geht es auch. Und durch CarSharing wird sich die Anzahl der Fahrzeuge UND Parkplätze reduzieren. Schöne neue Welt, oder?

zukunftskongress-2bahead-thinktank-wolfsburg-2019

Mut zur Lücke

Abgesehen davon, dass die Berichterstattung vom Zukunftskongress Wolfsburg 2bAHEAD ThinkTank 2019 immer nur eine Auswahl enthält, da ein 100%-Abbild Ressourcen bedingt unmöglich ist, eine Anmerkung zu den Beiträgen und Referenten. Im Programm tauchen Themen auf, da denkt der geneigte Berichter: „Das knallt, da glüht der Kopf. Geniales Thema, wunde Finger vom Tippern.“ Und entschließt sich zur Lücke in der Berichterstattung. Aus verschiedenen Gründen, die auch gern genannt werden.
KI-Forschung, Leben im Weltall – um nur mal zwei Themen zu nennen. Die Erwartungshaltung entsprechend hoch. Allerdings – und dies auch als Entschuldigung – seit 2011 beim Zukunftskongress des 2bAHEAD ThinkTank dabei.

Also schon den Kopf voll mit Wissen und Entwicklungen, die unsere Zukunft betreffen. Wenn die Referenten dann mehr oder minder bekanntes, unaufregendes berichten und dazu noch den Spirit vermissen lassen, der diesen Themen innewohnt, fällt es schwer. Schwer, sich daraus Neues abzuleiten, Spannendes zu berichten, mit leuchtenden Augen dabei zu sein. Dies soll nicht als Kritik an den Organisatoren verstanden werden. Vielleicht ist eine Sättigung erreicht, weil zu Vielem schon so vieles gesagt wurde. Andererseits: Wenn es mir so geht, dann möglicherweise auch anderen Besuchern. Sicher ist es schwer, die Erwartung zu erfüllen, andererseits auch ein Grund nachzudenken, ob das Format oder die Art der Durchführung noch weitere 11 Jahre trägt. Spannung also beim abschließenden Thema.

2bahead-zukunftskongress-wolfsburg-by-abendfarben-tom-koehler-2

 

Führung & Kompetenzen 2029

Wie schon oben beschrieben: HR – also Personalwesen im herkömmlichen Sinne – und die Führung, Bildung, Entwicklung sind Top-Thema. Weil kluge Köpfe rar sind. Weil Wissen Spezialisierung bedeutet. Weil Wissen veraltet und die Zeit rast. Weil KI und AI im Kommen sind. Dynamik und Mangel, Sinnsuche und erfülltes Tun. Kollege KI und Kollege Mensch, quo vadis?
Holger Knöpke Leiter Digitale Agenda (ja so was gibt es!) der Deutschen Bahn, kann ein Liedchen davon pfeifen. Und berichtet aus seiner Arbeit. „Die Daten sind nicht mehr beherrschbar, ich brauche KI.“ Klar bei einem Unternehmen dieser Größe. Also heißt es Informationsmanagement im wahrsten Wortsinn. Und das ist nicht helikoptermäßig von oben nach unten gemeint. Hier geht es um Kommunikation über und durch alle Ebenen hinweg. Ein Social Enterprise nennt sich das neudeutsch.

Und wichtig ist der Wohlfühlmoment. Oder wie der Fachmann sagt: Purpose ist kein nice to have! Also der Zweck ist, nicht schön zu haben. Was auch immer das heißt. Naja, die bei der Bahn machen jetzt in Mitarbeiterkommunikation und -Management. Plagen sich durch die Karriereentwicklung mit jungen anspruchsvollen Menschen. Huiiiiii! Den Neumitarbeitern geht es auf einmal um Gesundheit und Ernährung. Und natürlich um Arbeits- sowie Lebensbalance. Willkommen, neue Arbeitswelt.

2bahead-zukunftskongress-wolfsburg-by-abendfarben-tom-koehler-4

Daniel Jeffries, seines Zeichens Science Fiction Autor, erörtert in seiner bezaubernd coolen Art das Thema von einer anderen Seite. Denn er fordert zu etwas aus, was den Menschen zu gern und leider sehr früh abtrainiert wird: Kritisch denken! Das geht doch schon in der Kita (oder früher) los. Fragen ist OK, Kritik geht gar nicht. Denn die Tante Erzieherin hat sehr oft, eigentlich immer, recht. Außer beim Elternabend. Entschuldigen Sie, ich schweife ab…

Jeffries jedenfalls sieht in der Kritik etwas konstruktives. Und postuliert gleich hinterher: Empathie ist entscheidend. Also eine kritische, positiv hinterfragende, Empathie. Das braucht der Mensch der Neuzeit. Der Mensch der Schnellzeit. Der Mensch der Wissenszuwachszeit. Wo wir wieder bei den Kunden – siehe oben – wären. Es ist der Vorteil, Menschen zu verstehen. Sich in sie hineinzufühlen. Wer intelligent ist, weiß das. Und KI kann nicht fühlen. Oder doch? Fragen über Fragen…

Noch nicht genug davon?

Dann lesen Sie gern hier weiter. Die Sammlung aller Artikel zum Zukunftskongress:

https://abendfarben.wordpress.com/2bahead-zukunftskongress/

 

 

 

2bahead zukunftskongress 2018 wolfsburg by abendfarben tom koehler (7)

Intelligence first! Zukunftskongresss 2bAHEAD in Wolfsburg 2019

Vom 4.-5. Juni 2019 geht die Reise in unbekannte Welten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat: Zum Zukunftskongress des 2bAHEAD ThinkTank in Wolfsburg. Zum achten mal dabei (Live und in Farbe) ist es eine Ehre, von dem bemerkenswerten Innovations-Event zu berichten.

Schwerpunkt: Intelligence first!

Wie intelligent ist das Unternehmen 2029? Welche Technologie wird das Wirtschaften von heute auf den Kopf – oder besser – auf die Füße stellen? Werden Märkte von heute verschwinden und neue entstehen? Gehen Branchen unter und erwachsen neue?

Fragen über Fragen, die sich die 300 Teilnehmer des Kongresses stellen und versuchen, Antworten darauf zu finden. Die Themen, die Köpfe rauchen lassen, sind bisher:

  • Wie wird Ihr 10x intelligenteres Unternehmen aussehen?
  • Künstliche Intelligenz und die Rolle des Menschen
  • Gesundheit und Medizin
  • Raumfahrt und Space Travel
  • Wie sieht unsere Zukunfts-Ethik aus?

Information ist alles

Zum Kongress 2019 geht es bitte hier entlang:

https://kongress.zukunft.business/zukunftskongress/

Zu den Themen der vergangenen Jahre lesen Sie bitte hier weiter:

https://abendfarben.wordpress.com/2bahead-zukunftskongress/

 

musikhai blog

Silversurfer? Gibt es wirklich!

Ein Foto auf der Webseite zur Architekturfotografie Hamburg löste eine Informationskette aus. Und sie endete ganz zauberhaft. Eins nach dem anderen.

Auf meiner Webseite www.abendfarben.com gibt es einen Blogeintrag zu einem besonderen Altenheim in Hamburg Harvestehude. Diesen finden Sie HIER. Besonders ist es durch seine Architektur. Dies inspirierte eine Silversurferin mit dem schönen Blognamen www.musikhai.com mit mir Kontakt aufzunehmen. Und Katrin, so heißt die Bloggerin, fragte freundlich an, wie es um die Nutzung des Bildes bestellt sei.

Einige Nachrichten später dann der Hinweis zum Re-Blogging – also der Weiterempfehlung anderer Inhalte auf der eigenen Webseite. Tja, so sieht das aus:

Wohnen im Alter muss nicht langweilig sein!

Vielen Dank nach Krefeld und beste Grüße aus Hamburg!

Herzlich

Tom

amazon echo by abendfarben

By, Amazon!

Nach all den Jahren der Treue und des ausgegebenen Geldes ist es Zeit, by zu sagen. Denn das Maß ist voll. Ende im Gelände. Schicht im Schacht. Das Ende einer langen Verbindung (gemessen in Internet-Zeit) von 6 Jahren ist nötig. Doch eins nach dem anderen …

Prime Kunde

In 2012 wandelte ich den Amazon Account in einen Prime Account für damals sagenhafte 29 Euro. Inklusive des Premium-Versands innerhalb von 48 Stunden, sofern verfügbar. Es gab Speicherplatz für Bilder und Dateien, der innerhalb meiner Mitgliedschaft auf unbegrenzt hochgestuft wurde. Musik und Videos (damals noch überschaubar) inklusive. Alles in allem ein guter Deal. Doch dann ging der Wettlauf mit anderen Anbietern los. Trotz – oder gerade wegen – seiner Größe verschoben sich die Kosten immer weiter nach oben. Erst waren es 49 Euro pro Jahr, nun inzwischen sind es 69 Euro. Die Services – z.B. Cloud – wuchsen mit den Jahren weiter an, es gab also keinen Grund, zu gehen.

Danke, Hacker…

Leider wurde mein Account gehackt, so dass Amazon diesen aus Sicherheitsgründen sperrte. Über den Amazon Service muss ich mich sehr lobend äußern. Für die Größe des Unternehmens ist es erstaunlich, wie schnell Antwort per Mail oder Telefon kommt! Meine Kommunikation mit den Mitarbeitern dort nach dem Hacking war exzellent. Diese hatten schon vor mir (!) Unregelmäßigkeiten festgestellt. Diese Geschwindigkeit des Scannen von Accounts ist beeindruckend – bei 44 Mio Kunden und 17 Mio Prime Kunden…  Dumm, dass damit meine Vorteile von dazumal mit einem Schlag zunichte wurden.

Prime Video

Ein neuer Account ist ja schnell angelegt, auch die Testphase für Prime ist mit wenigen Klicks erledigt. Doch die Tücken kamen schnell zutage. Prime beinhaltet auch eine Film-Datenbank. In der sind Serien (Eigen- und Fremdproduktionen) sowie Kinofilme aller Genres vertreten. Der Anteil der frei verfügbaren Filme hat sich in den letzten Jahren drastisch verschlechtert. Beispiel: Suche nach „Jason Bourne“ bringt eine Reihe verfügbarer Filme zum Vorschein. Dumm nur: Ein einziger (!) Film aus dieser Reihe ist in Prime frei verfügbar. Ein Leckerlie, sozusagen. Alle anderen Titel dieser Reihe sind kostenpflichtig auszuleihen oder zu kaufen. Ab 3,99 Euro geht es lost. Heißt: Lieber Kunde, wenn Du Fan bist, mach bitte das Portemonnaie auf! Weiter ist die Aktualisierung der Bibliothek mittelmäßig. Neue Filme (im Sinne von noch nicht bei Prime Video gezeigt) kommen sporadisch und je nach Genre unterschiedlich.

Amazon Music

Wer noch einen Altvertrag hat, sollte den unbedingt behalten, wenn er noch bei Amazon ist – oder dort bleiben will. Jeder Neuvertrag wird mit opt in – Leistungen ausgestattet. Beispiel: Bei Amazon Music (Altvertrag) war es möglich, seine Musik auf dem Mobilgerät, dem Stationär-Gerät oder dem Echo beliebig abzuspielen. Eine Bibliothek auf Music belief sich auf ca. 2 Mio Songs, was für Otto-Normal-Verbraucher ausreichend war. Schluss mit Lustig! Jetzt bucht der Kunde bitteschön eine Unlimited Version, denn ohne die, kann der Echo und das Smartphone und der Rechner nicht mehr darauf zugreifen. Kostet für Prime Mitglieder 7,99 per Monat – mach mal eben 95,88 per anno dazu. OK, Kunde, du darfst auch nur für den Echo buchen, das sind dann 3,99 per Monat. Aber macht das Sinn?

Kundenchecker

Ja klar, der Versandriese aus Seattle, USA, macht natürlich vieles richtig. Kundenbindung durch Mehrwert und Specials. Mensch soll es sich in dem Geflecht so richtig gemütlich und praktisch einrichten, damit er aus dieser kleinen großen Welt gar nicht raus will. Chapeau, Jeff! Klasse gemacht, keine Frage. Und hier reden wir nicht über Marktmacht gegenüber den Anbietern, über politischen Einfluss, über erdrückende Mächtigkeit, die sogar Google erzürnt.

Sondern wir reden hier über das Kleinteilige, über den einzelnen Kunden. Jegliche Daten via Cookies und Verlauf der Suche / des Kaufes werden dokumentiert. Amazon weiß alle Vorlieben via Echo, Einkauf, Video, Music des Kunden und spielt diese Stärke aus. Kunden die A gekauft haben, haben auch B gekauft … Das ist logisch und aus Unternehmenssicht nicht verwerflich. Nun kommt ja noch die kostenfreie Amazon Visa Karte, dann ist die Customer Journey perfekt abgebildet.

Daumenschraube

Nun kommt es dicke. Die Konkurrenz schläft nicht. Andere Portale, wie Netflix oder Spotify sind auf den Flatrate-Zug aufgesprungen. Das ist ein Grund, warum das Unternehmen aufmerksam wird. Der andere ist das Gefälle in der Preis-Leistung-Geografie. Wie im Mobilfunkmarkt funktioniert hier auch die Faulheit der Kunden, siehe: https://amadeal.eu/  Heißt, in anderen Ländern werden andere Preise aufgerufen. Das hängt mit der dortigen Kaufkraft zusammen. Und Deutschland hat nun mal dicke Taschen, also langen wir hier doch mal gepflegt zu.

(Kleiner Exkurs zum Thema Preisgefälle im Mobilfunk? Bitte: https://www.billiger-telefonieren.de/mobiles-internet/nachrichten/europa-vergleich-wo-ist-mobiles-surfen-teuer_208935.html Da war Amazon mit seinem Firefone zu schnell. Aber keine Sorge, es wird sicher bald einen Handytarif made bei Jeff geben…)

Weitergedacht

Amazon wird seine Leistungen schnell und kontinuierlich ausbauen. Versicherungen und Gesundheit sind der nächste große Renner. Krankenkasse a la Bezos – warum nicht. Apothekenkram haben sie schon auf der Einkaufsliste. Kunden, die Kopfschmerzen hatten, kauften auch Bezos Forte, oder so ähnlich. Dringe immer mehr in das Leben Deines Kunden ein, erfahre soviel wie möglich und verdiene Dein Geld damit. Anbieter von Waren und Dienstleistungen (analog Google) werden mit exakten Kundendaten, Traffic und Einnahmen belohnt, die sie bitteschön dem Anbieter in Form von Anzeigen bezahlen. Und nur der Anbieter mit den größten verifizierten Datenmengen wird auf dem globalen Markt überleben – und malt uns einen Dämonen an die Wand. Doch das ist ein anderes Thema.

Fazit

Ich bin nicht grundsätzlich mit Amazon unzufrieden. Es gab an der Schnelligkeit und Abwicklung nicht auszusetzen. Übrigens auch nicht bei Rücksendungen. Kulanz ist kein Thema.

Ich bin unzufrieden, dass Kunden vermehrt für jeden Furz extra Geld aus der Tasche gezogen wird. Ich bin unzufrieden, dass Prime eben keine Flatrate ist, für die ich gern bereit bin, zu zahlen. Ich bin unzufrieden, dass „alte“ Leistungen bei Neuverträgen nicht mehr berücksichtigt werden – auch wenn offensichtlich ist, das Kunde wieder zum Unternehmen (siehe Absatz 3) zurück will.

Rechnen wir es einmal hoch. Es wird mehr Leistungen geben, die per Abruf bezahlt werden müssen. Es wird die Prime Flat nur scheinbar aufgeblasen. Im Gegenzug gibt der Kunde noch mehr Daten an das Unternehmen, welches ihn darauf hin noch ziel-optimierter antriggern kann und mehr Einnahmen erzielt.

Es muss jeder für sich ausrechnen, ob ein Geldeinsatz von knapp 200 Euro für versandkostenfreie Einkäufe im Jahr und ein bisschen Musik im Ohr eine adäquaten Gegenwert darstellt.

Jeff, Du bist bestimmt eine coole Type, sonst wäre der Aufstieg vom Buchversand (ja, so fing es auch bei mir an ;-)) zum Megamultimonsterunternehmen nicht möglich. Aber nur mit MEHRwert funktioniert das, nicht nur mit MEHRkosten. Denn die kannst Du dann erwirtschaften, wenn Deine Kunden eine Gegenleistung für all ihre Daten bekommen, die sie freiwillig liefern.

Ich bin dann mal weg.

PS: Zwei Echos (BJ 2016 und 2018) zu verkaufen. Gebote bitte per Mail an

mailto:abendfarben@web.de

 

 

 

die zeit laeuft by abendfarben tom koehler

Vaterland, Muttersprache, politischer Kindergarten

Eigentlich habe ich keine Lust, jedes Jahr einen Artikel über die politischer Verfasstheit des Landes, seiner „Eliten“ und die Frustration der Bürger zu schreiben. Im stillen Hoffen auf Besserung – denkste – nur abwarten und aussitzen, ist ja wohl Aufgabe der Regierung. Nicht meine, sorry…

Das lachende Ausland

Erinnern Sie sich noch an Genscher`sche bzw. Kinkel`sche Zeiten? Vielleicht waren Sie da noch nicht geboren. Deutscher Außenpolitik wurde Respekt gezollt, die Repräsentanten waren in der ganzen Welt angesehen. Das hatte auch etwas mit Kontinuität und Verlässlichkeit zu tun. Heute wechseln die Außenminister, wie manche Leute ihre Hemden – also relativ oft. Keine Kontinuität im Handeln, keine strategische, verantwortungsvolle Ausrichtung der Arbeit. Eher fragwürdigen (anderen) politischen Interessen folgend, als die Integrität und Stabilität des Landes zu wahren. Damit einhergehend ist eine Schwächung der eigenen Interessen und Opportunismus an der Tagesordnung. Und das Ausland registriert kopfschüttelnd das wilde Manövrieren, den fehlenden grundsätzlichen Standpunkt, das ständige ja-nein-vielleicht. Einer der wirtschaftlich stabilsten, erfolgreichsten Staaten dieser Welt leistet sich eine Außenwirkung, dass der Wähler sich nur schämen kann.

Der lachende Bürger

Es wurde ja viel über „den Stammtisch“ oder „Volkes Stimme“ geschrieben und gesprochen. Gleichbedeutend mit einer Abwertung des Wählers, des Bürgers dieses Landes, des Plebs. Allein das ist unverantwortlich, elitär, abgehoben. Dem Wähler gesteht man alle vier Jahre zu, seinen Kopf zum Denken zu benutzen, aber dazwischen möge er doch bitte die Klappe halten und in der Versenkung verschwinden.

Wie wäre es mit gesundem Menschenverstand?

Jeder Haushalt, jede Familie plant nach ihren Mitteln Ausgaben, Vorsorge, Bildung und Reisen. Das Budget wird vom Einkommen diktiert. Eventuell hilft da noch ein Kredit für das Auto oder das BAFÖG für die Nachkommen. Und wenn alle – ist alle. Keine Gelddruckmaschine im Keller, kein Guthaben aus einem anderen Topf, dem sich der Bürger dann bedienen kann. Nennen Sie es Vernunft, Vorausschau, normaler Menschenverstand, Bedacht.

Und dann sieht diese Familie, dieser Bürger, was „das politische Berlin“ (da gibt es wohl auch noch ein anderes Berlin…) an Geldern verramscht, die Töpfe der Altersvorsorge und des Sozialsystems eines ganzen Landes (!) auf das Spiel setzt, um sich, anderen oder den Wahlen zu gefallen.

Das sich dann der Plebs abwendet, Wahlbeteiligungen und politisches Engagement den Bach runter gehen, ist wohl die Folge. Dass sich Bürger nicht mehr wahr- und ernst genommen fühlen, auch.

Die Geschichte wiederholt sich

In den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts destabilisierte sich Deutschland politisch selbst. Es gab so viele politische Strömungen und Parteien, dass eine tragfähige Mehrheit des Handelns unmöglich wurde. Aus Hilflosigkeit wurde Radikalität. Alle politischen Lager versuchten, ihre Interessen mit immer härterer Gangart durchzusetzen. Der Gedanke einer politischen Krise wie vor 1933 ist nicht neu, erstaunt aber in seiner Parallelität heute sehr. Übrig bleiben die starken und die finanziell am besten ausgestatteten politischen Parteien.

Was jetzt noch als letzter Versuch zu werten ist, wilde Allianzen, Bündnisse nach Farben (!), zeigt, wie ohnmächtig und machtgeil zugleich die sogenannte politische „Elite“ ist. Statt sich den Aufgaben der Zeit zustellen, statt endlich zu regieren und zu handeln, fechten die „Politiker“ kleine Zänkeleien und hinterbänklerische Interessen aus, wie staatsrelevante Themen. Die Zeit rennt, die Weltpolitik erwartet Antworten, die Zukunft des Landes, der Bildung, der Altersvorsorge und des Gesundheitssystems lechzen nach Plänen und Handeln.

Und nun?

Augen zu und Rücken an die Wand gestemmt. Klingt nach einer verlockenden Aussicht für den politikmüden, staatsverdrossenen Plebs. Keine Besserung in Sicht, es bleibt ja eh alles beim „Alten“. Manchmal geht es auch mir so. Dann schalte ich den Fernseher aus, weil ich es nicht mehr ertragen kann, wie dort rumgefaxt und geheuchelt wird.

Ich sehe in den Gesichtern der Menschen die Agonie, die Lustlosigkeit, die Angst. Wie eine bleierne Walze dampft die alles erstickende Politik- und Medien- und Konsumlawine über dieses Land. Sei ebnet Hirne und Meinungen, sie sorgt für Uniformität. Macht es da noch Sinn, sich zu engagieren? Macht es noch Sinn, eine politische Meinung zu haben? Macht es noch Sinn, zu reflektieren?

Oder ist es besser, im mausgrauen Strom unauffällig mitzuschwimmen, seinen eigen Vorteil über den des Anderen zu stellen? Ist es schlauer, das System auszunutzen und jeden sich bietenden Vorteil zum eigenen zu machen? Ist dass der Sinn des Systems?

Ich weiß es nicht. Vielleicht haben Sie ja dazu einen klugen Gedanken. Schreiben Sie mir gern dazu. Da die Kommentarfunktion dank der ach so tollen DSGVO abgeschaltet ist, nutzen Sie die gute alte Mail

mailto:abendfarben@web.de

Alle Jahre wieder das selbe Thema? Hoffentlich nicht!

In 2017:

https://abendfarben.wordpress.com/2017/08/09/deutschland-vor-der-wahl-eine-politische-beobachtung/

und ein Jahr früher

https://abendfarben.wordpress.com/2016/02/02/waehlt-euch-doch-ein-neues-volk/