Archiv der Kategorie: Bildung

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17. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks 2018 – der zweite Tag

Am zweiten Tag des 17. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks 2018 ging es um nicht minder spannende Themen. Dürfen Roboter Bürgermeister werden? Können Krankheiten aus der Stimme „erhört“ werden? Ist es besser, sich mit den Maschinen zu verbünden? Bei bestem Wetter im Schloßgarten zu Wolfsburg waren die Erwartungen an Referenten und Themen groß.

POLITIK 2028

Im Jahr 2050 wird die KI die Politiker zum Wohle der Gesellschaft abgelöst haben. Dies postuliert Michihito Matsuda, Bürgermeisterkandidat der Tama Provinz, Japan. Seinen Auftritt startet er landestypisch mit dem Zerlegen von Steinplatten per Hand:

Künstliche Intelligenzen entscheiden fair und ohne Bauchgefühl, während sich Menschen von Macht und Einfluss leiten lassen. Nach Matsudas Prognosen wird es dann keine Diskriminierung von Minderheiten und keine Korruption mehr geben. Beim ersten Versuch, gewählt zu werden, belegte der KI-Bürgermeister den dritten Platz.

Und sorgte für große Gemütsregungen in den Lagern der Wähler. Ist er eigentlich legal? Kann eine KI den Wählerwillen umsetzen? Gerechte Chancen für alle, keine Korruption – eine schöne Utopie. Doch die KI fand heraus, das es gefälschte Geschäftsreisen gab und Abrechnungsprobleme. Sicher, das findet ein Beratungsunternehmen oder eine Steuerkanzlei auch heraus. Doch zu welchen Kosten und in welcher langen Zeit? Ein Vorteil der KI in Verbindung mit Quantencomputern ist die zeitgleiche Kommunikation in Masse. KI spricht mit allen Wählern / Bürgern gleichzeitig. Die Vorgänge, Daten und Protokolle werden komplett in Windeseile durchforstet. So können Widersprüche und Schwachstellen schnell und effizient erkannt werden.

Matsudas Kampagne führte dazu, das eine KI Partei gegründet wurde, die bei der nächsten Wahl 100 KI Kandidaten stellt. Moderne Zeiten erfordern moderne Methoden.

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FÜHRUNGSSTRATEGIEN 2028

Der Mensch im human-digitalen Team – das klingt ja spannend. Und ist gar nicht so weit entfernt. Wir nehmen die zunehmende Synthese von Mensch und Maschine nicht so wahr, da uns nicht permanent klobige Roboter über den Weg rollen und Blechkästen zu uns sprechen. Die schon jetzt bestehenden Algorithmen ranken Bewerber, übernehmen einen Teil der Kundenkommunikation per Mail oder Telefon.

Einige Referenten zeigten, wie heute schon in der täglichen Arbeit „Kollege Computer“ dem Menschen assistiert. So berichtet Sheena Urwin, Head of Criminal Justice, Durham Constabulary, England darüber, wie und warum künstliche Intelligenz die Polizeiarbeit wesentlich verbessern kann und muss. Sie sind die einzigen in England und Wales, die das Thema KI auf der Tagesordnung haben und auch einsetzen. KI dient zur Unterstützung der Polizisten, um die besten Entscheidung zu treffen. Sie werten die Taten aus, schätzen ein, ob ein Täter wieder zuschlägt, unterstützen bei Prävention. RoboCop lässt grüßen …

Lesen Sie dazu auch den Artikel zu PRECOBS aus 2015:  https://abendfarben.wordpress.com/2015/06/22/2bahead-die-digitale-verantwortung-leben-in-der-welt-der-wahrscheinlichkeiten/

Yuval Mor, CEO von Beyond Verbal aus Israel sprach über die Erkennung von Echtzeit-Emotionen mittels Emotion AI. Ein Thema für Onlinevertrieb, Krankheitsprävention
und Jobinterviews. Sie brauchen ein Telefon, eine App oder eine hochgeladene Datei.

http://www.beyondverbal.com/ schafft es, nur aus der Tonalität – nicht aus dem Inhalt, dem Wort – eine emotionale Analyse des Gegenübers zu erstellen. Dies ist kein Psychogramm, keine Freud´sche Analyse, sondern die Erfassung der emotionalen Verfassung eines Gesprächspartners. Vocal Biomarker sind derzeit in der Entwicklung. Mor: „Wir erkennen stimmliche Biomarker, die auf Krankheiten hindeuten. Das System kann auf einen bevorstehenden Herzinfarkt hinweisen.“ Unglaublich, möchte der Zuhörer des Vortrages rufen. Probieren Sie es gern aus. Es gibt eine App, die Ihnen innerhalb von 30 Sekunden berichtet, wie Sie emotional „drauf sind“.

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Auch hier ein kleiner Exkurs in die Vergangenheit: Psyware in einem Vortrag aus 2016 auf  https://abendfarben.wordpress.com/2016/06/14/hyperloop-und-glauben-zukunftskongress-2bahead-wolfsburg-2016/#

DIE TRANSHUMANE GESELLSCHAFT

Jetzt geht es an das Eingemachte. Zack: Arm ab und neuer dran. Schnipp: Organ raus, nachgezüchtetes Organ rein. Augen, die reinste Fehlerquelle. Her mit den Linsen, die auch VR und AR können!

Zoltan Istvan, Gründer der Transhumanist Party, US ist überzeugt: „Um nicht von der künstlichen Intelligenz überrannt zu werden, müssen wir Teil der Maschinen werden.“

Harter Stoff für normalkörperbezogene Menschen, denen schon der Zahnarztbesuch mit Ersatz einzelner Kauelemente ein Graus ist. Denn die Transhumanisten sind davon überzeugt, dass man Krankheiten auslöschen kann. Und zwar grundsätzlich. Die Krankheit hat einen Herd, der Herd muss weg. Nicht die Krankheit alleine. Sie möchten nicht Organe behandeln, sondern austauschen. Es gibt schon bionische Organe. Das künstliche Herz vor Jahren der Anfang, heute wird fehlendes Gewebe oder zu ersetzende Organe mit einem „Biodrucker“ geschaffen.

Istvan: „In zehn Jahren ist das möglich, unsere Körper zu optimieren. Wir können Behinderungen beseitigen, Blinde können wieder sehen, Taube wieder hören.“ Es geht auch um Kryonik, die Möglichkeit, Menschen einzufrieren und wieder aufzutauen. Es gibt Adapter, die es ermöglichen, mit dem Gehirn direkt mit Google Kontakt aufzunehmen.

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Einen Kryo-Forscher finden Sie bei Bedarf übrigens hier:  https://abendfarben.wordpress.com/2015/06/16/2bahead-visiontalk-big-thinking-die-grosen-visionen/

Istvan`s Prognose: In fünf Jahren werden wir Roboter zuhause haben. Eine gute Frage ergibt sich aus der Optimierung des Lebens:

Was passiert mit den Menschen, wenn sie länger leben. Was für gesellschaftliche Aufgaben entstehen mit Überbevölkerung und Menschen, die immer älter werden. Oder schlimmer (?) noch, die Menschen leben ewig? Das war das organische, doch wie verhält es sich mit dem Geist, dem Wissen, den Erfahrungen eines Menschen?

Werden wir unsere Gehirne uploaden? Beziehen wir unser Kraft in einem anderen Körper, einer anderen Form, von der Sonne, oder über Photosynthese? Oder es gibt biologische und Online-Versionen von uns?
Schaffen wir über Bio-3D-Druck Abbilder vergangener Menschen. Und wollen wir das überhaupt? Bei solchen und so vielen Fragen wird dem geneigten Zuhörer schon ganz blümerant zumute. Und Ihnen? Wie fühlen Sie sich jetzt?

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Im Übrigen konnten Sie Freiwillige auf dem Kongress einen RFID-Cip unter die Haus setzen lassen. Auch der Chairman des ThinkTanks, Sven Gábor Jánszky begab sich in die Hände von Dr. Patrick Kramer, , Chief Cyborg Officer und Gründer von DigiWell
https://digiwell.com/

Biohacking mit Pfiff. Notfalldaten, Türschlossöffner, Auto öffnen und starten – nur eine kleine Auswahl der Möglichkeiten. Leider in diesem Land noch nicht verfügbar: Reisen mit Nahverkehr oder Bahn, Einchecken und Auschecken in Hotels per Fingerwisch. Aber das kommt auch noch!

Abgesang oder Ouvertüre?


Der ThinkTank fomuliert es so: „
Wir nähern uns einer Zukunft, in der alles predictive wird: unsere heutige Leistungsfähigkeit, der Stresslevel des Kunden, die Produktivität und Kreativität der Mitarbeiter und der Verlauf der Emotionen. Das befähigt uns, diese möglichen Zukünfte zu steuern, den prognostizierten Zustand zu befördern oder ihn zu verhindern. Diese Entscheidungen werden wir nicht alleine treffen. Maschinen werden potentielle Entwicklungen und Interdependenzen von Handlungen vorausschauender und schneller berechnen können und möglicherweise die besseren Entscheidungen treffen als jeder Mensch es kann. Die Analytik verdrängt Bauchgefühl und Erfahrung.“

Schön und gut, das der Blechkollege schneller und präziser ist. Aber kann er auch … ?

Herab vom hohen Ross, verehrter Arzt, gebildeter Jurist, langjähriger Makler und erfahrener Steuerberater. JA. Er WIRD es können. Und dann ist der Umbruch radikaler und brutaler, als ihr gelehrten Herren (und Damen – selbstverständlich!) es euch heute auf dem Chefsessel ausmalen könnt. Die Frage ist, was dann? Wissen, Kombination davon, Vorhersage und Entscheidungen verlagern sich datengestützt (und das meint sehr sehr sehr viele Daten) Richtung KI. Google Assistant oder Alexa von Amazon sind da nur ganz zarte Vorgeschmäcker.

Menschen (Kunden) haben nicht nur einen Assistenten, sondern viele. Der Reisebucher checkt mit dem Kalender, dem Wetter, dem Carsharer und dem Versicherer gemeinsam, welche Route in welchem Level am Soundsovielten für kleines Geld machbar ist. Und die Assistenten handeln untereinander (!) Deals aus. Das fertige Ergebnis kommt auf´s Handy, wenn es das dann noch gibt inkl. CheckIns, Bordkarten und Menüvorschlag für den Lunch in Timbuktu.

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Ende vom Lied: Reisebüros, Autovermieter, Versicherungen, Fluggesellschaften, Hotels und Restaurants werden in ihrer Verwaltung obsolet. Das die Rechnungen automatisch an die Firma und die Steuerapp geht, ist klar. Und das Finanzamt (wenn es das dann noch gibt) bekommt die Abrechnung in Echtzeit. Und wenn doch etwas schief geht, kloppt sich der Rechtsassistent mit dem Reiseassistenten digital und erwirkt einen Gutschein für die nächste Reise.

Nochmals 2bAHEAD: „Vielmehr werden alle diese Berufe zu Coaches werden. Die akzeptieren dass Computer es besser wissen. Aber sie setzen auf die Computerexpertise jeweils noch das menschliche Element drauf: Sie werden dann dafür bezahlt, andere Menschen zu motivieren, zu begleiten, zu kritisieren und zum nächsten Entwicklungsschritt zu bringen. Welche neuen Geschäftsmodelle ergeben sich aus dieser neuen Rolle des Menschen? Wie wird unser Maschinenbild 2028 aussehen und welches Menschenbild wird eine Maschine haben?

Sie sehen, die Zukunft ist a) schon da, wird b) spannend und betrifft c) Sie persönlich. Sind Sie bereit dafür? Wenn nicht, fangen Sie d) sofort damit an …

 

PS: Die Artikel zum Zukunftskongress sind keine Komplettberichterstattung. Zum einen ist es ob der zahlreichen Vorträge alleine gar nicht zu schaffen. Zum anderen wähle ich Themen aus, von denen ich mir Interesse und Leserschaft versprechen. Ich bitte dies freundlich zu beachten.

 

 

 

 

 

 

17. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks 2018 – der erste Tag

Evolution ist die Fortsetzung der menschlichen Entwicklung durch die Technik

Starker Tobak! 2BAHEAD: „Bis 2028 werden Maschinen viel intelligenter sein und einen neuen Stellenwert in der Gesellschaft benötigen, vielleicht sogar selbst einfordern. Wie wird dann das Zusammenleben von Mensch und Maschine aussehen und wo werden (noch) Unterschiede zwischen den zwei Spezies bestehen?“
Sind wir gewappnet für die kommenden zehn Jahre, die nach Sven Gábor Jánszky, dem Leiter des ThinkTanks, die größte Relevanz für unsere Lebens- und Arbeitswelten haben werden?

Fragen über Fragen, deren Antwort die fast 300 Besucher des Zukunftskongress in Wolfsburg erhoffen, In der Pressekonferenz fielen die entscheidenden Worte dazu:

Mächtige, Innovatoren, und Verrückte sind dabei, diese Welt, wie wir sie kennen, auf den Kopf zu stellen. Mondbesiedlung? In Planung inklusive UMTS-Netz und aus dem Drucker kommenden Rover! Wer die – sicherlich unglaublichen – Zeichen der Zeit nicht erkennt, hängt hoffnungslos hinterher. Lösen wir uns von Althergebrachtem, nehmen wir Neues an. Oder es überrennt uns in Lichtgeschwindigkeit. Unternehmen, die keinen – Zitat – geilen Scheiß machen, finden in Zukunft keine adäquaten Mitarbeiter mehr. Legen Sie los!

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KUNDENDIALOG 2028

Oliver von Ameln, CEO der adesso insurance solutions, schockt die Old Economy:
„In 10 Jahren spricht keine Versicherung mehr mit ihrem Kunden.“ 
Wie jetzt? Adaptive Services und keine Kundensegmente aus den 90ern. Der Kollege Bot übernimmt. Punkt. Das geht so:

Organische Kommunikationsprozesse wider Millionen Kundendaten ist ein Widerspruch in sich. Das kann kein noch so geschulter Mitarbeiter mehr leisten. Schon gar nicht in Echtzeit und über die reden wir hier. Synchrone Kommunikation bedingt vollständiges Verstehen und Bearbeitung des Vorgangs. Die Chatbots übernehmen, ausgestattet mit KI, die Kommunikation.

Achtung! Denkfehler!

Nicht der Kunde spricht mit dem Bot. Sondern der digitale Avatar regelt die Angelegenheit zwischen Kunde und Firma. Er wird vom Kunden beauftragt, Verhandlungen mit dem Bot der Versicherung zu führen. Huiii, das geht ab! Es gibt keine serielle, sondern eine parallele Kommunikation in Zukunft. Nicht einer, sondern viele Assistenten. Diese werden unsere intensivsten Gesprächspartner. Und die machen dann …

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Der Gedanke keimt auf, da hängen wir uns als Unternehmen dazwischen. Vergessen Sie das! Ganz schnell! Die Kundenschnittstelle ist nicht zu gewinnen, wenn es Google gibt. Und die „gute alte“ KI. Eine Konsequenz: Das bedeutet auch ein digitales Präkariat oder eine Digitale Elite. Letztere unter Preisgabe aller Daten. Damit Kollege Bot schalten und walten kann. Zu unserem Nutz und Frommen. (Entschuldigen Sie den Ausflug in das Vergangene …) Die andere Konsequenz ist, sich mit dem Gedanken anzufreunden. Wir reden hier NICHT über Jahrzehnte, sondern über einen DEUTLICH kürzeren Zeitraum. 

Die Alternative dazu? Gibt es. Shruti Malani Krishnan, Co-Founder Powr of You, postuliert:
„Data ownership ist jetzt ein universelles Recht“

Drehen wir den Spieß um! Datenverwaltung durch Menschen heißt Handel mit eigenen Daten. Die bekommt nur, wer dafür bezahlt. Unsere Daten sind nicht das neue Öl, denn Öl ist eine konsisstente Ware. Jeder Tropfen gleich – abgesehen vom Börsen-Auf-und-Ab.

Doch persönlichen Daten sind einzigartig, individuell, unterschiedlich. Damit haben sie auch einen eigenen, speziellen Wert. Lassen Sie uns damit Geld verdienen und geben Sie diese nicht mehr freiwillig und kostenlos heraus! (Später dazu noch mehr…)

ALARM! DECKUNG! Liebe Agenturen, halten Sie sich bitte fest! Wenn die Werbung dank genauer persönlicher Daten nur noch maßgeschneidert wird, gibt es ein Sterben in der Werbeindustrie. Gießkanne ist nicht mehr. Der Markt für diese Dienstleistung schrumpft, und zwar gewaltig!

Krishnan: „Des Rechts auf Privatsphäre muss sich der Kunde / Mensch wieder bewusst werden und es sich zurückholen. Wie? Monetarisierung ist der Hebel und Daten sind die Währung. Tolle Idee.

In diese Kerbe haut auch Julian Ranger, CEO von digi.me mit seinem Vortrag
„The Internet of Me – Angriff auf die Big 5 mit einem revolutionären Privacy by Design.“

Ranger: „Wir müssen mehr machen mit den Daten, nicht weniger.“ Bei Digi.me liegt die Vorausschau der eigenen Daten. Sie sind in der Cloud und gesichert. Das Unternehmen hat keinen Einblick in diese Daten. Der Kunde entscheidet, an wen seine Daten gehen, wofür und in welchem Zeitraum. Zwei Unternehmen, die selbe Denke. Pfiffig, keine Frage!

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MARKE 2028

Julika Prenzel, Executive Director Brand Strategy, Superunion, beginnt mit dem Satz:
Es wird fluffig.“ Doch das meint sie ernst. Ihr geht es um die Kundenzentriertheit diverser Unternehmen. Denn Kunden denken kategoriegenerisch. Konsumenten sind reaktiv, nicht proaktiv. Sie bevorzugen eher optimierte vorhandene Produkte. Wie gehen Unternehmen damit um?

Marketing: Hey, lass uns hipp sein. Wir machen eine quietschebunte Cartoonwelt aus unserem millionenschweren DAX gelisteten Unternehmen. YO! Nun, kann man machen, ist aber Murx.

Prenzel: „Die eigene Idee ist wichtig, ein eigener Kompass die Maßgabe und das Produkt ist der Held.“ Beispiel – natürlich – Apple. Denn der „mündige“ Verbraucher ist nicht mündig. Der braucht das Diktat der Marke.

Als Symbol bemüht sie die Generation Y. Die wurden befragt. 50 Prozent von ihnen werden CEOs quietschebunter DAX gelisteter millionenschwerer Konzerne. Und dafür soll sich das quietschebunte DAX gelistete millionenschwere Unternehmen an die persönlichen Erfordernissen der Generation Y anpassen. So von Freiheiten und Arbeitszeiten her und so. Entschuldigung, die Ironie musste jetzt sein.

Haben Sie – Sorry – den Arsch in der Hose, ihr Produkt nach außen mit- nunja – Schmackes zu vertreten, oder lassen Sie sich von den Kunden auf dem Markenkern herumtrampeln. Denken Sie bitte darüber nach.

(Der Autor hat sich erlaubt, das MarketingDengLeutsch der Referentin zu glätten. Vong Lesefluss her.)

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Der folgende Referent Raimund Bau, CEO von SO1 brachte weiteren Schwung in die Diskussion.

„Marken werden nur noch ein erster Qualitätsindikator sein, denn das Ökosystem eines Produktes wird der entscheidendste Verkaufsfaktor sein, nicht mehr die emotionale Aufladung durch qualitative Werbung.“ Und mit Öko meint der nicht Grünzeuch. Sondern Drumrum. Warum ist das so. In 1990 gab es 7000 und heute gibt es 40000 Artikel im Supermarkt. Circa 3000 (!) Markenbotschaften erreichen den Konsumenten täglich. Gleichzeitig aber nimmt die Markenloyalität ab. 40% des Umsatzes besteht aus Eigenmarken der Handelskonzerne. 50% des Umsatzes wird durch kleine und kleinste Marken gemacht.

Was bewegt dann einen Kunden, der in der Vielfalt ersäuft wird, ein Produkt zu kaufen oder eine Dienstleistung zu buchen? Inhaltsleeres Marketing ist immer unwichtiger ob der schieren Vielfalt. Das Ökosystem des Produktes nimmt an Wichtigkeit zu und damit die umgebende Botschaft des Unternehmens. Wie geht es mit seinen Mitarbeitern um? Welche Umweltstandards kann es einhalten? Engagiert es sich für soziale bzw. gemeinnützige Zwecke.

Machen Sie sich bitte Gedanken um Ihr Ökosystem!

2028 – WIE VIEL MENSCH VERTRÄGT DIE ZUKUNFT?

Der Chairman von 2bAHEAD, Sven Gábor Jánszky, lässt tief blicken. In seinem neuesten – noch unveröffentlichtem – Buch blickt er weit voraus. Wie es sich für einen Zukunftsforscher gehört.

Es gibt zwei Blickwinkel der Menschen. Die eine, so Jánszky, ist die Prognose der Dichter und Denker: Es wird langsam alles besser. Dauert, braucht seine Zeit, schauen wir mal.

Die andere kommt von den Verrückten, Spinnern, Machern, von denen einige auf dem Zukunftskongress anwesend sind. Sie denken 100 Jahre weiter. Vielleicht nicht mehr lange hin, und der Mensch wird mittels BioHacking und LiveFood 120. BÄÄMM! Jánszky nennt es den Reality Gap. Der Dissens der Altvorderen und der Neuvorderen.

Als Beispiel zitiert er den Chef der Draper University in Silicon Valley. Gefragt nach den drei wichtigsten Dingen, die anstehen …

Nein, jetzt mal Sie! Was meinen Sie? Ganz ehrlich, ohne Schummeln?

Na.

Kommen Sie drauf?

Überlegen Sie!

Und?

Draper:

Blockchain
Immortality
Space

Die spinnen doch, das ist doch verrückt! Genau. Und deswegen sind sie auch so erfolgreich. Möchten Sie auch erfolgreich sein?

DANN FANGEN SIE VERDAMMT NOCHMAL AN, VERRÜCKT ZU DENKEN!

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Medical Food und 3D-Druck von Organen sind die Voraussetzung, das wir 150 werden können. ZACK. Wir steuern auf eine Welt der (Jánszky) Quantum Machine Learning Blockchain zu. BINGO! Mit lecker Bot economy. TSCHACKA! Tja, das hätten Sie jetzt nicht gedacht, oder?

Permanente Voraussage der Zukunft Dank Quantum Computing ist möglich. Und wir reden hier nicht über das Wetter von Morgen. Sondern über noch nicht ausgesprochene Kündigungswünsche von Mitarbeitern. Über Super-Früherkennung von Krankheiten. Über Warenbedarfe oder Verkehrsströme nächste Woche. Weltweit. BOOM!

Was passiert dann, wenn, alles vorausgesagt werden kann? Können Kriege verhindert, Kinder passgerecht erzeugt und Beerdigungen auf den Tag genau vorbereitet werden? Und was passiert mit Kumpel Bot? Bekommen elektronische Dingsis eine Rechtsform? Und was ist mit der Ethik?

Lesen Sie hier gern mehr über Strafrecht für Maschinen: https://abendfarben.wordpress.com/2016/06/14/hyperloop-und-glauben-zukunftskongress-2bahead-wolfsburg-2016/

Theoretisch: Wenn KI berechnen könnte, ob und wann jemand geheilt werden kann. Unter der Bedingung, dass alle Menschen alle Daten freigeben müssen, damit die Datenmenge groß genug ist, um präzise zu sein. Was dann? Nee, der Nachbar, der olle Zausel. der nicht! Haben Sie Kopfkino? Super! Das soll so sein. Machen Sie sich bitte umfangreiche Gedanken um Morgen oder Übermorgen! Das Gute, so Jánszky: Die Wahrscheinlichkeit, das Technologie den Menschen menschlicher macht, ist höher. Schauen wir mal… Die Evolution ist nicht zu Ende, sie geht in den technischen Fortschritt über. Dem müssen wir uns stellen.

Transformation heißt vorhandene Denkprozesse zu durchbrechen. Jeder braucht entweder seine Krise, die Not, zu handeln. Oder er schafft es, diesen Durchbruch zu wagen. Fangen Sie bitte heute damit an. Ich liebe die Zukunft, denn wir werden sie gestalten. Ein schönes Schlusswort eines Zukunftsforschers …

 

 

PS: Die Artikel zum Zukunftskongress sind keine Komplettberichterstattung. Zum einen ist es ob der zahlreichen Vorträge alleine gar nicht zu schaffen. Zum anderen wähle ich Themen aus, von denen ich mir Interesse und Leserschaft versprechen. Ich bitte dies freundlich zu beachten.

 

 

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2028: Verträgt der Mensch die Zukunft, oder verträgt die Zukunft den Menschen?

Am 19.06.2018 startet der 17. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks in Wolfsburg. Wieder sind es zwei Tage voller Inspiration, interessanter Menschen und harter Fragen.

Was ist 2028: Verträgt der Mensch die Zukunft, oder verträgt die Zukunft den Menschen?

Machen wir etwas mit dem Computer, oder macht der (Quanten)Computer etwas mit uns?

Oder, wie es die Macher des Zukunftskongress formulieren:

Wie geben wir Mitarbeiter unserem Alltag Sinn, wenn die 8-Stunden-Lohnarbeit wegfällt? Woran messen wir Experten uns, wenn Computer immer öfter bessere Antworten geben als wir? Worauf sind wir als Manager stolz, wenn die besseren Strategien unserer Predictive Enterprises durch vorausschauende Quantencomputer gemacht werden? Was erwartet unser Ehepartner, nachdem wir auf seine Echtzeit-Emotionsdaten zugreifen können?

Quelle – Link

Sind es nur Verheißungen technikgläubiger Nerds, oder kann die Technologie dem Menschen nützlich sein. Wagen wir den Sprung in eine wirklich neue Zeit! Als Kinder schauten wir ungläubig Sience Fiction Filme a la Enterprise, lasen Bücher eines gewissen Jules Verne, der seiner Zeit Lichtjahre voraus war. Es war im wahrsten Wortsinn unglaublich, was sich uns da an Zukunft bot. Heute stecken wir mittendrin, haben KI und selbstfahrende Autos. Wir können von (fast) jedem Ort der Welt (fast) jedes Wissen auf einem Handteller großen Computer abrufen.

Es gibt Echtzeitanalysen von komplexen Dingen, wie Verkehrslage, Gesundheitsdaten oder Börsenentwicklung. Persönlichkeitsprofile von Menschen werde in massivem Umfang ausgewertet und genutzt. Der Trigger folgt in Sekundenschnelle beim Aufruf von Webseiten. Internetwährungen zerlegen möglicherweise das Bankensystem, wie wir es heute kennen.

Macht uns das zu besseren Menschen? Erleichtert dies uns wirklich das Leben? Oder müssen wir uns fragen, ob wir dem Wachsen und Erwachsenwerden der Systeme gewachsen sind. Eine Kontrolle der Maschinen (siehe Terminator / Skynet) aus der Hand gegeben kann verheerende Folgen für die Gesellschaft haben. Dann gibt uns der Bot den Job, die Datingseite weißt uns einen Partner zu und die Internetbank bestimmt unsere Score beim Einkauf. Von der Allmacht der Krankenkasse über Wohl und Wehe unserer Behandlung bei nicht gesundem Lebensstil ganz zu schweigen.

Alle Fragen können auf dem 17. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks in Wolfsburg sicher nicht beantwortet werden. Und es werden noch eine Menge neuer Fragen auftauchen. Doch das macht es so spannend dabei

Folgen Sie gern dem Blog auf https://abendfarben.wordpress.com/ oder dem Twitter-Account auf https://twitter.com/abendfarben . Achso: Hashtags sind übrigens #2bahead und #zuko18

Viel Vergnügen in der Zukunft!

Ihr

Tom Köhler

 

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Ausstellung von Rüdiger Knott im NDR: Wellenlänge

Die Ausstellung von Rüdiger Knott im NDR mit dem schönen Titel „Wellenlänge“ im Funkhaus am Rothenbaum ist eine kleine Schau der Objekte und Materialbilder aus dem Fundus des Künstlers.

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Der Sammler, der Seher, der Entdecker

Rüdiger Knott macht in Müll. Nicht als Abfallentsorger, sondern als Abfallentdecker. Weggeworfenes, Unscheinbares, Dinge ohne Funktion, besser: Dinge, die Ihre Funktion verloren haben, Dinge, die aus ihrem ursächlichen Zusammenhang gerissen wurden, sind seine Welt. Er gibt ihnen neues Sinn, neuen Zusammenhang. Fügt abwägend Materialien verschiedener Natur neu zusammen, schafft, formt, baut, konstruiert.

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Was ist das?

Der Spaß an Knott´scher Kunst liegt hinter der Kurve. Verborgen im Kunstwitz, unter Materialhumor. Die Frage nach dem, was es ist, erübrigt sich komplett. Denn es ist das, was der geneigte Betrachter daraus macht. Müllsynthese oder pfiffiger Zaunspfahl, der uns die Vergänglichkeit an neu Geschaffenen aus altem Zeugs zeigt.

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Sehen oder gucken!

Die meisten Menschen gucken. In der Gegend herum oder auf´s Smartphone. Sehen ist die hohe Schule. Ein Künstler, der in achtlos Abgelegtem Neues sieht oder daraus Neues schafft, sieht nicht nur besser, als die meisten. Er sieht voraus. Also eine Vorsehung. Zu Werken, die es einmal werden.

Danke für den Müll, danke für die Transformation, lieber Rüdiger.

In treuer Verbundenheit

Tom

 

Ach, und wenn Sie noch mehr Knott´schen Müll sehen wollen:

https://abendfarben.wordpress.com/2014/07/24/traum-oder-albtraumstrande-neue-ausstellung-von-ruediger-knott/

Oder Sie gucken Müll-TV:

Oder in den Garten der Künste:

https://abendfarben.wordpress.com/2012/06/18/rudiger-knott-gartenkunst-und-querkunst-in-hamburg-poppenbuettel/

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17. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks 2018 in Wolfsburg

Es ist bald wieder soweit. der 17. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks findet am 19. und 20. Juni 2018 in Wolfsburg statt. Mit Freude haben wir auch in diesem Jahr die Akkreditierung erhalten. Seit 2011 begleiten wir die spannenden und inspirierenden Tage in Wort und Bild, Live und in Farbe. Lesen Sie hier mehr aus den letzten Jahren:

https://abendfarben.wordpress.com/2bahead-zukunftskongress/

2028 – Wie viel Mensch verträgt die Zukunft?

Immer 10 Jahre voraus – das Prinzip des Zukunftskongress beleuchtet dieses Jahr den Mensch-Maschine-Konflikt. Künstliche Intelligenz, Roboter, Amazon Echo und Co – Vorboten einer Zeit, in der Maschinen den Menschen begleiten, und nicht umgekehrt. Entscheidungen, Wissen, Daten werden in hohem Maße auf die technische Seite übertragen. Gut, wenn die Abwägung komplexer Dinge Dinge durch die KI effizienter erfolgt, treffsicherer ist. Schlecht, wenn die Maschine gegen den Menschen entscheidet.

Zitat aus dem Teaser von 2bAHEAD: „Welche Rolle werden wir Menschen in der kommenden Digitalwelt spielen? Wie werden sich unsere Geschäftsmodelle verändern? Wie wandeln sich Produkte und Services? Und welche Kompetenzen, Strukturen und Leadership-Methoden brauchen wir in unseren Unternehmen?“

Ein ist sicher, dass nichts sicher ist. Aber sicher ist es, dass wir auf dem Blog und dem Twitter-Kanal die Tage in Wolfsburg Revue passieren lassen. BLEIBEN SIE GESPANNT!

 

 

 

 

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Ode an das Netzwerk – Mehr sein durch mehr geben

In einer vernetzten Welt ist es möglich, sein Netzwerk besser aufzubauen. Dank digitaler Kanäle zieht der Homo Interneticus seine Fäden. Doch mit Likes und Retweets ist es nicht getan. Ein Netzwerk entsteht durch harte Arbeit, Offenheit, Großzügigkeit. Nicht durch Aufrechnen, Follower sammeln und abwarten.

Es ist nie zu früh

Sie planen den Schritt in ein Unternehmen, aus einem Unternehmen oder in die Selbstständigkeit? Dann beginnen Sie schnellstens damit, Ihr Netzwerk zu aktivieren oder ein solches aufzubauen! Immer noch glauben individualisierte und verbildete Menschen, allein Kraft ihres Egos oder ihres kümmerlichen Wissens große Schritte gehen zu können. Die vernetzte Welt registriert dies, ganz sicher. Es sind Menschen, die durch Kommunikation und Konnektivität gemeinsam etwas schaffen. Beginnen Sie früh mit der Ansprache von Kontakten auf Veranstaltungen, Kongressen oder Netzwerktreffen. Wie ein Samenkorn braucht auch eine geschäftliche Beziehung Zeit zum Wachsen.

Pflege ist nötig

Hey, da ist meine Visitenkarte. Und dann zwei Tage später ein Anruf und durch die Blume nach einem Auftrag gefragt. Hatten Sie so einen Kontakt auch schon einmal? Dann wissen Sie, dass in dem Moment alle, aber wirklich alle Jalousien nach unten gefahren wurden. Grundsätzlich lautet nach der Begrüßung der wichtigste Satz: „Was kann ich für SIE tun?“ Und hier läuft KEIN Taxameter. Wenn Sie Hilfe und Unterstützung anbieten, erzeugen Sie eine wesentlich bessere Atmosphäre. Und Sie öffnen für den Kontakt eine Tür, ebnen einen Weg oder beschaffen dem Fräulein Tochter einen Praktikumsplatz.

Haben Sie einen Kontakt, der IHNEN nützlich sein kann, ist es einige Mühe wert, diesen Kontakt zu pflegen. Bleiben Sie verbunden, denken Sie auch in anderen Situationen an diesen Kontakt, schaffen Sie für ihn einen Vorteil. Die Uhr tickt für Sie.

Erfolge werden zelebriert

Gelang der Auftrag durch die (fremd)geöffnete Tür, lernten Sie DEN Experten für XYZ kennen – feiern Sie ihr Netzwerk. Geben Sie den beteiligten Menschen zu verstehen, wie wichtig Ihnen diese kleine Hilfe oder auch der große Hebel war. Bedanken Sie sich nicht nur mit einem Präsent, einem Essen dafür. Danken Sie dem Kontakt durch Ihr Netzwerk. Wenn im nächsten Gespräch das Thema auf XYZ kommt, zögern Sie nicht, jenen Experten wärmstens „durchzureichen“. Auch wenn für Sie nicht direkt ein monetäres Bonbon herausspringt, haben Sie mit einem Schlag zwei Kontakten einen Gefallen getan. Wetten, dass etwas zurück kommt?

 

 

 

 

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Ehrenamt Bürgermeister – Leben in Jeetze / Altmark

Rund 600.000 Ehrenamtliche sind in Sachsen-Anhalt in ihrer Freizeit in einem Verein, einer Gruppe oder Initiative aktiv. Das mitteldeutsche Bundesland ist das mit den meisten Ehrenamtlichen. Einer davon ist Wilfried Krüger.

Bürgermeister ehrenhalber

Der graue Kombi hat am Morgen eigentlich nur ein kurzes Stück zu fahren. Vom Wohnhaus bis zum Büro ist es nicht mal ein Kilometer. Diese Strecke wird oft noch durch Stopps unterbrochen. Sei es der Gemeindearbeiter, der Fragen hat, ein Anwohner, der seine Sorgen loswerden will.

Der Fahrer ist Wilfried Krüger, ehrenamtlicher Bürgermeister in Jeetze, einem kleinen Dorf in der nördlichen Altmark, Nähe Salzwedel. Der trainierte Mittfünfziger sitzt nun in seinem kleinen Büro, streicht sich mit seinen Händen durch sein ergrautes festes Haar, während er am Telefon Anweisungen gibt. „Du besorgst die Musik und verhandele den Preis!“ Wilfried Krüger bereitet den Mühlenball vor. Der Verein zur Erhaltung der Windmühle feiert sein 15jähriges Bestehen. Wilfried Krüger ist Vorsitzender. Auf seinem Schreibtisch häufen sich Papiere. Rechnungen, Warenbestellungen und Protokolle aus den Sitzungen des Gemeinderates. Dort kann er seiner Leidenschaft Politik frönen. Der Ort hat etwa 450 Einwohner und die sind sehr rege: Feuerwehr mit Jugendfeuerwehr, Seniorengruppe, Jägerschaft, Mühlenverein, Männergesangsverein. Ein gut besuchter Kindergarten zieht die Kleinen aus der Umgebung an.

Geschäfte sind sein Geschäft

Der gelernter Maurer, vor der Wende Betriebshandwerker in der örtlichen Lederwarenfabrik, machte sich 1990 schnell selbstständig. Erst wurden aus der Garage heraus Getränke verkauft. „Wir sind mit dem LKW in den Westen gefahren und haben Saft, Bier, Wasser von da geholt. Das waren Zeiten“, so Krüger. Danach wird eine kleine Videothek eröffnet. Das Geschäft blüht, jeder will Videos sehen. Leider gibt es ein Feuer, und er muss die gemieteten Videos ersetzen. „Ich war froh, als das abgewickelt war. Außerdem war der Laden schon in Planung.“ Die Dorfstraßenerneuerung war sein größter Coup, da ist er stolz drauf. „Die Fördermittel zu bekommen, war nicht ganz einfach. Doch mit dem kaputten Kopfsteinpflaster ging es nicht mehr weiter!“ Krüger grinst über die ganze Breite des Gesichts. Es ist ihm anzusehen, dass er eng mit dem kleinen Dorf verwachsen ist. „Jeetze hättet ihr mal früher sehen sollen“ sagt er jedem, der ungläubig den blitzblanken Ort bestaunt.

Gemeinde Manager

Ganz selten setzt er sein Bürgermeistergesicht auf, ein ernstes, dienstliches, keinen Widerspruch duldendes Gesicht. Eine wilde Bebauung ohne Genehmigung, ein Hund ohne Leine. Es sind eher die Ausnahmen. Sein Spruch ist. „Leben und leben lassen“. Später kaufte er das Gebäude, in dem auch früher der Einkaufsladen war, baute es aus, schaffte Wege und einen Parkplatz. Eröffnete den Laden neu. Im selben Gebäude auch untergebracht: eine kleine Kneipe mit Veranstaltungsraum. Wilfried Krüger ist immer in Aktion, die Ausdauer in Person, aber als Macher auch unduldsam. „Wenn es nicht vorwärts geht, jemand schlampert, nicht mitzieht, werde ich schnell grimmig“, sagt er. Und das sei der Preis für unendliche Arbeit, Aufreiben im Alltag, die wenige Freizeit: „Der meuternde Magen beschert mir Schmerzen, lässt mich wenig essen.“ Es ist eine Freizeit, die meist im gesellschaftlichen Engagement aufgeht. Da eine Sitzung, dort ein Bauprojekt, hier Besprechung mit dem Bauunternehmer bei der Erneuerung von Straßen und Wegen, da eine Vereinssitzung, auch ohne Mitglied zu sein.

Familienmensch und Multitalent

Das Nebenamt Bürgermeister verpflichtet in dem kleinen Dörfchen. Allerdings wünscht er sich, mehr Zeit für seine Familie und das Geschäft zu haben, das Vereinsleben zu lenken. Krüger, 52, ist geschieden, hat zwei erwachsene Kinder und ist sehr stolzer Großvater eines im Sommer geborenen Enkels. An seinen Kindern hängt der Multijobber Wilfried sehr. Wünsche werden eins zu eins umgesetzt. Er gönnte sich einen neuen Laptop. Lange war er nicht in seinem Besitz. Seine jüngere Tochter brauchte nur mit Kulleraugen und Schmollmund zu drohen, da hatte Krüger mal einen Laptop. Seine Große brachte mit Komplikationen den lang erwarteten Enkel zur Welt.

Als Geschäftsführer des Einkaufsladens und eines Getränkeshops ist Krüger der zentrale Anlaufpunkt im Dorf. Besonders für Ältere ist es die einzige Möglichkeit, sich zu versorgen. Er nimmt Wäsche mit zur Reinigung, besorgt Präsentkörbe für Ehrungen. Fast jeden Abend brennt noch lange das Licht in seinem Büro. Krüger macht die Abrechnungen und Bestellungen für das Geschäft. Doch die schlechte wirtschaftliche Lage merkt er auch beim Umsatz im Geschäft und in der Kneipe. „Die Getränke halten uns über Wasser. Von den Lebensmitteln könnten wir den Laden nicht halten“. Das Dorf entvölkert sich langsam. Es wird gestorben, doch Kinder werden kaum geboren. Die jungen Menschen fliehen aus der dörflichen Stille in die Städte und zu den Arbeitsplätzen im Westen. Eine Hochzeit im Dorf, eine Geburt, das sind echte Höhepunkte im Gemeindeleben. Die Glocken der kleinen Kirche läuten dann aus freudigem Anlass. Wer den noch nicht kennt, ruft dann bei Wilfried Krüger an und fragt danach.

Immer in Action

Der Wirt Wilfried Krüger ist Betreiber einer Gaststätte mit Saal, in dem Feiern stattfinden. Silvester, Seniorentreff, Feuerwehrball, Jägerfest, Geburtstage, wohl jeder im Dorf ist mindestens einmal im Jahr dort zu Gast. Das Konzept: Wilfried Krüger verkauft die Getränke zum Ladenpreis, macht die Feiern dadurch erschwinglich. „So manches Fest endet erst im Morgengrauen. Und wenn das im Winter ist, weißt Du, was das bedeutet“. Er feiert gern mit, kann mit alten Kumpels auch einen drauf machen. Doch danach muss aufgeräumt und sauber gemacht werden, also ist nichts mit Ausschlafen am Sonntagmorgen, nach der großen Sause. Um 10 Uhr öffnet Türen und Fenster, startet die Stereoanlage und rockt über das Parkett. Rockmusik ist seine Welt, auch die Oldies aus der DDR. Er kennt die Texte, singt mit. Krüger fährt jetzt noch zu Karat, den Puhdys oder zur Stern Combo Meissen, feiert auf dem Konzert bis in die Nacht, schläft im Auto. Er kann es nicht lassen. Dort findet er den Ausgleich zu seinem aktiven, anstrengenden Leben. Kann sich noch mal jung fühlen, wird erinnert an wilde Jugendzeiten.

Seine zweite Leidenschaft, die für Politik, wird durch ihn selbst bald beendet werden. „Wir bekommen eine Großgemeinde und dann bin ich kein Bürgermeister mehr. Nächstes Jahr ist es soweit.“ Im Verbund mit den anderen Bürgermeistern der Gegend bereitet Wilfried Krüger die Eingemeindung vor. Er, der gern regiert, bestimmt, die Richtung vorgibt, nimmt Abschied von der Macht.

 

Nachtrag: Dieser Artikel erschien auf einem Blog, der inzwischen eingestellt wurde. Aus Anlaß seines 60. Geburtstages am 13.2.18 habe ich ihn wieder „ausgegraben“ und wünsche Wilfried Krüger auf diesem Weg alles Gute für seinem Weg …