hamburgs schöne treppenhäuser uhlenhorst by abendfarben

Faszination Hamburger Treppenhäuser

Ein Thema wurde zur (fotografischen) Leidenschaft: Treppenhäuser. Die Touren durch die Stadt lassen immer wieder staunen. In der Vielfalt und Pracht der Gestaltung und der Materialien. Doch Treppenhäuser haben auch etwas philosophisches, metaphysisches in sich. Diesem Bereich versuche ich auf den Grund zu gehen, bzw. auf´s Dach zu steigen.

Hoch!

Beim Betreten eines schönen Treppenhauses stockt einem oft der Atem. Licht, aufstrebende Formen, Linien die führen, Materialien zum berühren. Die Eingangshalle eines Treppenhauses ist der Empfang. Sie lädt ein, verweist auf Ebenen. Im Gegensatz zu einer Hotel-Lobby hält sich der Besucher hier nur kurz auf. Er möchte ja zu seinem Ziel. Der Eingang ist wie ein Bahnsteig, von dem man verreist. In dem Fall in die Höhe per Paternoster (ja, die gibt es noch) oder per Treppe. Da heißt es steigen. Aufsteigen, klettern, erklimmen. Je nach Anzahl der Geschosse ist das schon ein nettes Cardio-Training für zwischendurch. Es ist bergsteigen für Städter.

Hinter dem sinnlich erfahrbaren, den geschwungenen Geländern, den glatten Wänden, dem Licht ist der Aufstieg eine Erfahrung. Wir bezwingen etwas, überwinden uns oder einen Widerstand. Die Belohnung ist das Ankommen, die Aussicht. Ebenen zum ausruhen, Steigungen zum fortkommen. Es erschließen sich räumliche Zusammenhänge, es wechseln die Perspektiven. Gute Architekten spielen mit Fluchten, Säulen, Lichtlinien und nehmen den Betrachter auf eine sich ständig drehende Reise mit. Es gibt die ausladenden, sehr luftigen Treppenhäuser mit einem riesigen Lichthof. Und es gibt die engen, dunklen, ungemütlichen. Wie im „normalen“ Leben auch. In den einen verweilt man gern, aus den anderen zieht es einen schnell hinaus.

asiahaus-treppenhaus-architekturfotografie-hamburg-abendfarben

Aufblicken, aufschauen, bewundern. Wir schauen zu jemand auf, wir verehren, vergöttern. Alles hat etwas mit „oben“ oder „darüber“ zu tun. Es gibt etwas über uns. Eine (göttliche) Macht, ein Schicksal, wie auch immer Sie es nennen wollen. Kirchen sind in den Schiffen oft gewaltig und hoch, farbenprächtig, lichtdurchflutet. Das Treppenhaus hat eine interessante Ähnlichkeit. Im besten Fall ist am oberen Ende Licht, eine Kuppel, Fensterflächen. Ein direkter Draht in den Himmel.

Runter!

Im Gegensatz dazu ist der Blick hinab. Abgesehen von der Höhe, die in leicht gestalteten Treppenhäusern besonders bedrohlich scheint, werden wir oben besonders in Beschlag genommen. Wir müssen hinab. In Tiefe, in Dunkelheit in das Ungewisse. Wie ein Loch wirkt die Tiefe. Der atemberaubende Ausblick hat zugleich etwas bedrohliches. Es ist ambivalent auf eine sehr subtile Art. Wir sind nah am Himmel (siehe Hoch!), doch wer hoch steigt, fällt tief. Was verbirgt sich hinter Stufen und Galerien? Das Treppenhaus ist die Zentrale, es sind die Eingeweide eines Hauses. Hier treffen sich Menschen oder entfernen sich voneinander. Und im Hinab geht es um verschwinden, versinken, eintauchen. Das muss gar nicht negativ sein. Ist es doch auch ergründen, sich in etwas hinein fühlen. Abwärts ist leichter, als aufwärts. Die eigene Last muss nicht mit jedem Schritt der Schwerkraft entrissen werden. Zugleich türmt es sich über einem auf. Immer mehr Masse und Kraft ist über dem Besucher. Jeder Schritt in die Tiefe ist ein Kilo mehr von oben.

messberghof hamburg treppenhaus by abendfarben

Stille!

Sie kennen die Räume der Stille? Es ist etwas Besonderes im hektischen Großstadtgetriebe, einen Ort der Ruhe zu finden. Sicher funktioniert das nicht im innerhäuslichen Berufsverkehr. Wenn die Etagen gefüllt sind oder an einem Freitagnachmittag, habe Sie die Chance, einen Raum der Stille zu finden. Und der ist auch noch eine Kathedrale, ein Wunderwerk der Architekten und Ingenieure. Sie stehen mitten im Auge des Lichthofs, sehen auf ins Licht. Linien und Fluchten führen die Augen empor. Und die kräftige Ruhe eines soliden Bauwerks überträgt sich auf einen. Probieren Sie es mal aus.

Kein Treppenwitz

Wussten Sie, dass es eine „Gesellschaft für Treppenforschung Scalalogie e.V.“ gibt? Diese befasst sich mit der Treppenkunde, der Eigenart, der Wirkung der Treppe. Auf deren Internetseite http://treppenforschung.de gibt es einen Fundus zu Geschichte und Materialien von Treppen. Schauen Sie mal rein…