Entfesselt im Rollstuhl – Von Gehern und Nichtgehern

Sechs Lebewesen schreiben über zwei Menschen, denen die Krankheit Spina Bifida ein Leben im Rollstuhl bescherte. Sie schreiben herzlich, einfühlsam, ironisch, traurig. Und doch ist es ein Buch FÜR das Leben, FÜR Menschen mit Behinderungen – und vor allem FÜR Menschen OHNE Behinderung.

Hunde können mehr, als bellen

Zwei dieser Artgenossen sind Mitautoren des Buches: Ronja und Nils. Zwei von den sechs Lebewesen. Mit warmem Herz und kalter Schnauze, treusorgend und unermüdlich im Einsatz für Herr(chen) und Frau(chen). Sie blicken aus ihrer Perspektive auf das wundersame Treiben der Zweibeiner. Von denen gibt es Geher und Nichtgeher. Doch davon später mehr. Manchmal philosophisch, oft im Wettbewerb gegeneinander, schreiben sie vom Auf und Ab der Menschen mit einer schlimmen Krankheit. Und sie schreiben vom Durchhalten, vom Spaß und manchen schönen Stunden mit ihren Schützlingen. Sie sind aber nicht nur die Beschützer, sondern Helfer in allen Lebenslagen. Bellen, wenn Hilfe gebraucht wird. Türen öffnen und Lichtschalter betätigen. Heruntergefallene Dinge aufheben und bringen. Ihr Leben ist kein Hundeleben im herkömmlichen Sinn. Es besteht aus Arbeit, Aufmerksamkeit und einem harten Training, das nötig war, bevor sie zu Assistenzhunden wurden. „Wir sind Guthunde“ erkennen Ronja und Nils. Ähnlich den gehenden Gutmenschen. Doch die Menschen reden nicht mehr miteinander. Das unterscheidet Mensch und Tier, so scheint es.

Mütter mit Energie

Welche Kraft es kostet, zwei Kinder mit Behinderungen bis zur Berufsschule zu begleiten, zeigen Andrea und Martina, die Mütter von Leo und Hanna. Die Nachricht nach der Geburt, die Operationen, die ständige Anwesenheit der Krankheit und der Kampf gegen Tücken des Lebens lassen empfinden, welche Herausforderungen vor den Frauen und ihren Familien stehen. Auch wenn sie von Freunden und Familie Unterstützung bekommen, lastet auf ihnen der Löwenanteil der Arbeit. „Man bekommt nie mehr Last aufgeladen, als man tragen kann.“ Was für eine Kraft in diesen Worten steckt. Sie schreiben als Co-Autoren in dem Buch auch etwas von ihrer Seele. Und sie berichten den Nichtgehern, wie es sich so anfühlt, mit falschem Mitleid, Behörden-Hick-Hack und anderen Lebenslagen klarzukommen. Ein kaputter Lift, zugeparkte Behindertenplätze, teure Reha-Hilfen – das Leben der Familien hat es in sich. Aber immer wieder blitzen der Stolz und die Freude auf, wenn sie berichten, wie ihre Sprösslinge wieder einen „Schritt“ weitergekommen sind, sich wieder etwas zum Guten entwickelt hat.

Hanna und Leo

Weitere zwei Autoren und die Helden des Buches. Warum sie Helden sind? Sie zeigen den Nichtgehern, wie viel Kraft ein Mensch aufbringen kann. Gemessen an den Stolpersteinen der Geher müssen die Beiden riesige Hürden überwinden. Täglich, jahrelang und in Anwesenheit einer Krankheit, die in ihrer Wirkung nicht nachlässt. Doch ihr Leben ist nicht nur im Tal der Tränen. Sie haben Freunde, leben mit ihren Hunden, der Schule, dem Sport und anderen Behinderten. All die Kraft und Energie, die diese beiden jungen Menschen in ihrem kurzen Leben schon aufgebracht haben, verwenden Nichtgeher in ihrem langen, langen Leben. Durchhaltevermögen, Motivation, Mut – Nichtbehinderte können eine Menge von den Beiden lernen. Danke an Hanna, Leo, Martina, Andrea, Nils und Ronja für einen Blick in euer Leben, für traurige und schöne Momente und vor allem für den Blick über den Tellerrand hinaus.

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2 Gedanken zu „Entfesselt im Rollstuhl – Von Gehern und Nichtgehern

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