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Deutschland vor der Wahl. Eine politische Beobachtung.

Wie ist es bestellt um Deutschland und sein politisches System? Wohin geht die Reise im September, wenn Bundestagswahl ist? Fragen und Beobachtungen aus den letzten Monaten, die zum Entschluss führten, meine Sicht der Dinge kund zu tun. Wie denken Sie darüber? Antworten Sie mir gern.

Die da Oben und die da Unten

Einige wenige Worte reichten, um Bewegung ins WWW zu bringen. Peter Tauber, Generalsekretär der CDU twitterte: „Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“  Fern der Realität des Arbeitsmarktes und der Verdienstmöglichkeiten, die genau diese Minijobs notwendig machen. Und es zeigt, welche Distanz zwischen den (vom Volk gewählten) politischen Vertretern und ihrem politischen Auftraggeber steht. Arroganz der Macht beschreibt es gut. Und das große Wundern findet statt, wenn Wähler wandern – oder gar nicht erst wählen.

Hamburg versinkt beim G20 Gipfel in Gewalt und Feuer. Der erste Bürgermeister, Olaf Scholz (SPD), gibt davor vollmundig ein Sicherheitsversprechen ab. Nach den Ausschreitungen findet er alles „bedrückend“, lehnt aber personelle Konsequenzen ab. Die Bürger der Hansestadt räumen diese freiwillig nach den Krawallen auf. Politiker finden sich bei der großartigen Aktion nicht. Es perlt den Politikern geradezu vom schicken Nadelstreifen.

Die Grünen mausern sich zum Oberlehrer der Nation, geschmeidig an den eigenen Skandalen vorbei lavierend. Angetreten als ökologische Protestpartei sind sie längst in den Pfründen der Bundespolitik versackt und traktieren Land und Leute. In ihrer Selbstverliebtheit entgeht ihnen, dass Wähler gründlich die Nase voll haben von Sprücheklopfern und Besserwissern. Wenn Ideologie über Wählerauftrag gestellt wird, darf sich der Mandatsinhaber über Wählerschwund nicht wundern.

Die Freiheitlichen, kurz FDP genannt, strampeln sich über Jahre ab, um der Opposition zu entkommen, machen bemerkenswerte innerparteiliche Aufräumarbeit, glänzen mit frischen und jüngeren Gesichtern – und reißen mit dem Arsch alles ein, was sie aufgebaut haben. Kurz vor der Bundestagswahl wird bekannt, dass sich die Liberalen von der Billigfluglinie RyanAir Wahlplakate sponsern lassen. Kein Wunder, geht es um die Abstimmung zum Flughafen (!) Tegel. Wieder einmal tappen die Gelben ins Portemonnaie – äh – ins Fettnäpfchen.

Die Alternative für Wähler scheint die AFD zu sein. Sammelt sie doch mit direkten Worten und großer Klappe Frustwähler und Menschen ein, die das Gefühl haben, nicht mehr in diesem System wahrgenommen zu werden. Solche Strömungen gab es auch regional. Prominentes Beispiel ist Richter (Gnadenlos) Schill, der mit seinem politischen Sammelbecken Hamburg zeigen wollte, wo der Hammer hängt. Gemein ist diesen Bewegungen, dass sich Menschen schnell dafür begeistern lassen, die (Un)Fähigkeit der Spitzen ebenso schnell im politischen Alltag (nach der Wahl) zutage tritt und den schönen Schein verblassen lässt.

Die in sich gekehrte Linke operiert aus einer Position des Verzweifelten heraus. Sie ist nur regional begrenzt politisch handlungsfähig, legt mit ihren Kandidaten Skandale (Holm aka Stasi) und Merkwürdiges (Gysi als Wirtschaftssenator) sowie Skuriles (Maserati aus Steuermitteln) an den Tag und hat sich bis heute nicht aus der geschichtlichen Umklammerung (von Stalin bis zur Stasi) gelöst.

Fazit bis hier: Traue niemandem außer Dir selbst über den Weg. Auch wenn die Beschreibung der o.g. Parteien nur ein kleiner Spiegel aus dem großen Geschehen ist, zeigt sie doch symptomatisch die Wahrnehmung durch den Wähler. Hier geht es nicht um Stammtisch. Hier geht es um stinknormale Rezeption von Eindrücken aus dem politischen Alltag in D-Land.

Die Krux ohne Plan B

Wie soll nun der geneigte Wähler wählen, wenn sich die politische Kaste dermaßen an selbigem vorbei benimmt? Welchem Mandatsträger soll er sein Vertrauen geben in dem Wissen, dass diese/r nach der Wahl vier Jahre Unfug anstellen kann, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden?

Mögen Sie noch ein paar aktuelle Beispiele? Gern doch!

Aufschrei der „Etablierten“ wegen Frau Twesten, die in Niedersachsen für Stimmung und in Berlin für Frust sorgt. Sicher ist der Wechsel mangels Listenplatz bei den Grünen merkwürdig. Aber letztlich eine persönliche Entscheidung – siehe auch Fraktionszwang … Das Mandat gehört der Person, nicht der Partei.

Keine Diskussion, ob denn das eigene Tun dazu geführt hat. Keine Selbstreflektion, sondern nur Haudrauf und Gekeife. Und der SPD-Fraktionschef sekundiert sehr sachlich. Denn der Wechsel von einer Partei zur anderen – Mehrheit hin oder her – ist per se „undemokratisch“. Naja, der Herr Oppermannn ist ja gefeit vor Opportunismus. Das ist sicher nur Muffensausen vor einem Abrutsch bei der Wahl in die Bedeutungslosigkeit bzw. Opposition. Komisch, dieses „Opp…“ passt irgendwie prima zusammen …

Kleines Schmankerl: In Thüringen sichert Rot-Rot-Grün seine Einstimmen-Mehrheit völlig ungeniert mit einem ehemaligen AfD-Überläufer, der auf Platz 2 der AfD-Landesliste in den Thüringer Landtag einzog.

Leider gibt es viel zu wenige, die sich nicht verbiegen lassen. Die Ihre Meinung vertreten, auch innerhalb der jeweiligen Partei. Zwei gute Beispiele sind Wolfgang Bosbach und – um einmal international zu werden – John McCain . Leider sind beide von Krankheiten gezeichnet, dies war aber nicht der Auslöser für ihre aktuellen Statements. Sie waren schon immer gerade und direkt. Daran müssen sich die anderen Volksvertreter eine dicke (!) Scheibe abschneiden.

Wenn Du ein totes Pferd reitest …

Offensichtlich ist in Deutschland keine politische Kraft vorhanden (charismatische Personen inkl.), die mit Empathie, Ohr an Masse und Visionen in der Lage ist, echte Begeisterung auszulösen (siehe Obama). Dies führt vielleicht, wie in den 1920er Jahren, zu einer a) Zersplitterung der politischen Strömungen und damit einer defacto Unregierbarkeit. Oder / und zu b) der Stärkung der Ränder des politischen Lagers. Beides ist Demokratie, beides zieht Probleme nach sich

Wieso hält der Wähler an Dingen fest, die ihm schaden? Sicherheit durch Bestand statt Entwicklung und Erneuerung scheint die Devise. Als Kohls Regentschaft 1998 vorbei war, sprach man von den bleiernen Jahren. Das Kurzzeitgedächtnis der Deutschen ist kurz, wie der Name vermuten lässt. Gerade 20 jahre später setzt die Uckermärkerin an, eine vierte Amtszeit zu bestehen.

Fragen Sie sich auch, wie der aktuelle Stand der Dinge bei den Prognosen ist? Schauen Sie einfach auf https://www.wahlumfrage.de/t/bundestagswahl-2017/ aber wundern Sie sich bitte nicht …

Lesen Sie sich gern zum Thema Opportunismus hier ein.

In diesem Zusammenhang schauen Sie auch gern in meinen Artikel aus dem Frühjahr 2016:

Wählt euch doch ein neues Volk!

 

 

 

 

 

 

 

 

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16. Zukunftskongress 2b AHEAD in Wolfsburg – zweiter Tag

Nach einem sehr heißen ersten Tag startete der 16. Zukunftskongress 2b AHEAD in Wolfsburg am Mittwoch zu seiner zweiten Etappe. Die Themen ließen die Neugier ansteigen: Quantencomputer, Alexa, Google Assistant und Co. und sogar Artificial Sexuality standen auf dem Programm. Doch dazu später mehr.

Think Quantum – Wie die neuen Quantencomputer unsere Welt verändern werden

Bo Ewald, President, D-Wave Systems Inc. berichtete aus der Arbeit seines Teams. Ein Computer simuliert einen Computer. Der Computer selbst ist nur noch ein Chip. Allerdings in einem Riesen-Kühlschrank untergebracht und derzeit auch noch leicht instabil. Die Schwarz-Weiß-Sicht der Dinge hat ein Ende, denn die QBits könne gleichzeitig 0 und 1 darstellen. Wie kann man sich das vorstellen? Dazu blickten die Teilnehmer des 16. Zukunftskongress 2b AHEAD in Wolfsburg ganz praktisch in das Schaffen der Firma, die nur in Rufweite des Schlosses tätig ist.

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Dr. Martin Hofmann, CIO der Volkswagen AG ließ in seinem Vortrag erahnen, wo die Quantenreise hingeht. Es ist wirklich unglaublich, aber wahr.

Auf einer Silicon Valley Reise besuchte er DWave und tüftelte einen irren Plan aus. Der Kampf gegen den Megastau, gesteuert von Qbits. 10.000 Taxis in Peking wurden mit Sensoren versehen und liefern nun in Echtzeit Daten über den Verkehr – resp. Nicht-Verkehr – an die Zentrale. Die wertet ebenfalls in Echtzeit aus und steuert die Taxis. Ihnen wurde die optimale Route vorgegeben, um Staus zu umfahren und ACHTUNG! Staus gar nicht erst entstehen zu lassen.
In 2020 werden wir viele selbstfahrende Fahrzeuge sehen. Diese Fahrzeuge scannen in einem Umkreis von 50 Metern die komplette Umgebung. Ein Quantencomputer kann den Stau auflösen, bevor er sich bildet. Die Verkehrsströme in Peking wurden in einer Karte erfasst. Das ist ein Datenwust jenseits der Vorstellung. 3 hoch 418 Rechenoperationen kann kein normaler Computer in annehmbarer Zeit berechnen. Qbits schon.
Der nächste Schritt ist Deep Learning. Es galt, die Muster zu erkennen, dass sich ein Stau bilden wird – bis zu 45 Minuten vorher! Diese Information geht an die angeschlossenen Fahrzeuge, sie bekommen eine Quanten-Routenführung. Der Unterschied: Google Maps zeigt die Echtzeit, Quantencomputer sehen voraus. Weiter gedacht, so Hoffmann: Busse werden keine festen Fahrpläne mehr haben, sondern sich an Menschenströmen orientieren. Die Welt des Verkehrs verändert sich grundlegend.

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Produkte 2027 – 
Wie verändern sich die Produkte der Predictive Enterprises?

Lauri Oksanen, Vice President for Research and Technology, Nokia – ja, genau die mit den Gummistiefeln und später mit den Handys – blickt aus Sicht eines Dienstleisters für digitale Lösungen und Netzwerke auf die Zukunft

Derzeit sind 5 Milliarden Menschen an mobile Geräte angebunden. Einige Hundert Milliarden sind für Maschinen reserviert. Das ist alles nur der Anfang für globale Netzwerke. Wir reden dann über Billionen Dinge. Das ist der berühmte Kühlschrank, der die Milch nachbestellt. (Oder Unfug anstellt – lesen Sie dazu hier mehr!)

Maschinen können aus dem lernen, was im Netz passiert. Analogien werden gefunden oder Warnungen ausgegeben. Derzeit können wir Stunden oder Tage vorher prediktive Fehlererkennung nutzen. Ob Transportüberwachung, Qualität von Lebensmitteln, Druck- oder Wasserstandmessung für sehr wenig Geld sind gute Beispiele dafür. Aus Sicht von Oksanen geht es viel weiter. Die Software kann nicht nur erkennen, wer mit ihr spricht, sie wird auch das persönliche Befinden notieren. SIe passt sich den Bedingungen an, lernt und „versteht“.
Aus „dummen“ werden „kluge“ Maschinen. Die Vernetzung sorgt dafür, dass Maschinen neue Erkenntnisse weiter an andere Maschinen teilen. Die KI nimmt Fahrt auf.

 Predictive Networks – Connecting Intelligence

Lupo Pape, CEO von SemanticEdge GmbH zum Thema: Alexa, Google Assistant und Co. – Wie digitale Assistenten unsere Geschäftsmodelle 
 verändern werden

Die Assistenten werden heute in immer mehr technischen Geräten eingebaut. Das geht schnell und wir gewöhnen und genau so schnell daran. (Siehe dazu auch den Beitrag mit dem Heinzelmann!) Damit wird das Ende der PC Ära eingeleitet. 95% der Geräte werden dann keine Tastatur haben. Nennen wir es Entgerätlichung – schwieriges Wort, trifft es aber auf den Punkt. Ein großer Schritt im Übrigen zur Inklusion – doch das nur nebenbei …
Der Bildschirm kommt doch wieder dazu. Manche Dinge lassen sich mit Bildern besser zeigen. Die Telefonie wird darüber laufen und wieder zunehmen. (Kleiner Seitenhieb gegen die Provider.) Neben der Spracherkennung wird die Authentifizierung wichtiger, ob es um Zugangskontrollen, Home Security o.ä. geht. Das Bild des Lautsprecher wandelt sich zum steten Begleiter, zum Service. Weiter gedacht für Unternehmen: Dienstleistungen bekommen ein stetes Dialog-Interface. Kundenservice wird ein neues, intensives Level erreichen. Der Service wird aus seiner Fragmentierung geholt, da es nur noch über einen Kanal geht. Alle Tools in einer Box, sozusagen.
Intessant: Werden die Geräte „nur“ Assistenten zu einem Gerät oder wird alles überall
Integriert? Kann der Kühlschrank auch eine Urlaubsversicherung kaufen? Fragen über Fragen.

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Große Augen gabe es bei den Teilnehmern beim Thema Cyber-Sex, oder, wie es Kate Devlin, Senior Lecturer, Goldsmiths, University of London nennt:

Artificial Sexuality – wie Liebe, Sex und Roboter zusammenpassen

Schau mir in die Dioden, Kleines! Ist es ein ernsthaftes Thema? Ja! In diesem Jahr gab es den ersten digitalen Sexroboter mit integrierter KI. Wo führt uns das hin? Geben Menschen ihre zwischenmenschlichen (sic!) Beziehungen auf? Ist ein/e digitale/r Lebensabschnittsgefährte das neue (Liebes-)Leben? Fernbeziehungen und Arbeiten rund um den Globus können die Vorboten eines neuen Umgangs miteinander sein. Für unterwegs die digitale Dame, zuhause die echte.

Es gibt Hilfe-Roboter zur Betreuung oder Begleitung von Menschen. Deren Entwicklung schreitet schnell voran. Die Menschen mögen diese Begleiter. Vielleicht lieben sie diese sogar. Das spricht für die Konstrukteure, nicht gegen die Menschen. Laut Devlin bieten sich diese digitalen Helfer auch als Therapie für Straftäter an.

Es gibt ethische oder moralische Fragen dazu. Kindersexroboter sind ein NoGo, ganz klar.  Allerings verfügt die Pornoindustrie über viel Geld. Die Industrie hat immer schnell und massiv reagiert, wenn technische Neuerungen auf den Plan traten. Sie wird sich nicht an ethische Bedenken halten. Weiter: Was ist mit den Daten, die entstehen oder gehackten Geräten. Kaufen sich dann Besitzer mit Bitcoins frei, damit ihre digitale Liebe nicht bekannt wird? Nach dem beeindruckenden Vortrag zur Leistungsfähigeit der Qbits stellt sich di Frage, was passiert, wenn dieses Roboter mit Quantencomputern verbunden werden? Entsteht dann sogar Leidenschaft oder Liebe?

Übrigens, der Kissinger (oder Kissenger) ermöglicht Fernküsse. Kleiner Tipp, falls Sie gerade eine Fernbeziehungen führen …

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Crossing the Quantum Chasm

Alan Ho, Business Development, Google AI Quantum Laboratory, nahm die Teilnehmer am Ende des Kongresses auf eine Reise in eines der Herzen von Google mit.  „Ende 2017 werden wir zeigen können, das Quantencomputer wesentlich schneller als normale Computer sind.“ Die QC sind derzeit trotz Kühlung noch nicht so stabil und die ist nötig für die komplette Berechnung großer Datenmengen.
Seit der erste Entwicklung 1943 von Zuse haben die Computer einen exponentiellen Fortschritt vollzogen. Doch die Quantencomputer setzen on top eine unglaublchen Sprung an Leistungsfähigkeit, der die bisherige Entwcklung als Schneckentempo erscheinen lässt.

Zu den Anwendungen so Ho, kommt es auf zwei Wegen. Zuerst werden es disruptive Industrien nutzen. Diese verfügen über ein Produkt, welches mit der Skalierbarkeit und Leistungsfähgkeit der Qbits bestens „harmoniert“. Ebenfalls schnelle Nutzer werden sein, die eine maximale Bedrohung vor sich sehen. Dies sorgt für maximalen Mitteleinsatz. Bestes Beispiel ist die akut bedrohte Autoindustrie, da selbstfahrende Fahrzeuge im Kommen sind. Dringende Notwendigkeit des Handelns ist geboten, wollen die großen Hersteller auf den schon schnell fahrenden Zug noch aufspringen.

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16. Zukunftskongress 2b AHEAD in Wolfsburg – der erste Tag

Strahlender Sonnenschein und blauer Himmel empfing die Gäste des 16. Zukunftskongress von 2bAhead 2017 in Wolfsburg. Gespanntes Warten auf anregende Themen, bekannte Gesichter und neue Kontakte in einem perfekt organisierten Umfeld im und am Wolfsburger Schloss.

Das Zeitalter des Quantencomputers hat schon begonnen. Moores Gesetz „Das Wissen verdoppelt sich aller drei Jahre“ wird durch die Geschwindigkeit ad absurdum geführt. Diese Technik ist extrem skalierbar. Wissenschaftler, Mathematiker, Physiker werkeln an der Technologie der Zukunft schon heute. Schönes Zitat dazu von Julian Wheatland, COO/CFO, Cambridge Analytica: „Vom Madman zum Mathman“.

Das kulturelle und unternehmerische Skillset für die digitale Transformation

Stephen Brobst, CTO von TERADATA http://www.teradata.com/  einem System zur Analyse von Kundendaten und -strömen, bebilderte seinen Slogan: „If Data Is A Product, Roll It Out!“ sehr plastisch. Ihre Zahnbürste checkt ihr Putzverhalten. Für regelmäßiges Putzen bekommen sie eine Prämie. Daten werden zur Ware, der Kunde mit seinen Daten wird zur Ware. Und je mehr eine Firma über einen Kunden weiß, desto präziser kann sie kommunizieren. Weiteres Beispiel: Die Telekommunikation hat ein Problem. Die Kosten gehen hoch, das Datenvolumen wächst unaufhörlich. Die Preise für Flatrates gehen runter. (Anmerkung: In Deutschland wird, gemessen an anderen Ländern noch sehr viel für überschaubare GB bezahlt. Das nur nebenbei.) Der Schluss daraus laut Brobst: Das Produkt ist umsonst, im Gegenzug geben wir Daten. Wir werden zum Produkt. Das Problem daran: Die Daten gehören aber dem Menschen. Ein Dilemma …

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Positiv gedacht, wäre es doch sinnvoll, Kunden von etwas zu überzeugen, was ihnen langfristig nutzt. Weiteres Beispiel sind die Fitbits – also Armbänder, die Daten zur Bewegung, zum Blutdruck und Schlafverhalten tracken. Kurioserweise werden die Fitbits werden von Menschen getragen, die es eigentlich nicht nötig haben. Wie bringen wir de anderen dazu, das zu tun? Gute Frage!

Seine Tätigkeit bei Teradata beschreibt Brobst damit. Ein Business Intelligent Analyst gibt Antworten auf ein Problem. Der Data Scientist hat das Ziel, die Frage zu finden. Die Steigerungsform ist der Digerati. Diese digitale Elite erschafft eine höhere Wertschöpfung. Es wäre gut, wenn jeder von uns mit solchen Menschen im Kontakt stünde, um für das eigene Business Ideen zu entwickeln.

Es saugt und bläst der Heinzelmann

In der StrategieArena zum Zukunftsbild Kundenbedürfnisse 2027 trafen die Gäste des Kongress 
 Dirk Reznik, CEO von Vorwerk Thermomix. Anhand seines Küchenbeglückers berichtete er über den smarten Haushalt für smarte Kunden und wie Kundenbedürfnisse der Zukunft schon heute angesprochen werden können.
Guided Cooking mit Erfolgsgarantie. Ein großer Außendienst bringt die frohe Kunde unters Volk in Kochshows am heimischen Herd – äh – Thermomix. Der Erfolg gibt dem Traditionsunternehmen recht, welches durch den Loriot´schen Kultsketch in das kulturelle Gedächtnis der Deutschen eingebrannt wurde. Reznik rauscht mit den Gästen durch die Vorwerk-Plattform und zeigt Synergien und Kooperationen am Fließband. Sicher, die Digitalisierung ist ein Enabler, kein Muss. Es ist auch möglich, händisch zu kochen. Aber bei den OnTopDoToos bietet es sich einfach an, always On zu sein: Mit Cookidoo bietet eine Rezeptplattform Anweisungen für die Küche von heute. Der Weekly Planner sorgt mit einer Shopping List für ein Zettelersparnis. Über das StartUp HelloFresh kommen die entsprechenden Zutaten per Box ins Haus.

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Doch das Gerät ist keine Einbahnstraße. Inzwischen haben die Edelmixer eine Konnektivität zum Internet. Über die Response aus den Geräten sind nicht nur die Vorlieben der Kochenden auszulesen, sondern auch Ort und Zeit. In Hintertupfingen kochen die Mixer Samstagsabend immer Mixmox – oder so ähnlich. Interessant auch, dass die Gerichte Rückschlüsse auf weitere Dinge zulassen – so Reznik. Wenn der Hühnersuppenanteil an der prozentualen Suppenverteilung Deutschlands atypisch ansteigt, ist eine Grippewelle zu diagnostizieren.
Mal schauen, was die Vorwerker so als nächstes austüfteln…

Vor allem steht der Mensch – oder doch die Maschine?

Frédéric Peyrot, Chief Operating Officer, Vibe / AIR at en-japan, berichtete über Verstehende Führung in analysierenden Organisationen. Interessanterweise traten in vielen Diskussionen die Referenten auf und betonten neben allen technisch machbaren Finessen den Wert und die Wichtigkeit des Menschen. Das geben wir gern mit auf den Weg der Möglichkeiten …

Bei Vibe gibt es ein Innovationslabor für Human Ressources. Toll. Die Daten werden unter anderem aus Slack gewonnen. Ein unternehmensinterner Chat bietet die Möglichkeit, sich über das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu informieren. In Echtzeit. Derzeit arbeiten sie auch an der Möglichkeit, Empfehlungen auszusprechen. In Abteilung XY ist dicke Luft, HR übernehmen Sie! KI kann etwas gut: Automatisierte Aufgaben übernehmen. Aber sie kann keine Softskills. Selbst Menschen können Menschen schlecht verstehen, wie soll es die KI können?

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Sie kann gut Muster erkennen. Und sie kann als Hilfe ist das Filtern von Informationen übernehmen, um Entscheidungen zu treffen. Sie kann Szenarien im Voraus berechnen. Dies erledigt sie neutral, ohne Wertung. Gerade im HR Bereich kann die KI bis zu 50% der Arbeit übernehmen. Zeit, die gewonnen ist, sich mit den Menschen zu beschäftigen. Doch Vorsicht! Was passiert, wenn sich die KI irrt? Wer ist verantwortlich? Der HR Manager, der KI Programmierer? Diese Dikussion ist noch lange nicht zu Ende. Soe sieht es auch Gabriele Sommer, Global Head of Human Ressources bei TüV Süd AG.

Mensch-Maschine Führung in zukünftigen Organisationen

In einem sehr empathischen Vortrag (KI, das möchte ich mal von dir hören …) berichtet sie vom alltäglichen Tun in einem großen Unternehmen. Das hat mehr Mitarbeiter im Ausland, als in Deutschland, ist 150 Jahre alt und hat alle industriellen Veränderungen mit erlebt. Die Prognose ist noch stärker als bei Vibe: 80 % aller Aufgaben sollen in 5 Jahren von KI übernommen werden. Doch sofort der selbstironische Zweifel von Sommer. Adaptiertes Leadership aus der Büchse soll es richten? Entscheidend sind die doch die Beziehungen zwischen Menschen. Der Mensch machts!
KI ist ein Nebenprodukt, sie kann uns etwas abnehmen. Aber kann sie führen? Kann sie intuitiv handeln, ist sie besser als das eigene Bauchgefühl? Eine Maschine kann keine Empathie. Sie kann keine Menschen „abholen“. Großartiger Aufruf zum Abschluss: Machen wir Menschen eigendisruptiv, regen wir sie dazu an, zu zerstören. So entwickeln sie sich UND das Unternehmen!

Anmerkung:

Im Laufe des Tages lesen Sie Berichte und Bilder auch auf dem Abendfarben Blog. Naturgemäß ist es so viel Input, dass eine umfangreiche Berichterstattung Ihren Abschluss erst Tage nach dem 16. Zukunftskongress 2b AHEAD in Wolfsburg findet.  Nicht nur der Kopf, auch die Kladde – altertümliches papiernes Dings aus vordigitaler Zeit – sind brechend voll.

Danke für Ihren Besuch auch nach dem 16. Zukunftskongress 2b AHEAD in Wolfsburg auf unserem Blog.

Mit einem Klick sind Sie auf unsere eigens eingerichteten Seite zum Zukunftskongress 2b AHEAD mit dem Archiv aus den letzten Jahren: KLICK!

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16. Zukunftskongress 2b AHEAD in Wolfsburg eröffnet

Wir berichten Live und in Farbe vom 16. Zukunftskongress 2b AHEAD am 20. und 21. Juni 2017 in Wolfsburg. Seit 2011 begleiten wir den 2bAHEAD Zukunftskongress – ein Forum der Innovation, ein Treffpunkt der Denker und Lenker.

Es ist eine Ehre, in dem Kreis der CEOs, Wissenschaftler, Forscher und Planer eintreten zu dürfen und einmal jährlich eine Vorausschau auf die nächsten 10 Jahre zu erhalten. Sicherlich – Zukunft lässt sich nicht vorhersagen. Aber es lassen sich Entwicklungen ableiten, Theorien bilden und mögliche Szenarien durchspielen.

Es gibt natürlich einen Twitter-Stream, der von den Teilmehmern des Kongresses aktuell gespeist wird. Diesen finden Sie unter dem HHastag #zuko17 hier…

Mittendrin, statt nur dabei:

Aktuelle Einblicke und Zitate finden Sie auf dem Abendfarben Twitter Account …

Im Laufe des Tages lesen Sie Berichte und Bilder auch auf dem Abendfarben Blog. Naturgemäß ist es so viel Input, dass eine umfangreiche Berichterstattung Ihren Abschluss erst Tage nach dem 16. Zukunftskongress 2b AHEAD in Wolfsburg findet.  Nicht nur der Kopf, auch die Kladde – altertümliches papiernes Dings aus vordigitaler Zeit – sind brechend voll.

Danke für Ihren Besuch auch nach dem 16. Zukunftskongress 2b AHEAD in Wolfsburg auf unserem Blog.

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16. Zukunftskongress 2b AHEAD am 20. und 21. Juni 2017 in Wolfsburg

Zeitreisen sind ein alter Menschheitstraum. Zurück, um Dinge oder Ereignisse zu ändern oder vorwärts, um zu schauen, was auf einen zukommt. Diese Technologie ist derzeit nicht verfügbar. Einen Blick in die Zukunft gewährt aber trotzdem der

16. Zukunftskongress des ThinkTanks 2b AHEAD am 20. und 21. Juni 2017 in Wolfsburg

Wie alle Jahre berichten wir live und in Farbe von den spannenden Themen und interessanten Gästen. Unser Dank an dieser Stelle an das 2b AHEAD Team, welches eine professionelle Organisation zur Grundlage von zwei äußerst interessanten Tagen in Wolfsburg macht. Der Kopf ist danach übervoll und die gehörten und gesehenen Dinge beschäftigen uns noch Wochen danach.

Das Programm dieses Jahr steht unter dem Titel  Think Quantum – the prediction of everything. Wie Predictive Enterprises unsere Kunden, Produkte und Prozesse verändern...

Lesen Sie via Link noch mehr zum Programm.

Vorhersage aus riesigen Datenmengen

Während sich ein Großteil der Unternehmen noch mit der Strukturierung und Auswertung immer größerer Datenmengen beschäftigen, geht die Vorausschau bei 2b AHEAD so:

“ Aus riesigen, exponentiell wachsenden Datenmengen erstellen sie mit den richtigen Werkzeugen und den richtigen Fragen präzise Vorhersagen über Kundenbedürfnisse, Produktanforderungen und Marktveränderungen. Predictive Enterprises steuern jegliche Unternehmensprozesse auf Basis dieser Prognosen. In zehn Jahren wird der Einsatz von Predictive Systems vollkommen normal sein. Das Vorausrechnen und –handeln wird verändern, wie, womit und mit wem wir arbeiten.“ (Quelle 2b AHEAD)

Vorausschau der kürzeren Art – dieses Jahr betreffend – vom Leiter des ThinkTanks Sven Gabor Janszky lesen Sie hier:

Zukunftsforscher Janszky: „2017 wird ein gutes Jahr! Aber ich habe Angst vor der Ahnungslosigkeit der Politik!“

Mit einem Klick sind Sie auf unsere eigens eingerichteten Seite zum Zukunftskongress 2b AHEAD mit aktuellen Berichten und dem Archiv aus den letzten Jahren: KLICK!

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Hamburg Blogger sind mehr als ein Stammtisch

Die Hamburg Blogger haben einenregelmäßigen Stammtisch. Aber sie sind mehr, als ein Stammtisch. Sie sind ein Netzwerk und Anlaufstelle für Fragen aller Art. Wir hatten beim letzten Treffen im Generator Hamburg Besuch aus der Wirtschaft. Die Digitalisierung ist in aller Munde, aber noch nicht in aller Köpfe. Vor allem nicht in den Köpfen der Entscheider. Das wurde deutlich, als unsere Gäste mit großen Augen und offenen Ohren all die Dinge vernahmen, die in der Blogosphäre abgehen. (Kleine Eigenwerbung: Klick!) Doch Hamburger sind ja freundlich und hilfsbereit. Und Hamburg Blogger sowieso. Also gab es Tipps und Ratschläge im Kilopack und in freundlicher Atmo. Das wwird sich wohl noch weiter drehen. Das Feedback aus der Wirtschaft war begeistert…

Inzwischen treffen sich die Hamburg Blogger auch außerhalb der monatlichen Stammtische, um gemeinsame Projekte zu pflegen oder einfach mal nur einen Kaffee zu trinken.

Ach, noch etwas: EIner der Hamburg Blogger organisiert gerade via Twitter das TwAlster-Grillen. Denn Blogger sind auch Twitterer. Nähere Infos bitte hier abrufen!

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Zukunftsforscher Janszky: „2017 wird ein gutes Jahr! Aber ich habe Angst vor der Ahnungslosigkeit der Politik!“

Wir begleiten seit Jahren den Zukunftskongress 2bAHEAD. Der Leiter des ThinkTanks, Sven Gabor Janszky, antwortete in einem Interview zu den Aussichten für das nächste Jahr 2017. Mit freundlicher Genehmigung von 2bAHEAD geben wir einen Auszug des Interviews zum Nachdenken und Nachjustieren der geneigten Leserschaft mit auf den Weg:

Viele von uns haben das Jahr 2016 als Chaos-Jahr empfunden: Terror, Brexit, Trump-Wahlen. Wird es 2017 genauso weitergehen?

Sven Gabor Janszky: Ehrlich gesagt habe ich 2016 nicht als Chaos-Jahr empfunden. In Deutschland gibt es weniger Arbeitslose, der DAX geht von einem Höchststand zum nächsten, die Unternehmen verdienen sehr viel Geld, die Menschen verdienen und konsumieren mehr und wir haben die Flüchtlingskrise in den Griff bekommen. Uns geht es wirklich besser als vor 12 Monaten. Allerdings wird unsere Wahrnehmung von einer Reihe von Ereignissen in der Welt dominiert, die für viele unerwartet waren. Dass viele Menschen davon überrascht sind, ist klar. Aber als Chaos kann das nur jemand empfinden, der Veränderungen fürchtet. Ich selbst freue mich auf Veränderungen, denn sie bieten immer eine Chance zum Besseren.

Was ist der wichtigste Trend für Deutschland im Jahr 2017?

Sven Gabor Janszky: Es ist die digitale Spaltung unserer Gesellschaft. Weil wir 2017 eine Bundestagswahl haben und das ganze Jahr vom Wahlkampf geprägt wird, werden wir diese digitale Spaltung überdeutlich erleben. Der Grund ist einfach zu erklären: Wir leben in einer Zeit, in der sich die Zukunftsbilder der verschiedenen Teile der Gesellschaft radikal unterscheiden. Die jungen Menschen in den Großstädten stellen sich ihre Zukunft als positives Ergebnis einer rasenden, technologischen Veränderung vor. Sie nutzen intelligente, digitale Assistenten, leben gesünder und länger, sind höchstgebildet, sind gefragte Arbeitskräfte, verdienen viel Geld und leben ihr Leben als Patchwork immer neuer Möglichkeiten und Herausforderungen. Dieses Zukunftsbild entsteht auf Grundlage der exponentiellen Geschwindigkeit der digitalen Entwicklung. Zugleich gibt es Menschen, vor allem ältere Menschen außerhalb der Großstädte, die diese rasante Entwicklungsgeschwindigkeit nicht kennen oder nicht kennen wollen. Sie prognostizieren ihr eigenes Zukunftsbild auf Basis des Stillstandes und der Vergangenheit. Ihr Motto ist das von Donald Trump: „Make us great again!“.

Wir haben also in der Gesellschaft schon heute zwei Zukunftsbilder, die sich diametral unterscheiden. Bei Abstimmungen und Wahlen prallen dann plötzlich diese Zukunftsbilder frontal aufeinander. Da merken die Menschen dann, dass es auch die anderen gibt, von denen sie bisher keine Ahnung hatten. Genau dieses Phänomen hat zum Brexit geführt, zur Trump-Wahl, zum Rücktritt von Renzi in Italien, zur unversöhnlichen Kampagne um die Präsidentenwahl in Österreich. Und im Bundestagswahljahr 2017 werden wir exakt dieses Phänomen in Deutschland haben. Wie wir diese beiden Zukunftsbilder und Gruppen zusammenkriegen, wie wir eine Brücke bauen, dass wir von derselben Zukunft dieses Landes reden, das wird das größte Thema sein. Dies wird unser Land im kommenden Jahr prägen.

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Das klingt nach gesellschaftlichem Zwist. Warum halten Sie das dennoch für ein gutes Jahr?

Sven Gabor Janszky: Weil ich glaube, dass es Deutschland gelingen wird, diese Brücken ansatzweise zu bauen. Ich bin fast sicher, dass Deutschland im Jahr 2017 der Welt einen Weg zeigen kann, wie man mit diesem weltweit bekannten Problem umgehen kann. Ich bin deshalb so optimistisch, weil wir in unserer Mehrparteiendemokratie die Lösung dafür schon angelegt haben. Lassen Sie mich das erklären: Der Grund warum bei Brexit, Trump, Renzi und Hofer die beiden Zukunftsbilder so frontal aufeinander geprallt sind, liegt in dem starren bipolaren politischen System. Immer wenn man die die Masse der Menschen zu einer Ja/Nein-Abstimmung, Links/Rechts-Entscheidung oder Republikaner/Demokraten-Votum zwingt, wird eine Konfrontation künstlich aufgebaut, die eigentlich gar nicht da ist. Plötzlich gewinnt Donald Trump eine Wahl, obwohl er nur 19% der Gesamtwähler auf sich vereint. Bei der Bundestagswahl wird es anders sein. Natürlich wird auch hier die AfD auf 10-15 Prozent kommen. Dies kann man nicht weg diskutieren, denn es gibt die Menschen, die für sich einen guten Grund erkennen, die AfD zu wählen. Aber unser pluralistisches System wird ihre Bedeutung zurecht schrumpfen, auf das was sie wirklich ist: Eine Minderheitsmeinung zwischen vielen anderen Minderheitsmeinungen. Die westliche Welt wird gut daran tun, dies zu erkennen.

Das klingt als hielten Sie den weltweit eingezogenen Populismus für nicht schlimm. Aber der Brexit oder die Trump-Wahlen verändern doch real wirklich unsere Welt. Das kann man doch nicht ignorieren!

Sven Gabor Janszky: Nicht ignorieren, aber ins Verhältnis setzen. Der wirkliche Gestaltungsspielraum eines US-Präsidenten ist doch sehr limitiert. Im Vergleich zu den wirklich großen Entwicklungen in den Technologiebranchen, schrumpft die Macht des angeblich mächtigsten Mannes der Welt auf Zwergenniveau.

Wie meinen Sie das? Können Sie konkrete Beispiele dafür geben?

Sven Gabor Janszky: Die Genetik wird bis zum Jahr 2019 die Kosten für die Komplettanalyse einer individuellen menschlichen DNA auf unter 100 Dollar senken. Dies kann jeder der Leser dieses Interviews bezahlen. Das ist die Basis dafür, dass wir in den Jahren danach die schlimmsten Krankheiten der Welt therapieren können, an denen unsere Elterngeneration noch gestorben ist. Die Autobranche wird bis 2025 selbstfahrende Autos ohne Lenkrad und Gaspedal auf den Markt bringen. Damit wird Mobilität nahezu kostenlos. Menschen können ihre Fahrzeiten für Sinnvolleres nutzen, als am Lenkrad zu drehen. Technologie schenkt den Menschen also einige der wichtigsten Dinge: Gesundheit, Zeit und die Lösung der größten Menschheitsprobleme wie Energie, Hunger und Wasser.

All diese Entwicklungen sind möglich, weil wir intelligente Computer bekommen werden. Diese werden in etwa 30-40 Jahren sogar die menschliche Durchschnittsintelligenz erreichen und übertreffen. Die wirklich wichtige Frage ist: Wie werden wir und unsere Kinder in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts als „zweitintelligenteste Spezies der Welt“ leben? Wer sich wirklich fürchten will, der sollte sich davor fürchten. Bei allem Respekt: Verglichen mit diesen absehbaren technologischen Entwicklungen schrumpft der Einfluss des kommenden US-Präsidenten fast unter die Wahrnehmungsgrenze.

2bahead zukunft kongress 2015-04 by abendfarben

Sollten wir uns also vor der Technologie fürchten? Haben Sie Angst vor der weiteren Zukunft?

Sven Gabor Janszky: Ja und nein. Wir reden jetzt nicht über das Jahr 2017, sondern etwa über 2050-2060. Bis dahin haben wir noch 30-40 Jahre Zeit einige wirklich große Herausforderungen zu meistern. Diese Zeit werden wir auch brauchen, denn es sind große Fragen von bisher nie dagewesener Komplexität. In der Menschheitsgeschichte hat es bisher noch nie solch eine riesige Herausforderung wie die Entstehung einer übermenschlich intelligenten Spezies gegeben. Aber ich bin trotzdem optimistisch, denn die Menschheit ist Weltmeister in der Anpassung an sich verändernde Umwelten. Ich bin sicher, dass die Menschheit es schaffen wir, sich eine positive und lebenswerte Zukunft zu gestalten.

Aber ich will auch klar zugeben, dass ich durchaus Ängste habe. Nicht wegen der technologischen Entwicklung, sondern wegen der aktuellen Ahnungslosigkeit und Untätigkeit unserer Politik und Gesellschaft. Wir Zukunftsforscher haben diese aus unserer Sicht größten zu lösenden Zukunftsfragen schon vor vielen Jahren an die deutsche Politik geschickt. Es gab bisher nie eine Antwort. Wenn wir aber nicht jetzt anfangen, die anstehenden Fragen und entsprechende Regulierungen zu debattieren, dann wird es irgendwann zu spät sein. Denn die Menschheit wird nur in den frühen Entstehungsphasen der übermenschlich intelligenten Computer einen Einfluss auf deren Zukunft nehmen können. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wird es zu spät sein. Ich habe Angst, dass die Politik aus purer Ahnungslosigkeit und Nichtkenntnis diese größte Verantwortung nicht wahrnimmt.

Welcher Trend wird den Alltag der Menschen im nächsten Jahr besonders stark verändern?

Sven Gabor Janszky: Die meisten von uns werden anfangen mit unseren Telefonen zu reden. Denn auf den Smartphones wird werden die Apps langsam ersetzt durch intelligente Assistenten. Wenn man heute mit den Entwicklern in China und im Silicon Valley redet, dann programmieren schon kaum mehr Apps, die programmieren intelligente Assistenten. Das heißt: In Kürze werden auf unseren Handy Assistenten erscheinen, mit denen wir intelligente Gespräche führen können. Das wird unser aller Leben beeinflussen.

 

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