Hundert Euro

Absicht oder Unvermögen?

Seit einem Jahr sind Land und Leute mit der Pandemie beschäftigt. Und mit möglichen Lösungen oder Bekämpfungen derselben. Die Situation ist sicher einmalig in der bundesrepublikanischen Geschichte. Sie legt aber auch gnadenlos offen, dass es ein Krisen“management“ nicht gibt und stellt die peinliche Frage: Ist das (Nicht-)Handeln Absicht oder Unvermögen?

Wenn es Unvermögen ist

… muss die Frage nach dem Zugang zu höchsten Stellen geklärt werden. Wenn Doofe (sorry) regieren, ist doch in dem System was faul. Eigentlich sollten doch da gebildete, erfahrene Manager(innen)typen(innen) sitzen, die mit dem Blick über das Ganze und Entscheidungswillen den Widernissen trotzen. Und einen Plan haben oder sich zumindest befleißigen, diesen zu entwickeln. Weiter kann sträfliches (Nicht-)Handeln nicht länger sanktionslos bleiben. Huch, ein paar Milliarden versenkt. Na ja, ich gehe jetzt in Rente. Nein, genau so nicht! Erstens bedarf es harter Kontrollen bei der Vergabe von Aufträgen und Ausgaben. Zweitens einer öffentlichen Sanktionierung von Fehlverhalten. Kontensperrung und Status Hartz4 inklusive. Es darf nicht angehen, dass Doofe ! ungestraft ! Steuergelder ! verplempern.

Wenn es Absicht ist

… steht natürlich gleich der Vorwurf im Raum, mit obskuren Mächten und Hinterzimmerpolitik in Verbindung gebracht zu werden. Gehen wir mal davon aus, dass es soviel Doofheit nicht geben kann (obwohl?). Steckt dann System dahinter, ein Plan? Das wäre ein Ding! Wer hat ein Interesse, systematisch gegen jede Vernunft zu agieren. Wer gewinnt, wenn Zeit vertrödelt wird. Wer profitiert von einem plattgemachten Markt an Dienstleistern, Geschäften und Gastro? Nach der langen Zeit des Müßiggang trotz drängender Aufgaben tauchen Fragen auf. Nach immer neuer Planlosigkeit (das muss man erst mal hinbekommen trotz gewaltigem Apparat und Beratschiks) auch. Und wer bestraft Nichtstun und Planlosigkeit? Wer sanktioniert Verzögern und Plattmachen?

Verschwörung hin, Frage her

Dem geneigten Leser ist sicher nicht entgangen, dass ich eher der Wissenschaft zugeneigt bin, als Schamanen. Sicherlich schreitet die Verblödung der Gesellschaft voran, weil Hedonismus und Onlinemedien im Vormarsch sind. Wenn kein Interesse an der gesellschaftlichen Entwicklung besteht, gibt es auch kein Interesse an der Kontrolle der „da oben“. Mein Arsch ist mir wichtiger, als das Gemeinwesen. Also entkoppelt sich „der Staat“ vom „Volk“ und führt ein fröhliches Eigenleben. Wir bezahlen mit sehr hohen Steuern (übrigens…) die Doofen, die dann unser sauer verdientes Geld mit Schwung in den Gulli kippen. Wie lange noch?

Noch mehr dazu lesen Sie hier:

https://abendfarben.wordpress.com/2020/03/22/bockiger-abgesang-ueber-covidioten-und-andere-menschen/

und hier:

https://abendfarben.wordpress.com/2019/07/21/deutschland-quo-vadis/

der weg ist das ziel by abendfarben

Wünsche für das neue Jahr 2021

Das alte Jahr geht und zum Wechsel in ein neues sind ein paar Gedanken und Wünsche angebracht. Auch wenn die Situation mehr als besonders ist, bleibt ein fader Nachgeschmack über. Sicher erfordern besondere Zeiten besondere Aktionen, keine Frage. Nur haben sich alle Beteiligten nicht mit Ruhm bekleckert.

Wünsche an die Medien

Die Aufgabe eines Journalisten ist das beobachten und neutrale berichten über Ereignisse oder Personen. Neutral heißt, nicht wertend, nicht Partei ergreifend, nicht Politik betreibend. Nicht nur, dass sich so manche/r aus der Abteilung Edelfeder sichtlich um Lobhudelung der eigenen Person bemüht. Sondern es wird positionierend berichtet, es werden bewusst Ereignisse „ge-frame-t“, es gibt eine ganze Armee politisch klar ausgerichteter und so wirkender Journalisten. Sie verstehen sich als verlängerter Arm ihrer Partei oder politischen Blase und agieren dem entsprechend. Im Gegenzug werden die „Feinde“ verzerrt dargestellt. Man beachte in dem Zusammenhang die Fotos von Menschen / Politikern, auf denen gerade herumgehackt wird. Die Bilder sind so gesetzt, das sie „das Ziel“ in einer verächtlichen oder unästhetischen Weise zeigen. Achten Sie mal darauf… Mir wäre es wohler zumute, wenn z.B. die zwangseingetriebenen Gelder des ÖRR der eigentlichen Bestimmung zugute kämen. Dazu müsste das ganze mischpoke System von Grund auf saniert werden. Ich weiß, ein großer Wunsch.

Wünsche an die Politik

OK, sie haben keinen leichten Job in der Pandemie. Keine Frage. Aber über die Leistungsfähigkeit, die Intelligenz, das Krisenmanagement darf man schon nachdenken. Bundespräsident v. Weizsäcker forderte zu seiner Zeit, mehr Wissenschaftler in die politischen Entscheidungsgremien zu holen. Ich würde noch weiter gehen. Es gehören Wissenschaftler an die Macht. Nicht Plagiatoren und Dr. Ehrenhalber. Der Politiker auf einem Wahlplakat ist geräuschlos und leicht zu entfernen. Diesen wunderschönen Satz verzapfte der grandiose Loriot (dem ich tief verbunden bin, nur nebenbei). Er beschreibt eben in einem Satz, wo das Problem liegt.

Ernannt auf ministerielle und andere entscheidende Posten dank Verteilungsschlüssel oder Überhangmandat landen Nichtwissende (-wissenschaftler) an den Hebeln der Macht. Sie produzieren Hektoliter von heißer Luft, dem Proporz und dem eigenen Stuhl geschuldet. Die Fraktion sagt, wo es lang geht. Nicht die Notwendigkeit, nicht das aktuelle Geschehen außerhalb des „politischen Berlins“. (Haben Sie sich den Begriff mal auf der Zunge zergehen lassen?)

Wie sollen diese „Volksvertreter“ denn das Volk, ihren Wähler, vertreten? Wie sollen den sehr pragmatische, kluge, wegweisende Entscheidungen getroffen werden? Wie soll denn eine Richtung, die sich als Erfolg versprechend erweist, mit aller gebotenen Energie und Verve durchgesetzt werden? Unter den oben genannten Bedingungen? Mein Wunsch: Mehr Typen, Macher, Durchsetzer als die jetzigen Dullis in Berlin.

Wünsche an die Menschen

Angst und Unsicherheit sind immer ein schlechter Ratgeber. Beide werden leider auch von den oben genannten Gruppierungen benutzt oder forciert. Das macht es den Menschen nicht leichter, diese Situation zu meistern. Leider ist da niemand, der den Menschen echtes Mitgefühl oder Verständnis entgegenbringt. Leider ist da keiner, der in dem Format eines Gandhis oder eines Luther Kings den Menschen Glauben an die Zukunft und Kraft schenkt. Sie sind auf sich alleine gestellt. Und die Urtriebe des Menschen treten schnell ans Licht. Angst erzeugt (politische) Flucht oder (persönliche) Aggressivität. Beides gut an Wahlergebnissen oder am alltäglichen Umgang festzustellen. Nach fast einem Jahr der Unsicherheit und Angst vor dem Ungewissen ist die Situation leider sehr festgefahren. Nach den Tonnen von Aufrufen nach Disziplin und Zurückhaltung stiftet es wenig Sinn, noch einen weiteren Aufruf dieser Art zu starten. So wünsche ich den Menschen, dass sie sich um ihr direktes Umfeld sorgen und kümmern. Wenn jeder nur seine Familie, seine Nachbarn unterstützt oder für sie sorgt, ist schon mehr geholfen, als immer nur gegen „die da oben“ zu wettern.

Und nun?

Aus beschriebenen Gründen sind die erststen beiden genannten Gruppen in absehbarer Zeit nicht reformierbar. Das System Bundesrepublik war viele Jahrzehnte politisch und wirtschaftlich ein Vorbild auf der Welt. Leider hat es über die Jahre eine Kaste hervorgebracht, die mehr dem Parteibuch oder der politische Orientierung dienen, als dem „Souverän“. Diese Strukturen sind sehr verwachsen und es würde mich nicht wundern, wenn diese Selbstherrlichkeit und -bedienungsmentalität dazu führt, dass sich das politische System selbst zerreibt. Scherbenhaufen a la 1920er Jahre wäre eine Option.

Wünsche an das Jahr 2021

Doch sind das nur Vermutungen und ich möchte ja dem neuen Jahr einige Wünsche mit auf den Weg geben. Also bitte:

2021, es wäre sehr hilfreich, wenn Du uns etwas zur Ruhe kommen lässt. Mit Vertrauen in Lösungen und Wege. Damit die aufgewühlte Gesellschaft Luft holen kann.

2021, ich würde mich freuen, wenn Du denen, die am meisten geschuftet haben in der Pandemie, eine wirkliche Anerkennung zukommen lassen wirst. Ich dachte da an vier Wochen Extraurlaub, bezahlt natürlich. Oder an eine wirklich fette Prämie für all die Schwestern und Pfleger, Ärzte und Rettungskräfte.

2021, vielleicht zeigst Du den Menschen, dass Leben nicht nur Überfluss heißt. Können wir auch mit weniger genauso glücklich sein, macht das ja was mit unseren Rohstoffen und der Umwelt.

2021, du wirst der geschundenen Gastronomie und all den abgesagten Feiern, Festen, Partys einen Riesengefallen tun, wenn wir wieder all diese Dinge planen und vor allem durchführen können. Streng dich mal an diesbezüglich…

… und dann kommt ein Anruf aus dem Jenseits

Wie geht der Mensch mit dem Verlust eines anderen Menschen um? Es gibt die Orte der Trauer dafür. Es gibt Rituale. Je nach Kultur und Geografie sind die Möglichkeiten verschieden. Und je nach der persönlichen Verbindung zu den Gegangenen findet jeder seinen Weg dazu.

Ein ganzes Leben

Mein bester Freund ist nach 30 Jahren, die wir uns kennen, im Krankenhaus verstorben. Ich war noch kurz davor bei ihm. Wir kennen uns drei Jahrzehnte, für mich ein ganzes Leben. Wir haben viel erlebt und auch durchgemacht. Und es war eine ganz wunderbare Erfahrung und Ergänzung, die es so sehr selten gibt. Also ist es sehr intensiv und bedeutend. Umso schwieriger ist für mich der Umgang damit. Lange habe ich überhaupt nicht gewusst, wie ich damit umgehen kann (und soll). Es war eine stillstehende Zeit. Vollgestopft mit zu erledigenden Dingen, Behörden, Papierkram. Und eine Zeit lang auch absichtlich vollgestopft mit Beschäftigung. Das ist sicherlich normal, eine Ablenkung zu suchen, weil das Thema so groß und gewaltig ist, dass kein sinnhafter Umgang möglich scheint. Kommt Zeit, kommt Rat.

Erinnerungen

Was bleibt, sind Erinnerungen und Ereignisse. Die ermöglichen einen schönen Rückblick und Halt. Also schreib ich Dir einfach einen „Brief“ damit. Und wer weiß, vielleicht habt ihr ja „drüben“ auch Internet und Du kannst ihn in aller Ruhe lesen. Das würde mich sehr freuen.

Meine Artikel oder Blogbeiträge hast Du gern geschmökert und wir haben darüber gesprochen. Du bist ein heller Kopf und schwer gebildet. Das gibst Du mir all die Jahre weiter. Ich habe den Begriff „wandelndes Lexikon“ nicht ohne Grund herangezogen. Es gibt kaum eine Frage oder Idee, zu der Du nicht etwas sagen kannst. Bücherfresser, Studiosus, Philosoph, Visionär bist Du. Voller guter und verrückter Gedanken und Ideen. Ein unerschöpflicher Pool, so scheint es mir.

Mr. Anzug

So haben wir uns kennengelernt. Du in Deinem unvermeidlichen Anzug immer schick und auf Aussehen bedacht. Ich in Jeans und Sweatshirt. Ja, das war auch Eitelkeit. Jedes Tierchen hat sein Pläsierchen. Am liebsten wärest Du noch im Anzug zum Camping gefahren. Das konnte ich mit Mühe und Not verhindern. So saßen wir im D-Zug von Berlin nach Hause auf dem Gang und erzählten und schwadronierten. Die ganze Fahrt, ohne Unterlass. Und war haben gespürt, dass eine gemeinsame Wellenlänge vorhanden war. Bewusst vielleicht noch nicht, aber es war toll.

Wilde Wende

Manches findet sich, weil es seine Bestimmung hat. Ohne Zutun, ohne Aktion. Es war eine irre und berauschende Zeit 1989. Und wir mittendrin. Ab zur Demo, Abends in der Kneipe die Köpfe heiß geredet. Der Umbruch mit seinen wirtschaftlichen Folgen zerrieb die Gesellschaft und trieb die Menschen vor sich her. Wir haben die Gewerkschaftsjugend mit aufgebaut, waren dann Landeschefs und lernten jeden Tag von „den Wessis“ und den „bösen Kapitalisten“, wie das nun so läuft. Doch die Arbeitsplätze waren rar gesät. Bildung tat nötig. Beide kein Abi, du aus politischen Gründen, ich wegen Faulheit. Also auf nach Hamburg und studieren. Das ging damals noch ohne Abi, aber eben nur in Hamburg.

Hamburch, meine Perle

Allein die Suche nach einer Wohnung war ein Abenteuer. Im Bulli gepennt, dann die Zeitung gekauft, umhergefahren und endlich was gefunden. Nun aber auf schick gemacht, und so standen wir halbwegs zivilisiert vor dem dicken BigBoss. Dem gefiel Deine forsche Art und uns die Wohnung. Also großer Umzug in den Westen. Und dann ab an die Uni. Das war noch Lotterwirtschaft dort, wie da alle herumliefen! Das ging uns gegen den Strich. Also volles Programm: Wir waren die einzigen Studenten, die immer im Anzug und mit Krawatte aufliefen. Deine Idee, grandios. Und mit eben solcher Wirkung. Es kann nicht schaden, ein bisschen verrückt zu sein.

Wasser, Boote und so

Wo, wenn nicht am Ufer der Alster und Elbe, lässt es sich besser leben, wenn einen die Fortbewegung auf Flüssigkeit sehr gefällt. Wir haben beide eine Bootsmeise und sind schon als Kinder (als wir uns noch nicht kannten) auf allem, was schwamm, umhergefahren. Alle unsere Urlaube, die wir gemeinsam hatten, fanden schwimmenderweise statt. Zelt, Schlafsack, Kocher ins Faltboot gestopft und los ging die Fahrt. Du hast oft die Touren ausgetüftelt. So paddelten wir durch Meck-Pomm, die Elbe, den Rhein, die Mosel und noch viele Gewässer mehr. In Deutschland gibt es so schöne Ecken. Und wir haben viele davon gesehen. Ganz der Käptn und standesgemäß hast Du eine Kapitänsmütze getragen (mit Patent natürlich, was auch sonst…) Für Dich war ich immer die „Nummer 1“, wie in der Enterprise bei Picard und Riker. Wir lieben die Serie sehr und sie hat uns all die Jahre begleitet. Es war mir übrigens eine große Ehre, dass Du in mir Deinen ersten Offizier gesehen hast. Freundschaft hat viele Facetten.

Stein auf Stein

Wissen ist Macht. Das zeigte sich bei einem anderen großen Projekt, an dem wir teilnahmen. Ein Rohbau eines großen Hauses. In langer Arbeit haben wir das gemeinsam zu einem richtigen Haus ausgebaut. Ohne Deine Ideen und Dein Wissen zu Material und Maschinen wäre das nichts geworden. Einmal komplett mit alles, sozusagen. Außer Wänden und Dach war da nichts. Heute traue ich mir zu, ein Haus noch mal (aus) zu bauen. Dank Dir und ungezählten anstrengenden Stunden bei Wind und Wetter. Als der Rohbau noch nicht mal die Fenster drin hatte, meinte der Winter, uns testen zu können. Es war arschkalt. Aber wir haben ein Zimmer zur Wärmekammer umfunktioniert und der Unbill getrotzt. Ein bisschen verrückt…

Der Zahn der Zeit

Leider hat über die Jahre die Gesundheit bei Dir stark gelitten. Jetzt war es an mir, für Dich da zu sein. Einer trage des anderen Last. Der Spruch aus der Bibel und der gleichnamige Film, den wir so gern gesehen haben. Und auch das ist Freundschaft. Lange und ohne zu klagen (und das bewundere ich bis heute an Dir) bist Du durch das Tal gegangen. Hilfe ist Tat, nicht das Wort. Von Handreichungen bis zum teuren Alu-Faltrollstuhl, von Beschaffung notwendiger Dinge bis zur Pflege – es gab kein Zögern. Das war und bin ich Dir schuldig. So konnte ich Dir von dem etwas zurückgeben, was Du in mich investiert hast. Nur wer eine solche Zeit mitmacht, kann die Frustration der professionellen Pflegenden ob der Handlungsohnmacht der Politik wirklich verstehen. Ausdauernde Anstrengung zu jeder Tageszeit. Einer trage des andere Last. Doch alles hat ein Ende, so auch bei Dir.

… und dann kommt ein Anruf aus dem Jenseits

Ich fahre bei schönstem Wetter durch die schönste Stadt der Welt und das Telefon klingelt. Unbekannte Nummer. Ich geh ran und höre Dich. Die Verbindung ist ziemlich schlecht, kein Wunder bei der Entfernung. „Ich wollte Dir nur sagen, das ich gut angekommen bin und das ich es hier gut habe. Wir haben nur einen kurzen Anruf frei, die Nummer ist nicht zurückzurufen.“ Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, habe einen Kloß im Hals. Bevor ich in der Lage bin zu antworten, wache ich aus einem Traum auf und starre an die dunkle Decke des Zimmers. Nicht sicher, ob ich immer noch träume, mache ich Licht.

Das war ein sehr schöner Traum und es wäre wohl die großartigste und wundervollste Idee, die der liebe Gott, wenn es ihn gibt, gehabt haben könnte. Die Gegangenen dürfen ein Telefonat zu ihren Lieben hier führen und sagen, dass sie gut angekommen sind. Damit die Lebenden ihren Frieden finden und die Ruhe und Gewissheit haben, dass alles gut ist und seiner Bestimmung folgt.

Fast glaube ich, die Idee ist von Dir und Du hast in Deiner sehr überzeugenden Art mit dem alten Herrn da oben ein Gespräch zwecks Änderung der Regularien geführt und der hat gelächelt und mit einer jovialen Geste seinen Segen dazu gegeben. Zuzutrauen wäre es Dir, ohne Zweifel. Wenn es einer schafft, dann Du. Und nun sehe ich Dich wieder schelmisch grinsen, mit diesem Blick aus Wissen und Ahnung. Mit dem untrüglichen Gespür für Wege und Entscheidungen. Und mit der Prise – ach nennen wir es doch einfach gute Verrücktheit.

Wenn es Dein Plan war, liest Du nun die Bestätigung in dem Brief an Dich. Wenn nicht, ist die Idee trotzdem sehr betörend und ich lasse sie hiermit frei in den Raum und die Zeit. Vielleicht wird das ja noch was mit dem letzten Telefonat. Irgendwann.

Auf jeden Fall danke ich Dir für all die Jahre, all das Wissen und die schöne Zeit, die wir hatten. Und ich danke Dir für den Traum, der es mir nach den vielen Monaten ermöglicht, Dir eine gute Reise zu wünschen, nicht in Sorge um Deinen Verbleib zu sein. Und das ist doch etwas sehr Schönes, oder?

abendfarben am hamburger elbstrand by tom koehler

Hamburgliebe

Kann man sich in eine Stadt verlieben? Ja, das geht. Für manche ist Hamburg die schönste Stadt der Welt. Das kann ich nicht beurteilen, dazu müsste ich die Gegenkandidaten mal gesehen haben. Wie es zur Liebe kam, lesen Sie hier.

Es ist 1993

Ein Studienplatz führt mich nach Hamburg. Schon bei der Wohnungssuche war ich kreuz und quer in der Stadt unterwegs und sah viel Grün und wenig Hochhäuser. Das fand ich toll, weil viele Städte einfach nur nach oben wachsen und dann ist auf den Straßen keine Sonne mehr. Oder nur eine kurze Zeit. Ich bedauere Menschen, die in dunklen Schluchten leben müssen. Anderes Thema.

Zweckbau

Das Universitäten immer so hässlich sein müssen. Schon damals sträubte sich mir das Nackenhaar bei den Bausünden der Zweckbauten. Unbewusst, noch nicht wissend, welche Leidenschaft dazu noch geweckt werden sollte. Das Studium nahm mich in Beschlag, es gab viel zu lernen und nebenbei (Danke dafür) jobbte ich beim NDR am Rothenbaum. Die Stadt war nur Mittel zum Zweck. Der Lehrbetrieb ließ wenig Zeit, sich mit ihr zu beschäftigen.

Im Fernseher

Nach dem Studium sah ich die Stadt durch den Fernseher. Geht nicht, doch, das geht. Mein Job bei einer großen Nachrichtenagentur brachte es mit sich. Dort waren permanent Kameraleute unterwegs und berichteten aus der Stadt. Also sah ich mehr von ihr, aber nur im Fernseher bzw. Monitor. Die Arbeit brachte es mit sich, dass ich die Stadt langsam und besser kennen lernte. Bei er Größe und Ausdehnung eine Aufgabe.

elbsegler hamburg

Selbst und ständig

Als Freiberufler und Netzwerker vor dem Herrn erschloss sich mir die Stadt immer mehr. Langsam erreichte sie mich, hatte mein Herz ergriffen, machte sich beliebt. Durch die Arbeit viel auf Tour nahm ich Hamburg immer mehr wahr und verstand den Bohei, den die Menschen um Hammonia – so der schöne lateinische Name Hamburgs – machten. In der Zeit wurde auch der Grundstein für meine Leidenschaft Architektur gelegt. Dazu später.

Freund und Lexikon

Ein gebürtiger Hamburger wurde zum Freund und Stadterklärer. Die Wellenlänge stimmte, unser Interesse für Geschichte und Architektur und die Leidenschaft für das Fahrrad. Dank dem profunden Wissen zur Stadt und den vielen Anekdötchen und Geschichten habe ich Hamburg erfahren. Im wahrsten Wortsinn. Und die Stadt ergriff von mir Besitz, nahm mich ein. Das Feuer war entfacht. Den besagten Stadterklärer finden Sie hier: https://hamburg-erfahren.de

Stein auf Stein

Mein Beruf und meine Leidenschaft für Fotografie bildeten ein wunderbare Symbiose. Die Architektur und insbesondere die schönen Treppenhäuser dieser Stadt haben meine Liebe zu Hamburg schwer entflammt. Altehrwürdige Kontorhäuser und die Backsteinfassaden faszinieren mich völlig. Ich habe Hamburg von innen gesehen und lieben gelernt. Geschichte und Handwerk, Ingenieurkunst und gestalterischer Mut formten etwas Wunderschönes. Damit Sie verstehen, was ich meine, schauen Sie gern selbst nach: https://abendfarben.com

Zuhause sein

Im Leben sah ich viele Städte, lebte in einigen. Davon durchaus auch sehenswerte – keine Frage. Zuhause ist mehr als die Wohnung und da, wo Freunde sind. Zuhause ist ein Lebensgefühl, ein Angekommensein. Hamburg ist mein Zuhause, meine Base, meine Liebe. Die Stadt hat es geschafft, mich zu verlieben, mich einzulassen und anzukommen. Das ist großartig. Dafür danke ich und lade Sie herzlich ein, die Stadt am großen Strom zu besuchen. Vielleicht werden Sie auch etwas davon empfinden. Es würde mich freuen.

In diesem Sinne: Hummel Hummel – Mors Mors.

leben mit behinderung

Ab morgen bin ich schwerbehindert

Es klingt nach Vorsatz, ist aber die rückwärts laufende Uhr einer Diagnose.


Nicht das Ereignis überrascht und stellt einen vor (neue) Tatsachen. Dann ist es gegeben. Sondern das Ereignis kommt auf einen zu, sichtbar, unaufhaltsam. Das ist eine andere Situation, als ein Unfall oder andere plötzliche Beeinflussung der Gesundheit. Also schreibe ich hier gegen die rückwärts laufende Uhr und mir den Kram von der Seele.

Ein Viertel Jahrhundert

Ohne die Fortschritte in der Diagnostik und Behandlung in den letzten Jahrzehnten wären viele Menschen schneller oder länger krank. Insofern ist das Leben in unserer modernen Zeit und Gesellschaft schon des Dankes wert. So konnte mit immer besseren Medikamenten und präziser Kontrolle das fortschreitende Defizit aufgefangen werden. Aber es war klar, dass es den Punkt geben  wird, an dem das Auffangen nicht mehr ausreicht. Sicher wünscht sich jeder, dass der Zeitpunkt noch möglichst lange in der Zukunft liegen möge. Aber irgendwann ist (neudeutsch) der Drops gelutscht.
Das hat dann 15 Jahre gedauert. So gesehen doch eine lange Zeit, sich vorzubereiten.

Warmlaufen

Was ist besser? Ein Schlag und es ist, wie es ist? Oder eine lange Zeit mit ungewissem Datum, aber der Gewissheit, dass der Schlag kommt? Schwer zu beantworten. Ich kenne ja nur den zweiten Fall. Wie ein Sportler läuft man sich (gedanklich) warm. Das Thema nimmt immer mehr Raum ein, bestimmt die Gedanken. Aus dem Ärgernis (muss noch einen Namen dafür finden, dann wird es personifiziert und greifbar) erwächst Übersicht und Planung. Wann haben Sie zuletzt aktiv die kompletten Tagesabläufe gescannt? Das tut nötig, um die Behinderungen zu erkennen, die dann wirken. Das braucht Mensch, um schon jetzt räumlich und organisatorisch zu planen. Wenn heutige Abläufe zukünftig nicht oder nur eingeschränkt funktionieren, braucht es Überlegungen dazu. Erweitert wird das Gedankenportfolio noch, wenn die Arbeit und Reisen dazu kommen. Jedes bedingt Umstellungen und Einschränkungen. Jedes.

Unglückliche Verkettung

Die (verdammte) Corona-Krise hat verhindert, dass ich einige (sowieso geplante) Reisen tätige. Zu lieb gewordenen Menschen in Deutschland und Europa. Um Sie zu sehen (Reisen wird bald nicht unmöglich, aber behindert), den ganzen Mist zu bereden, Rat einzuholen und eine Umarmung. So gesehen ist 2020 mehr als nur merkwürdig. (des Merkens würdig). Und verhinderte ausgerechnet jetzt die Freiheit, die wir als so selbstverständlich erachten, verhinderte Wiedersehen und gelebte Freundschaft. Das nehme ich Corona persönlich übel. Es wäre eine willkommene Abwechslung / Ablenkung gewesen. Schöner Mist!

Was bleibt

Ausdauer und langer Atem war schon in der letzten Etappe gefragt. Die zweite dauert 8-10 Jahre. Mit den gegebenen Einschränkungen und dem Hoffen, dass es hilft. Die Wartezeit auf die dritte Etappe. Auch hier kommt es unweigerlich, im (diesmal) besten Fall eher. Und möglicherweise hat die Forschung noch ein Ass im Ärmel, welches sie der Behandlung zuspielen kann. Bei den technologischen und Wissen-Sprüngen unserer Zeit gut möglich. Etwas Hoffnung machen mir da die Besuche des jährlichen Zukunftskongress. Dort treffe ich Menschen, die mit ihren Visionen und realisierten Plänen für heruntergeklappte Unterkiefer sorgen, wenn ich das Bild einmal bemühen darf. (Lesen Sie dazu hier mehr.)

Zwischen den Zeilen

Der geneigte Leser des Blogs weiß, dass ich nicht für Likes und Kommentare schreibe. Sondern für mich und aus mir. Allen Zwischen-den-Zeilen-Lesern sei hiermit ausdrücklich ins Stammbuch geschrieben: Dieser Beitrag ist nicht geschaffen, um Aufmerksamkeit zu buhlen oder Stimmen zu erheischen. Es steht jedem frei, sich zu äußern. Auch mir.

Schreiben hilft

Einer lieben kranken Freundin habe ich vor Jahren einen Rat gegeben. Sie war schlimmer dran, wesentlich schlimmer. Es hat sehr lange gedauert, bis Sie aus dem (unverschuldeten) Loch wieder raus gekommen war. Mein Rat: Schreib es auf, dann ist es raus und drückt nicht mehr . Und dann steht es geschrieben da. Sie hat dann tatsächlich angefangen , einen kleinen Blog mit Ihrer Geschichte und ihrem Leben zu füllen. Mir brauche ich den Rat nicht geben, denn ich schreibe ja schon immer und viel. Vielleicht kennen Sie ja einen Menschen in ähnlicher Situation. Dann reichen Sie den Rat gerne weiter. Danke.

Fischerstube Tibarg, Hamburg-Niendorf

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Leckeres Essen, handgemacht, außer Haus geliefert

Die Fischerstube auf dem Tibarg in Hamburg Niendorf ist eine kleine Gaststätte abseits des Großstadttrubels – und ein Geheimtipp für alle, die gern Fisch essen. „Dank“ der Corona-Krise muss sich die Familie umstellen und versorgt nun die Gäste mit ihre Spezialitäten außer Haus. In begrenztem Radius wird auch geliefert. Rufen Sie einfach an und fragen Sie nach den aktuellen Angeboten: 040 58954720

Oder Sie laden hier die Karte als PDF herunter: KLICK!

Dies ist keine Schleichwerbung. Zum einen habe ich dort stets lecker gegessen, zum anderen haben zahlreiche Besucher ihre Top-Bewertungen auf Google hinterlegt.

Lesen Sie gern hier die Grüße der Gäste: KLICK!

Bockiger Abgesang – Über Covidioten und andere Menschen

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Über Außenseiter macht Mensch sich gern lustig. Und Visionäre gehören in die Klapse (sinngemäß Helmut Schmidt). So gesehen sind 30 Jahre Botho Strauss ein ganz besonderes Jubiläum. Wie das eine mit dem anderen verknüpft ist, dazu weiter unten mehr. In meinem Archiv liegen zwei Texte. Der eine fast 30 Jahre: „Anschwellender Bocksgesang“ aus 1993. Der andere etwas frischer: „Der Plurimi Faktor“ aus 2013. Verfassser ist Botho Strauß, Schriftsteller und Dramatiker. Was ihn meiner Meinung nach auszeichnet, ist ein sezierender Blick auf die Gesellschaft. Wortgewaltig und intellektuell hochgerüstet zerlegt er menschliches Verhalten und hält uns froh den Spiegel vor die Nase. Anstrengend durchaus, keine leichte Kost sicherlich.

Hier soll es nicht um eine Auseinandersetzung mit den beiden Artikeln gehen. Das maße ich mir nicht an. In ihnen tauchen aber Anmerkungen auf, die für die momentane, außerordentliche Situation in viralen Zeiten relevant sind. Und es sei mir erlaubt, mich an diesen Anmerkungen entlang zu hangeln – unterstützen sie doch meine Sicht auf die Gesellschaft im Ausnahmezustand.

Der Ausbruch

Nur Tage vor dem Einschlag sieht eine ganze Nation rot. Abgesehen davon, dass der zeitliche Vorsprung seit dem Ausbruch in China fast drei Monate beträgt. Ein sehr luxuriöser Vorsprung für Politik und Gesundheitswesen – finde ich. Nun lässt es sich nicht mehr ändern, weil zögerliche Beamte und rückversichernde Politiker gnadenlos Zeit verstreichen ließen. Strauss nennt dies einen „politisch-technischen Selbstüberwachungsverein“(A).

Die Schwächen des Systems, die Fehlbedarfe, die mangelnden personellen Strukturen, das „kostenoptimierte“ und „beste Gesundheitssystem der Welt“ – ein Kartenhaus. Ein tödliches Kartenhaus. Kaputt gespart, Mitarbeiter demoralisiert, Vorräte Fehlanzeige. (Keine Sorge, das wird kein Jammer-Thread.)

Es gibt auch Solidarität und Hilfsbereitschaft. Aber die hilft nicht gegen den Killervirus. Strauss dazu: „Sicher ist, dieses Gebilde braucht immer wieder wie ein physischer Organismus den inneren und äußeren Druck von Gefahren, Risiken, sogar eine Periode von ernsthafter Schwächung, um seine Kräfte neu zu sammeln, die dazu tendieren, sich an tausenderlei Sekundäres zu verlieren.“(A)

Dumm nur, dass dieser Druck übermächtig ist und das „System“ zu zerlegen droht. Verflixt, dass auch noch so viel Geld keine Infrastruktur, keine Intensivmedizin und schon gar keine Fachkräfte kaufen kann. Nicht in dem benötigten Umfang und der zur Verfügung stehenden Zeit. „Es ziehen aber Konflikte herauf, die sich nicht mehr ökonomisch befrieden lassen; bei denen es eine nachteilige Rolle spielen könnte, daß der reiche Westeuropäer sozusagen auch sittlich über seine Verhältnisse gelebt hat (A)

Wohlgemerkt stammt dieser Satz aus 1993. Soviel zum Thema Visionen. Und soviel zum Thema, welche Werte und Institutionen in Krisenzeiten relevant sind. Menschen hören auf einen Virologen, der zum medialen Superstar wird. Er wird es, weil die politischen „Eliten“ weder Charisma haben. noch glaubhaft planvoll agieren.

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Der Mensch

Wenn es auch in einem anderen Zusammenhang in den Texten auftaucht, passen die Zeilen perfekt in die Zustandsbeschreibung eines Landes im Panikmodus. Das Land der Dichter und Ingenieure. Ja, und das Land der kleinbürgerlichen Egoisten und Klopapierhamsterer. Der oben avisierte Druck bringt das Wahre, Innere zum Vorschein. Die Fassade ist ab, der Vorhang ist gefallen. Jetzt geht es nur noch darum, seinen eigenen Arsch an die Wand zu bringen und selbigen mit Nudeln vollzustopfen. Die Urängste bringen das Wesen ans Licht. Hässlich, niedrig, dumpf. Strauss dazu: „Nach der Würde – ach, Leihfloskel vom Fürstenhof! – meines deformierten, vergnügungslärmigen Landsmannes in der Gesamtheit seiner Anspruchsunverschämtheit muss ich lange, wenn nicht vergeblich suchen.“(A)

Die Unbelehrbarkeit muss eine der biblischen Todsünden sein. So resistent, wie lästige Krankenhauskeime, kleinbürgert der freiheitsliebende Germane herum. Selbstverständlich sind die Hinweise zum Verhalten bei nahender Gefahr von Vater Staat (und Mutti Merkel) nur Kann-Hinweise. Disziplin und Beschränkung – oh, ihr widerwärtigen Worte! „Der heitere Idiot in der Welt der Informierten zu sein heißt, ohne eine Regung von Zukunftsunruhe, ohne Angst zu leben.“(P) Oder anders formuliert: Der nach unten offene Grad der Bildung ermöglicht ein sorgenfreies Ableben.

Linguisten sind nicht gerade im Tagesgeschehen wahrnehmbar. Doch schaffen sie es, Dinge auf den wortwörtlichen Punkt zu bringen: „Covidiot“

The definition of the word ‚Covidiot‘ is when a stupid person who stubbornly ignores ‘social distancing’ protocol, thus helping to further spread COVID-19. The word Covidiot also describes a stupid person who hoards groceries needlessly spreading COVID-19 fears and depriving others of vital supplies.

„Der COVIDIOT“ Die Definition des Wortes „Covidiot“ ist, wenn eine dumme Person, die das Protokoll der „sozialen Distanzierung“ hartnäckig ignoriert, zur weiteren Verbreitung von COVID-19 beiträgt. Das Wort „Covidiot“ beschreibt auch eine dumme Person, die Lebensmittel hortet, die unnötigerweise COVID-19-Angst verbreiten und anderen die lebenswichtige Versorgung vorenthalten.

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Die Gesellschaft

Völlig überfordert und gelähmt blickt der Homo Europaeus auf die sich auftürmende Welle am Horizont, die näher rückend alles zu verschlingen droht. Es ist im wahrsten Wortsinn unfassbar und unbegreifbar. „Auch im Begreifen liegt immer etwas Gestriges. Wir begreifen ja das Neueste in vorgeprägten Formeln, die längst abgegriffen sind.“(P) Das Unbekanntes ängstigt, weil es nicht einzuordnen ist, folgt logisch. Und wie geht eine satte, reiche, „zivilisierte“ Gesellschaft nun damit um?

Hilft nun das volle Regal, das dicke Konto, das große Auto? Sind die ökonomisch gedrillten Menschen nunmehr mit Dingen ausgestattet, die eine dreiwöchige oder dreimonatige Quarantäne überstehen helfen? Ich wage es zu bezweifeln. Beginnen wir damit, dass es wohl schon schwerfällt, nichts zu tun. All die ach so gestressten Berufstätigen jaulen, dass sie nunmehr zuhause (!) ausruhen (!) müssen. Couch Potato wird Ouch Potato. Weiter geht es mit der drohenden Langeweile. Bitte? Wie geht das denn? Endlich mal das Buch lesen, was noch original verpackt im Regal liegt, endlich mal den Papierberg wegheften und ausmisten. Überflüssiges, Ballast definieren und für den Abtransport markieren. Die Frühlingssonne auf dem Balkon genießen. Usw, usf.

„Nach Lage der Dinge dämmert es manchem inzwischen, daß Gesellschaften, bei denen der Ökonomismus nicht im Zentrum aller Antriebe steht, aufgrund ihrer geregelten, glaubensgestützten Bedürfnisbeschränkung im Konfliktfall eine beachtliche Stärke oder gar Überlegenheit zeigen werden.“(A) Nach dem Runterkommen, dem Ausstieg aus dem Hamster(!)rad vielleicht eine willkommene Gelegenheit, sich seiner selbst zu besinnen. Vielleicht drängen sich dann die eigenen bösen Geister auf, die sich prima im Alltagsgetriebe versteckten ließen. Nutzen Sie doch die Gelegenheit, über sich, Ihr Leben und Ihre Ziele nachzudenken. Passt gerade ganz gut.

Und es bringt nichts, stündlich die Fallzahlen und Infektionskurven zu googeln. Davon wird es auch nicht besser. „Die großen Schrecken der Welt zählen zu den geringsten unter den Sensationen, die sich dem letzten einzelnen, dem Idiotes, aufdrängen.(P) Es sei denn, der Schrecken der Welt klopft laut an die eigene Tür…

Der Leser

Dank dem Leser für das Durchhaltevermögen. In Zeiten von „LOL“ und „HDL“ sind drei Seiten Text schon heftig. Vielleicht haben Sie ja auch eine Meinung, etwas zu sagen, resp. zu schreiben. Zögern Sie nicht, denn Kommunikation ist keine Einbahnstraße.

abendfarben@web.de

Passen Sie gut auf sich und Ihre Lieben auf. Halten Sie sich an die Regeln, die ja gar nicht so schwer sind und bewahren Sie sich weiter ein sonniges Gemüt. Geduld und Ruhe sind nun erste Bürgerpflicht. Nutzen Sie die Zwangsauszeit sinnvoll und sinnenvoll.

Quelle der Zitate (A) aus „Anschwellender Bocksgesang“: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13681004.html

Quelle der Zitate (P) aus dem „Plurimi Faktor“: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-104674126.html

Weltrekord in Hamburg-Niendorf: Das LEGO-Schiff ist das Größte!

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Weltrekord in Hamburg-Niendorf: Das LEGO-Schiff ist das Größte! Oder besser: Das Längste. Der „Erfinder“ ist LEGO Modellbauer Pascal Lenhard, der den Entwurf und die Planung für den Weltrekord inne hatte.

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Seine Ausmaße sind – für ein Spielzeug – gewaltig: 8,52 Meter lang, 600.000 Steinchen bilden den Rumpf und die Aufbauten, eine Tonne wiegt der Kahn. Ganze zehn Tage baute das Team mit zahlreichen Besuchern das Schiff auf.

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Faszination Hamburger Treppenhäuser

Ein Thema wurde zur (fotografischen) Leidenschaft: Treppenhäuser. Die Touren durch die Stadt lassen immer wieder staunen. In der Vielfalt und Pracht der Gestaltung und der Materialien. Doch Treppenhäuser haben auch etwas philosophisches, metaphysisches in sich. Diesem Bereich versuche ich auf den Grund zu gehen, bzw. auf´s Dach zu steigen.

Hoch!

Beim Betreten eines schönen Treppenhauses stockt einem oft der Atem. Licht, aufstrebende Formen, Linien die führen, Materialien zum berühren. Die Eingangshalle eines Treppenhauses ist der Empfang. Sie lädt ein, verweist auf Ebenen. Im Gegensatz zu einer Hotel-Lobby hält sich der Besucher hier nur kurz auf. Er möchte ja zu seinem Ziel. Der Eingang ist wie ein Bahnsteig, von dem man verreist. In dem Fall in die Höhe per Paternoster (ja, die gibt es noch) oder per Treppe. Da heißt es steigen. Aufsteigen, klettern, erklimmen. Je nach Anzahl der Geschosse ist das schon ein nettes Cardio-Training für zwischendurch. Es ist bergsteigen für Städter.

Hinter dem sinnlich erfahrbaren, den geschwungenen Geländern, den glatten Wänden, dem Licht ist der Aufstieg eine Erfahrung. Wir bezwingen etwas, überwinden uns oder einen Widerstand. Die Belohnung ist das Ankommen, die Aussicht. Ebenen zum ausruhen, Steigungen zum fortkommen. Es erschließen sich räumliche Zusammenhänge, es wechseln die Perspektiven. Gute Architekten spielen mit Fluchten, Säulen, Lichtlinien und nehmen den Betrachter auf eine sich ständig drehende Reise mit. Es gibt die ausladenden, sehr luftigen Treppenhäuser mit einem riesigen Lichthof. Und es gibt die engen, dunklen, ungemütlichen. Wie im „normalen“ Leben auch. In den einen verweilt man gern, aus den anderen zieht es einen schnell hinaus.

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Aufblicken, aufschauen, bewundern. Wir schauen zu jemand auf, wir verehren, vergöttern. Alles hat etwas mit „oben“ oder „darüber“ zu tun. Es gibt etwas über uns. Eine (göttliche) Macht, ein Schicksal, wie auch immer Sie es nennen wollen. Kirchen sind in den Schiffen oft gewaltig und hoch, farbenprächtig, lichtdurchflutet. Das Treppenhaus hat eine interessante Ähnlichkeit. Im besten Fall ist am oberen Ende Licht, eine Kuppel, Fensterflächen. Ein direkter Draht in den Himmel.

Runter!

Im Gegensatz dazu ist der Blick hinab. Abgesehen von der Höhe, die in leicht gestalteten Treppenhäusern besonders bedrohlich scheint, werden wir oben besonders in Beschlag genommen. Wir müssen hinab. In Tiefe, in Dunkelheit in das Ungewisse. Wie ein Loch wirkt die Tiefe. Der atemberaubende Ausblick hat zugleich etwas bedrohliches. Es ist ambivalent auf eine sehr subtile Art. Wir sind nah am Himmel (siehe Hoch!), doch wer hoch steigt, fällt tief. Was verbirgt sich hinter Stufen und Galerien? Das Treppenhaus ist die Zentrale, es sind die Eingeweide eines Hauses. Hier treffen sich Menschen oder entfernen sich voneinander. Und im Hinab geht es um verschwinden, versinken, eintauchen. Das muss gar nicht negativ sein. Ist es doch auch ergründen, sich in etwas hinein fühlen. Abwärts ist leichter, als aufwärts. Die eigene Last muss nicht mit jedem Schritt der Schwerkraft entrissen werden. Zugleich türmt es sich über einem auf. Immer mehr Masse und Kraft ist über dem Besucher. Jeder Schritt in die Tiefe ist ein Kilo mehr von oben.

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Stille!

Sie kennen die Räume der Stille? Es ist etwas Besonderes im hektischen Großstadtgetriebe, einen Ort der Ruhe zu finden. Sicher funktioniert das nicht im innerhäuslichen Berufsverkehr. Wenn die Etagen gefüllt sind oder an einem Freitagnachmittag, habe Sie die Chance, einen Raum der Stille zu finden. Und der ist auch noch eine Kathedrale, ein Wunderwerk der Architekten und Ingenieure. Sie stehen mitten im Auge des Lichthofs, sehen auf ins Licht. Linien und Fluchten führen die Augen empor. Und die kräftige Ruhe eines soliden Bauwerks überträgt sich auf einen. Probieren Sie es mal aus.

Kein Treppenwitz

Wussten Sie, dass es eine „Gesellschaft für Treppenforschung Scalalogie e.V.“ gibt? Diese befasst sich mit der Treppenkunde, der Eigenart, der Wirkung der Treppe. Auf deren Internetseite http://treppenforschung.de gibt es einen Fundus zu Geschichte und Materialien von Treppen. Schauen Sie mal rein…

 

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Digital Detox ist Kinderkram. Vergessen Sie die PIN!

Alle Jahre wieder zum Fest macht es Sinn, sich mal offline zu nehmen. Oh, du fröhliche digitale Detox-Zeit. Das ganze Jahr rumgetwittert und auf Insta geschaut, online News inhaliert und dem Treiben auf der Welt in Echtzeit zugeschaut und -gehört. Lesen Sie hier den ultimativen Ratgeber für echtes, wahres Digital Detox! Das kam so.

Twitter offline

Ja, ich liebe Twitter. Dieses Medium bietet eine mir genehme Vielfalt an Unterhaltung, Information und Spaß zu jeder Tageszeit. Doch wahrlich ist der Kurznachrichtendienst ein kleiner Teufel. Denn er stiehlt mir die Zeit Ach, komm, das ist doch so lustig und spannend hier, bleib noch ein Weilchen. Jaahaa, das ist es und ZACK, wieder etwas meiner Lebenszeit gestohlen. Einsicht ist der beste Weg zur Besserung. Lass mal Digital Detox machen! Also der kalte Entzug nach 11,5 Monaten des Jahres offline gehen und NICHT in die Timeline schauen und NICHT in die Direktnachrichten der lieben digitalen Menschen. AUA, das tut weh! Bitter muss die Medizin sein, sonst nützt sie nichts! Gesagt, getan. Am 16.12. war Schluss mit Lustig.

Die Hintertür

OK, Twitter war off. Doch der kleine Online-Suchti-Teufel findet ja seine Entsprechung. Wir haben ja noch Insta, die Mails und die News und überhaupt. Das ist ja gar kein Digital-Detox! Sagt der Engel auf der einen Schulter. Na und! Du hast ja Twitter off, sagt der Teufel auf der anderen Schulter, das reicht doch allemal! Und in mir schleicht so ein komisches Gefühl hoch…

Geisel der Technik

Das Hauptmedium ist heutzutage ja das Handy. Die ganze Welt in Deiner Hand. Alles mit einem Klick erreichbar. WLAN oder UMTS vorausgesetzt. Der Handcomputer ist tief in das Leben der Menschen eingedrungen. Es gibt keine geografischen oder Einkommensbarrieren mehr. Jeder kann jederzeit für kleines Geld online sein. Das Thema Netzabdeckung und Geschwindigkeit in einem „Hochtechnologieland“ Deutschland spare ich mir an dieser Stelle komplett…

Nun kommt es vor, das der Hersteller von Handys von Zeit zu Zeit Updates auf die Geräte überträgt und den Nutzer zu Bestätigungen auffordert. Diese ermöglichen dann ein Update der Software des Betriebssystems oder einzelner Komponenten. Soweit, so gut. Die Anfrage auf Update wurde mit „später“ abgelehnt. Die Geschäftsbedingungen bestätigt (*). Hätte, hätte, Fahrradkette.

Gib mir die PIN!

Froher Detoxer, der ich bin, greift am Morgen zum Handy.

Und.

Wird.

Ganz.

Still.

Das geliebte Handcomputerleinchen fuhr in der Nacht ganz unbemerkt herunter (*) und fragte frohgemut nach der PIN. Berechtigt nach einem RunterHoch. Wenn, siehe Absatz 2, das Digitaldings immer an ist, weil man (ich) ja immer on ist (MIST!) braucht man (ich) ja auch seine PIN (!) nicht (immer). Die ruhte an sicherem (aber weit von mir entferntem) Orte. Öhhm.

Real Detox

Der halbherzige Plan fand brutal seine Erfüllung. Nix online. Nix Ablenkung. Nix „wir schauen mal eben ein lustiges Video“. Nix. Nix. Einfach nix. Also digtal. Nach dem Schreck die Ernüchterung. Kalter Entzug. Suchti auf Station. Im Leben. Lebensstation. Zeitreise. Zurück in der (nicht Zukunft) Realität. Huiiiiii!

Es war nicht der Fakt des nicht online sein. Es war (wieder einmal) die Erkenntnis, wie (unbemerkt) sich die Technologie in das (mein) Leben drängt, davon Besitz ergreift, es beherrscht. Natürlich ist so ein Onlinedingsi (hier kommen direkt die Ausreden für alle Suchtis) meganützlich. Denn ich kann ja jederzeit den Wetterbericht schauen. (AUS DEM FENSTER GUCKEN!) Ich kann doch wunderbar mit meinen Freunden kommunizieren. (HINFAHREN, KAFFEE TRINKEN, QUATSCHEN, CHILLEN!) Und wenn ich rumsingle, finde ich doch bestimmt eine ganze Hübsche im Internet. (RAUS AUS DER BUTZE UND SIEH ZU, DASS DU UNTER LEUTE KOMMST!)

Und nun?

Erkenntnis in Echtzeit. Ganz real. Lassen wir mal Verschwörungstheoretiker und Technikfeinde außen vor. Was passiert eigentlich, wenn wir offline sind. Also in echt, Ohne Hintertür. Sind wir überhaupt noch noch in der Lage, ohne Online zu agieren? Die Altvorderen hatten nur ein Telefon. Zum Telefonieren, also reden. Und die Post. Zum schreiben. Kommunikation, die jahrzehntelang funktionierte. Die Dingsis verursachten (mit) eine Sprachenkorrektur und dampften den Umfang der Kommunikation immer weiter ein. Erst die teure SMS (HDL!) dann Twitter mit 140 Zeichen (LOL). Das Lesen (und Schreiben) längerer Texte wurde zu Arbeit, zur Last. Die Aufmerksamkeitspanne reduzierte sich auf die Kurzkommunikation 😉

Es ist ein Dilemma. Ohne Computer (Smartphone) geht es heute sicher (beruflich) nicht. Die Frage ist aber, in welchem Umfang wir es zulassen, dass die Technik uns vereinnahmt. Welche Tätigkeiten brauchen online? Geht auch eine offline Ersatzhandlung? Wäre ein Pflicht-Detox per Monat eine Variante? Ist das Bevormundung oder Rettung vor dem Kraken Online? Pflege der Realität als Training?

Ich habe keinen Plan oder allgemeine Weisheiten. Aber die Erkenntnis, dass es so, wie es ist, nicht gut ist. Es muss jeder für sich entscheiden, wie er mit Technik und ihren Folgen umgeht. Danke, dass Sie den Text am Computer oder auf dem Handy gelesen haben! Legen Sie das Dingsi einfach mal zur Seite, und lassen Sie das geschriebene Wort wirken.

PS: Dieser Text wurde übrigens offline geschrieben. Digital Detox, Sie verstehen…